Agrarwirtschaft

Ortslandwirt Wolfgang Steul ist in Niederdorfelden als Ratgeber gefragt

Sieht sich zunehmend als Manager und Planer: Ortslandwirt Wolfgang Steul aus Niederdorfelden.
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Sieht sich zunehmend als Manager und Planer: Ortslandwirt Wolfgang Steul aus Niederdorfelden.

Wolfgang Steul ist seit 2009 Ortslandwirt. Seine zweite Amtsperiode läuft mit dem 31. Dezember 2021 ab (siehe Kasten). Bis jetzt gibt es keinen Nachfolger für den 66-Jährigen. Auch für Steuls Stellvertreter Daniel Henze nicht. Gegen eine dritte Amtsperiode hätte Steul nichts einzuwenden.

Niederdorfelden – „Als Ortslandwirt sehe ich mich als Ansprechpartner für die Gemeinde, wenn es um Belange geht, die mit der Landschaft rund um Niederdorfelden zu tun haben“, sagt er. Seine Meinung sei gefragt bei Grundstücksverkäufen, Verpachtungen, Veräußerungen und bei Neuausweisungen von Baugebieten. In beratender Funktion ist er manchmal auch „auf dem kleinen Dienstweg“ tätig.

Auch die Feldwegebefahrung ist für ihn ein Thema, wenn es erforderlich ist, den Bewuchs zurückzuschneiden, etwa wenn verstärkt Abfuhrgespanne und Mähdrescher in der Erntezeit unterwegs sind. Als Ortslandwirt lädt er auch zu Bauernversammlungen ein und macht Mitteilungen.

Aktuell entdeckten viele Leute coronabedingt die Feldflur als Spazier- und Wanderweg. Der hessische Rad- und Wanderweg Nummer vier ziehe sich durch die Gemarkung. „Da kommt es hier und da zu Zusammenstößen zwischen Radfahrern und Landwirten. Die Radfahrer meinen, der Weg gehöre ihnen, doch die Landwirte haben Vorrechte“, sagt Steul. Er habe selbst schon erlebt, dass ein Radfahrer gestürzt und vor seinem Schlepper zum Liegen gekommen sei.

Häufig Diskussionen mit uneinsichtigen Spaziergängern

Viele Leute lernten aktuell die Feldflur auch zu Fuß kennen. In der Krise hätten sich zählreiche Menschen einen Hund angeschafft. Die Tiere würden auf den Graswegen frei laufen gelassen. Das sei eine Unart. Hinzu käme, dass der Hund zum Laufen mit Autos in die Feldflur gefahren werde. Die Autos würden irgendwo geparkt und der Hund hinterlasse seinen Kot. Die Landwirtschaft sei gefordert, saubere Lebensmittel zu produzieren.

Steul erklärt, wenn er mit dem Schlepper durch den Hundehaufen fahre und anschließend in sein Getreidefeld mit dem Brotgetreide, dass er diese Hinterlassenschaften unabsichtlich im Getreide verteile. Im Brotgetreide als Wirtspflanze könne nachgewiesen werden, was der Hund für Medikamente bekomme. Unangenehm ist es ihm als Ortslandwirt, wenn er Leute rügen muss, die er kennt. Manchmal führe dies bei sehr uneinsichtigen Zeitgenossen auch zu einer Anzeige.

Uneinsichtig seien einige Spaziergänger jedoch auch ihm gegenüber, wenn er mit einer Pflanzenschutzspritze und Flüssigdünger arbeitet. Spaziergänger hätten ihn schon angesprochen, dass sie sich gestört fühlten, weil er „Gift spritze“. Dann zeige er die Pflanzenschutzspritze, die alle zwei Jahre vom TÜV geprüft werde. Zudem besitzt er einen Pflanzenschutz-Ausweis, um diese Tätigkeit ausführen zu können.

Kritik an Flächenversiegelung

Auch auf die Lebensmittelknappheit kommt Steul zu sprechen. Auf der einen Seite werde täglich gutes Ackerland zubetoniert, auf der anderen Seite steige die Bevölkerungszahl, doch Lebensmittel müssten auch weiterhin produziert werden. Weizen, Soja, Raps und Gerste würden teurer gehandelt. „Der Weizenpreis ist im vergangenen Jahr um fast fünf Euro pro 100 Kilo gestiegen“, sagt er.

Steul ist staatlich geprüfter Landwirt. Gelernt hat er zwei Jahre auf dem Hof seines Vaters, mit Viehhaltung in Niederdorfelden. Ein weiteres Jahr lernte er in Hochstadt in einem Lehrbetrieb. „Dort habe ich Erfahrungen mit der Direktvermarktung von Eiern und Kartoffeln gesammelt“, sagt Steul. Durch eine Erkrankung seines Vaters wurde der Hof verkleinert. Steul verdiente seine Brötchen bis 2014 als selbstständiger Taxifahrer in Frankfurt.

Landwirte werden immer mehr zu Managern

Heute ist er wieder in der Landwirtschaft tätig und auch an der Biogasanlage in Karben beteiligt. Er baut Mais, Weizen und Raps auf einer Fläche von 60 Hektar an. Zudem legt er im Frühjahr Blühstreifen für Insekten an. Für Imker stellt er seine Rapsflächen zur Verfügung.

Darüber hinaus ist Steuls Hof ein Wasserrahmenrichtlinienleitbetrieb. Dies bedeute, dass das Ingenieurbüro Schnittstelle Boden als öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige bei ihm verschiedene Beobachtungsflächen habe. Dort würden regelmäßige Bodenuntersuchungen vorgenommen. „Heute muss ein Ortslandwirt mehr Manager und Planer sein“, fasst Steul über seinen Berufsstand zusammen, von dem es im Ort aktuell zwei Biobetriebe und drei konventionelle Betriebe gebe. „Es reicht nicht mehr, nur den Überblick auf dem Schlepper zu behalten.“

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