Nur fünf Mitglieder

Personalprobleme vor der Kommunalwahl: CDU in Niederdorfelden wirbt um Mitstreiter

Auf Kandidatensuche: Brunhilde Steul, Vorsitzende der CDU Niederdorfelden, wirbt um neue Mitglieder für die Kommunalwahl.
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Auf Kandidatensuche: Brunhilde Steul, Vorsitzende der CDU Niederdorfelden, wirbt um neue Mitglieder für die Kommunalwahl.

Brunhilde Steul lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen. Doch der Blick auf die Kommunalwahl im März bereitet der Vorsitzenden der CDU Niederdorfelden Kopfzerbrechen: Ihrer Partei geht das Personal aus. „Ob wir eine eigene Liste aufstellen können, steht aktuell auf der Kippe“, sagt Steul, die sich selbst seit Jahrzehnten politisch im Ort engagiert.

Gerade noch fünf Mitglieder zählt der CDU-Gemeindeverband, sagt Steul. Lediglich fünf Personen sind aktuell bereit, auf der Liste der Partei für das Gemeindeparlament zu kandidieren. Die Parteizugehörigkeit ist dafür keine zwingende Voraussetzung. „Wichtig ist, dass die Leute die Grundzüge unserer Politik für die Gemeinde unterstützen und eigene Ideen für die Weiterentwicklung von Niederdorfelden einbringen“, sagt Steul.

CDU Niederdorfelden: Mitgliederzahlen schrumpfen seit Jahrzehnten

Ihren Zenit hatte die CDU in Niederdorfelden in den 1980er Jahren. „Damals zählte der Verband an die 80 Mitglieder“, so die Vorsitzende. Doch mit der Jahrtausendwende schrumpft auch die Bereitschaft der Bürger, sich in einer Partei zu engagieren.

Als Brunhilde Steul 2001 den Vorsitz übernimmt, schafft sie es noch einmal, die Mitgliederzahl auf 20 zu verdoppeln. Durch Wegzug und Sterbefälle habe die CDU in den vergangenen Jahren einen personellen Aderlass erlebt, der an die Existenzgrundlage geht. „Ich bin Vorsitzende, Schriftführerin und Kassenwartin in einer Person“, zeigt Steul das Dilemma auf.

Gemeindeverband feiert 2021 das 50-jährige Bestehen

Dabei gebe es in der kleinen Kommune durchaus Wählerpotenzial für die Konservativen. „Bei Landtags- und Bundestagswahlen liegen wir regelmäßig über 30 Prozent. Aber das nützt nichts, wenn keine Kandidaten zur Wahl stehen“, sagt Steul, die Vorsitzende des Gemeindeverbands, der im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag feiern kann.

Es wäre natürlich besonders bitter, wenn die CDU in Niederdorfelden ausgerechnet in ihrem Jubiläumsjahr nicht zur Kommunalwahl antreten würde. Steul möchte ihre Partei gut aufgestellt wissen. Denn die 66-Jährige wird selbst nicht noch einmal antreten. „Die Kanzlerin und ich sind ein Jahrgang“, erklärt die engagierte Kommunalpolitikerin. Wie Angela Merkel will sich Steul aus der Politik zurückziehen. „Gesundheitlich geht es einfach nicht mehr wie früher“, sagt die Seniorin, die ihre Leben lang engagiert und sportlich aktiv war.

„Außer Boxen habe ich fast jeden Sport ausprobiert“, erzählt sie im Gespräch mit dem HA. Sie habe zu den Pionierinnen im Frauenfußball gehört, Tennis gespielt und Leichtathletik betrieben. „Seit einigen Jahren habe ich Nordic Walking für mich entdeckt.“

CDU stellte in Niederdorfelden mit den Grünen die Mehrheit

Für ihre Partei hat Steul nicht nur den Parteivorsitz übernommen. Sie war jahrelang Fraktionsvorsitzende im Gemeindeparlament, kandidierte als Bürgermeisterin, war Mitglied des Kreistags und Erste Beigeordnete. Von 2006 bis 2011 konnte die CDU (sechs Sitze) gemeinsam mit den Grünen (zwei Sitze) gegen die SPD (sieben Sitze) die Mehrheit im Parlament stellen. Aktuell hat die SPD mit neun Sitzen die absolute Mehrheit.

„Auch wenn Niederdorfelden im Vergleich mit anderen Kommunen heute gut dasteht, sehe sie durchaus noch Potenzial für Verbesserungen. Zum Beispiel beim Thema Rathaus und Bürgerhaussanierung.“ Ein Bürgerhaus in dieser Form halte sie nicht mehr für zeitgemäß. Es werde ja fast nur noch für Sitzungen und Vereinsveranstaltungen genutzt. Und von letzteren gebe es immer weniger. „Ich würde den Bau einer Multifunktionshalle beim Sportplatz favorisieren.“ Den frei werdenden Platz, an dem heute das Bürgerhaus steht, könnte man für den Bau von Wohnungen nutzen. Die Weiterentwicklung des Ortes ist Steul wichtig.

CDU Niederdorfelden sucht bisher vergeblich nach Kandidaten

Acht Jahre engagierte sie sich als Vize-Präsidentin des hessischen Landfrauenverbands. Den Vorsitz des Ortsvereins der Landfrauen wird sie zunächst behalten. Doch auch dort würde sie die Verantwortung gerne in jüngere Hände legen.

An Angela Merkel bewundert Steul die Unaufgeregtheit, die der Kanzlerin zugeschrieben wird. „Auch mein Motto ist: In der Ruhe liegt die Kraft. Ich sage immer: eines nach dem anderen. Wie beim Klößeessen.“ Deshalb will sie auch weiter die Werbetrommel für die CDU-Liste rühren. Im Ort hat sie bereits mit Flyern um Personal geworben – bis jetzt vergeblich.

Bis zum 4. Januar müssen die Listen für die Kommunalwahl eingereicht sein. Wer Interesse hat, auf der Liste der CDU zu kandidieren, kann sich bis Mitte Dezember bei Brunhilde Steul unter z 0172 6634553 oder per E-Mail an bsteul@gmx.de melden. „Das Schreckensszenario, dass eine Volkspartei wie die CDU keine Liste stellt, darf einfach nicht eintreten“, betont Steul.

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