Anwalt eingeschaltet

Müll-Ärger in Niederdorfelden: Frust bei den Bürgern - Stadt kündigt Konsequenzen an

In Niederdorfelden bei Hanau häufen sich die Probleme mit der Müllentsorgung. Das Entsorgungsunternehmen hat eine Erklärung, die Stadt will Konsequenzen ziehen.

  • In Niederdorfelden herrscht Frust wegen der Müll-Entsorgung
  • Das Unternehmen schiebt die Situation auf die Corona-Pandemie
  • Nun greift die Stadt zu drastischen Mitteln

Niederdorfelden – Viermal im Jahr wird in Niederdorfelden der Sperrmüll vor der Haustür abgeholt. Doch der Juni-Termin endete bei vielen Bürgern mit Frust. Nur die Hälfte wurde mitgenommen.

Zwar gab es nach Beschwerden am Tag darauf einen Nachholtermin, doch die Unzufriedenheit mit dem Entsorger reicht weiter. Bürgermeister Klaus Büttner war diese Woche zum Gespräch bei der Firma Weisgerber Umweltservice GmbH in Wächtersbach und mahnt: „Das muss besser werden.“

Unternehmen argumentiert: Mehr Sperrmüll in der Corona-Zeit

Der Entsorger begründet die Probleme gegenüber unserer Zeitung mit einer Zunahme der Mengen in der Corona-Zeit. Seit 2018 hat die Firma Weisgerber den Auftrag für die Entsorgung von Rest-, Bio, Papier- und Sperrmüll in der Gemeinde.

Zudem betreut sie den Kleinmüllsammelplatz. Das Unternehmen ist vor zweieinhalb Jahren als Gewinner aus der EU-weiten Ausschreibung hervorgegangen, die vom Landesrechnungshof gefordert worden war.

Beschwerden wegen Sperrmüll seit Wechsel des Entsorgers

Davor ist der Müll in Niederdorfelden vier Jahrzehnte lang Sache der Maintaler Firma Max Spahn gewesen. Büttner betonte damals, dass man eigentlich keinen Änderungsbedarf gesehen hat, die rechtlichen Vorgaben aber keine Wahl ließen. Bereits in den ersten Wochen nach dem Wechsel gab es Beschwerden.

„Das konnte man damals vielleicht noch auf Anfangsschwierigkeiten und Ortsunkenntnis zurückführen. Heute aber nicht mehr“, betont Bürgermeister Büttner. Auch bei der Leerung der Restmülltonne habe es zuletzt Probleme gegeben.

Ärger um Müllentsorgung: Stadt schaltet Anwalt ein

„Ich bin mit der Leistungserbringung unseres Abfallentsorgers sehr unzufrieden“, ließ der Rathauschef seine Bürger über die sozialen Netzwerke wissen.

„Wir sind mit unserem Anwalt daran, die vertraglichen Verstöße aufzulisten und die entsprechenden rechtlichen Schritte einzuleiten. Eine außerordentliche Kündigung des laufenden Vertrages kommt aufgrund der Verstöße jedoch noch nicht in Betracht“, klärte Klaus Büttner auf.

Es müsse dem Vertragspartner immer eine Möglichkeit zur Nachbesserung gegeben werden. Der Vertrag mit der Weisgerber Umweltservice GmbH läuft noch bis Ende 2022. 

Müll-Unternehmen: 25 Prozent mehr Müll während Corona-Pandemie

Weisgerber entleert auch in vielen anderen Kommunen im Main-Kinzig-Kreis die Tonnen, zum Beispiel in Schöneck und Bruchköbel. Insgesamt betreut der Müllentsorger mehr als 40 Kommunen im Umkreis. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Fabian Weisgerber aus der Geschäftsleitung, warum es aktuell Probleme bei der Entsorgung des Sperrmülls gibt. 

„Die Menge ist während der Corona-Pandemie um 20 bis 25 Prozent angestiegen“, erklärt Weisgerber. Viele Menschen hätten die Zeit während der Corona-Krise offenbar zum Entrümpeln genutzt. „In Niederdorfelden haben wir es an dem einen Tag einfach nicht geschafft“, gibt er zu.

Müll-Unternehmen: Corona hat Planung durcheinander gebracht

Problematisch sei auch, dass es bei den Verwertungsanlagen derzeit zu extremen Staus mit Wartezeiten von bis zu zwei Stunden komme. Corona habe alles durcheinander gewirbelt. „Während wir im Gewerbebereich einen absoluten Einbruch erlebt haben, hat die kommunale Entsorgung zugenommen“, erläutert Weisgerber.

So habe er Mitarbeiter umschichten müssen. Direkt nach dem Lockdown habe man festgestellt, dass sich die Zusammensetzung beim Altpapier entscheidend geändert hat.

Wie an Silvester: Corona sorgt für hohes Müllaufkommen bei Altglas

Die Menschen hätten mehr im Versandhandel bestellt, die voluminösen Kartonagen seien als Beistellmenge zu den blauen Tonnen gestellt worden. „Statt zehn Tonnen passten nur noch acht in ein Fahrzeug.“ Er glaube nicht, dass sich das so schnell ändert.

„Dafür müssen wir einen neuen Rhythmus finden. Ebenso beim Altglas. Dort haben wir seit März so ein hohes Aufkommen wie sonst an Silvester.“ Optimistischer ist Fabian Weisgerber beim Sperrmüll.

Müll-Unternehmen hofft auf ruhigere Lage ab Herbst

„Ich gehe davon aus, dass ab Herbst die Mengen wieder zurückgehen. Normalerweise entrümpelt man nur einmal im Jahr aus“, so der Müllfachmann.

 Trotzdem will er in Niederdorfelden nachbessern und das nächste Mal entweder zwei Fahrzeuge schicken oder einen Wagen mit zwei Leuten besetzen.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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