Werk soll schon Ende März schließen

Beschäftigte der R+S Stanzformen GmbH protestieren gegen Stellenabbau

Die meisten der 80 Beschäftigen der R+S Stanzformen GmbH in Niederdorfelden protestierten gestern auf dem Fimengelände gegen die geplante Schließung des Werks Ende März und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.
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Die meisten der rund 80 Beschäftigen der R+S Stanzformen GmbH in Niederdorfelden protestierten gestern auf dem Fimengelände gegen die geplante Schließung des Werks Ende März und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Die Geschäftsleitung von R+S Stanzformen GmbH, eine selbstständige Tochter der Mayr-Melnhof Gruppe mit Sitz in Wien, hat angekündigt, das deutsche Werk mit 80 Beschäftigen zum 31. März zu schließen, weil die Produktion defizitär ist. Bei einer Protestaktion der Beschäftigten, organisiert vom Betriebsrat und der IG Metall, wurde von der Konzernleitung gefordert, dass sich das Unternehmen verpflichtet, „für eine zweifelsfrei notwendige Restrukturierung die benötigte Zeit und Investitionen zur Verfügung zu stellen, um den Standort zu sanieren“, heißt es im Protestaufruf.

Niederdorfelden – Grund für die finanziellen Schieflage ist eine Strategieänderung der Konzernspitze, die R+S Stanzformen nicht mehr als internen Zulieferer betrachtet, sondern die Firma als Profitunternehmen ansieht, so Robert Weißenbrunner, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Hanau-Fulda gegenüber dem Hanauer Anzeiger. Allerdings sei das zum jetzigen Zeitpunkt wegen der hohen Fixkosten nicht zu leisten.

Betriebsrat und IG Metall haben bereits Ideen für Rettung der Firma

Betriebsrat und Gewerkschaft fordern, einen Restrukturierungsprozess mit Beteiligung der Beschäftigten zu initiieren, „um den Standort langfristig markt- und wettbewerbsfähig neu aufzustellen.“ Dabei könne die Fortführung der Firma unter dem Konzerndach oder als Alternative mit einem externen Investor umgesetzt werden, schlagen Betriebsrat und IG Metall vor. Man habe bereits gemeinsam erste Ideen für eine Rettung der Firma entwickelt und will dieses in die anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsleitung zum Thema machen.

Die Entscheidung, den Standort innerhalb von drei Monaten zu schließen, habe die Belegschaft völlig unerwartet getroffen und die Beschäftigten seien immer noch geschockt, so der Betriebsratsvorsitzender Vincenzo Cammilleri. „Hier wird die Belegschaft für Fehlentscheidungen des Managements in die Verantwortung genommen und damit die Existenz von 80 Familien bedroht. Anstelle eines Zukunftskonzepts zur Neuaufstellung des Standorts in Niederdorfelden zu entwickeln, will man nun den gesamten Standort schließen, dagegen wehren wir uns“, stellte Cammilleri fest. Das Management habe ausschließlich Pläne zu Abwicklungsszenarien vorgelegt und bisher keine Überlegungen für mögliche Zukunftsperspektiven entwickelt.

Mutterkonzern: „R+S Stanzformen seit Jahren defizitär“

Genau an diesem Punkt wollen Betriebsrat und IG Metall ansetzen, um eine Standortschließung gemeinsam mit der Belegschaft zu verhindern: „Statt mit einem reinen Schließungskonzept erwarten wir vom Mayr-Melnhof-Management, das sie gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern Ideen zur Standortentwicklung und damit zur Zukunftssicherung des Standorts und der Arbeitsplätze in Niederdorfelden einbringen und ernsthaft über einen Restrukturierungsprozess mit uns verhandeln“, forderten Weißenbrunner und Cammilleri.

Auf Anfrage dieser Zeitung stellte Stephan Sweerts-Sporck, Head of Investor Relations/Corporate Communications von der Mayr-Melnhof Karton Aktiengesellschaft in Wien zur geplanten Schließung mit: „Das mit rund 75 Mitarbeitern ausschließlich auf die Produktion von Stanzformen für die Verpackungsindustrie spezialisierte Unternehmen, R+S Stanzformen GmbH in Niederdorfelden, erwirtschaftet bereits seit mehreren Jahren kein positives Ergebnis. Auch eine Restrukturierung konnte keine Änderung herbeiführen. Zu geringes Umsatzpotenzial, da der aktuelle Eigentümer Mitbewerber der Kunden ist, und zu hohe Kosten stehen nachhaltig einer Fortführung entgegen. Auch eine geprüfte Veräußerung blieb aufgrund der negativen Ergebnisentwicklung ohne Erfolg. Die nun geplante Standortschließung soll so sozialverträglich wie möglich erfolgen. Die bestehenden Geschäftsbeziehungen sollen an eine deutsche, global tätige Unternehmensgruppe der Branche übertragen werden.“

„Der Wegfall von 80 Arbeitsplätzen und die Folgen für die Beschäftigten und ihre Familien wären ein harter Schlag für die Betroffenen, aber auch für die Kommune. Die finanziellen Folgen für die Gemeindekasse durch den Ausfall von Gewerbesteuer von mehreren hunderttausend Euro jährlich würde sich ein großes Loch im Finanzplan auftun. Deshalb hoffe ich, dass sich Geschäftsleitung, Belegschaft und Gewerkschaft auf einen Weg einigen, um den Standort von R+S Stanzformen in welcher Form auch immer in Niederdorfelden möglich zu machen“, hofft Bürgermeister Klaus Büttner (SPD) auf positive Gespräche aller Beteiligten. Noch sei es nicht zu spät, um eine machbare Lösung für die Fortführung der Firma zu finden.

Bei der Protestkundgebung forderte SPD-Landtagsabgeordneter Christoph Degen (links), mehr Zeit für eine mögliche Restrukturierung des Unternehmens.

Bürgermeister glaubt an erfolgreiche Umstrukturierung

Er habe in seiner Zeit als Bürgermeister miterlebt, wie die Firma von 30 Mitarbeitern bis auf die heutige Größe angewachsen sei und er glaube, dass in der Belegschaft so viel Innovationskraft stecke, dass eine erfolgreiche Umstrukturierung am Standort Niederdorfelden möglich sei.

Als einer der Gastredner versicherte SPD-Landtagsabgeordneter Christoph Degen der Belegschaft die Solidarität von Landrat Thorsten Stolz und Kreisbeigeordneter Susanne Simmler (beide SPD). Es könne nicht sein, dass ein internationaler Konzern mit einem Federstrich die Existenz von 80 Familien aufs Spiel setze und dem Unternehmen nicht die Chance und die Zeit einräume, sich zu restrukturieren. „Der Beschluss, die Firma zu schließen, ist aus heiterem Himmel gekommen. So geht man nicht mit Mitarbeitern um, die seit vielen Jahren ihr Herzblut in das Wohlergehen ‚ihres’ Betriebs gesteckt haben“, kritisierte Degen.

(Von Thomas Seifert)

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