Vom Sieg des Lebens über den Tod

Zu Oster spricht Dekan Lückhoff: Weniger kann mehr bedeuten

Dekan Dr. Martin Lückhoff
+
Der Dekan des Kirchenkreis Hanau: Dr. Martin Lückhoff

Im Zug der Corona-Krise findet der Dekan des evangelischen Kirchenkreises Hanau, Dr. Martin Lückhoff, zu Ostern besondere Worte.

Es ist eine merkwürdige Zeit. Die Corona-Pandemie hat uns im Griff. Menschen haben Angst, weil ihr Arbeitsplatz gefährdet ist. In Kliniken und Heimen setzen sich Pfleger und Ärztinnen mit großem persönlichem Einsatz für Hilfsbedürftige ein. Kinder und Enkel leiden darunter, Eltern und Großeltern nicht besuchen zu können. Die Passionszeit mit der Karwoche erinnert Jahr für Jahr daran, dass es auch ein Zu Viel, Zu Laut, Zu Schnell an Welt geben kann. Dass ein „Weniger“ auch ein „Mehr“ bedeuten kann. Daher leide ich nicht darunter, dass Kinos geschlossen und Shopping-Malls außer Betrieb sind. 

Unterdessen zieht vor meinem Fenster ein Osterbaum meinen Blick immer wieder auf sich, ein Baum, der mich fasziniert. Anstelle von Blättern trägt dieser Baum in Einsteckfolie gepackte Basteleien, die eine Mitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde für Ostern vorbereitet hatte. Das Wetter ist schon fast sommerlich, der Himmel blau, die Folien mit den bunten Osterbasteleien tanzen am Baum. 

Lückhoff: Die Liebe ist stärker als der Hass, die Treue stärker als die Gewalt.

Die Kirchengemeinde möchte Menschen in der Krise gut begleiten. Das Leben geht weiter, aber in einem anderen Takt. Und wir lernen: Wir brauchen andere Menschen, brauchen einander. Die Ärztin, den Verkäufer oder die Lehrerin ebenso wie Freunde, Angehörige oder hilfsbereite Nachbarn. Schließlich ruft uns das Virus ins Gedächtnis, was wir wissen, aber verdrängt haben: dass wir zerbrechliche Wesen sind. Dass wir sterblich sind, dass wir sterben. Zu Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. Nicht das Sterben und der Tod haben das letzte Wort, sondern das Leben. Auferstehung nennen wir das. Das Leben siegt. Mit dem Kreuz ist eben nicht alles aus und vorbei. Die Liebe ist stärker als der Hass, die Treue stärker als die Gewalt. Denn Gott hat in Jesus Christus gehandelt, ihn durch den Tod hindurchgeführt, ihn auferweckt. Basis dieser Hoffnung ist die biblische Botschaft. 

Die Osterevangelien berichten von Frauen, die mit Salböl in den Händen kamen, um nach dem schlimmen Karfreitag zu retten, was noch zu retten ist. Eingestellt auf eine Friedhofsruhe, orientierten sie sich an der Vergangenheit und wollten festhalten, was einmal war und jetzt vorbei ist. Erinnerung an bessere Zeiten, Rückblick auf eine abgeschlossene Lebensgeschichte. Als sie am Grab ankommen, ist alles ganz anders. Der Jüngling in weißem Gewand schickt die Frauen zurück. Sie sind verwirrt und orientierungslos, ihre Pläne wurden durchkreuzt. Sie, die Jesus suchen, finden ihn nicht unter den Toten. Der Stein ist weggerollt, der Tote ins Leben zurückgekehrt. Nicht als Geist oder Gespenst, sondern als Person, die sich im Leben erleben und erfahren lässt. 

Seit Ostern würde man wissen, dass andere Zeiten kommen

Sein Leben war eben keine Theatervorstellung, bei der mit der Kreuzigung der Vorhang gefallen ist und die Zuschauer wieder allein zurückgeschickt werden. Ostern feiert das Leben. Gott schaut nicht tatenlos zu. Er nimmt nicht alles hin. Schmerz und Kummer, Tod und Trauer haben nicht das letzte Wort. In Zeiten, in denen Menschen sich sorgen um Freiheit und Menschenwürde, in denen Nachrichten über Infektionen und Bilder Gestorbener uns entsetzen, ist Ostern ein Hoffnungszeichen. Hoffnung für uns, dass alles Enge und Lebensfeindliche ein Ende hat. Zusage an Einsame und Alleingelassene, dass sie gesehen werden und nicht verlassen sind. Trost für Sterbende und vom Tod bedrohte, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Seit Ostern wissen wir: Jetzt kommen andere Zeiten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare