Auch Gegen-Demo

Querdenker-Demonstration in Gelnhausen: 200 Teilnehmer demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

Bei der Querdenker-Demonstration galt die Abstandspflicht. Aber Maskenpflicht hatte das Ordnungsamt nicht angeordnet.
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Bei der Querdenker-Demonstration galt die Abstandspflicht. Aber Maskenpflicht hatte das Ordnungsamt nicht angeordnet.

In Gelnhausen findet eine Demonstration der Querdenker-Bewegung statt. Rund 200 Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen. Auch eine Gegendemonstration wird organisiert.

Gelnhausen – Ein sonniger, kalter Samstagnachmittag in der Barbarossa-Stadt. Schon von Weitem ist die Musik zu hören, die auf dem Parkplatz am Uferweg aus den Boxen dröhnt. „Die Masse, sie folgt wie ein Schaf, die Freiheit dreht sich im Grab, doch der Widerstand ist da“, rappt der Hip-Hopper SchwrzVyce in seinem Song „Fake News Media Propaganda“, der eine angebliche Gleichschaltung der sogenannten Mainstream-Medien anprangert.

Währenddessen strömen immer mehr Menschen auf den Parkplatz. Sie sind dem Aufruf der Gruppen „Allianz Pro Grundgesetz“ und „Querdenken 6051“ gefolgt. 20 000 Flyer haben die Organisatoren nach eigenen Worten im Vorfeld dafür im ganzen Kreis verteilt.

Querdenker-Demonstration: Kein Mundschutz erforderlich in Gelnhausen

Rund 200 Menschen finden sich am Ende auf dem großen Uferparkplatz ein, belegen knapp die Hälfte der Fläche. Viele kennen sich, begrüßen sich mit Handschlag und Umarmungen. Eine Mundschutz-Maske trägt keiner der Demonstranten. Müssen sie laut Ordnungsamt der Stadt Gelnhausen auch nicht. Und dafür bedanken sich die Redner auf der Bühne sogar ausdrücklich bei der Stadt.

Neben der Querdenker-Versammlung haben sich rund 30 Gegendemonstranten eingefunden, halten Abstand und tragen alle eine Maske. Mit vielen Schildern machen sie auf sich aufmerksam. „Verschwörungs-Idiotiker“ ist zu lesen oder „Einheit statt Zwietracht.“ Beide Versammlungen sind durch eine Absperrung getrennt, an der im Verlaufe des Nachmittags immer wieder Diskussionen entbrennen.

Kritik an der Presse bei Querdenker-Demonstration in Gelnhausen

Im Publikum – und das ist den Rednern sehr wichtig – treffen sich viele Bevölkerungsgruppen: Junge Frauen mit Kindern, der Alt-68er mit selbst gestricktem Pulli und langen Haaren oder das ältere bürgerliche Ehepaar. Ein solches Paar befragt die Reporterin nach ihren Gründen für die Teilnahme an der Veranstaltung.

Mit jemandem vom HANAUER ANZEIGER will das ältere Paar aber nicht sprechen. „Der HANAUER ANZEIGER ist ja auch Mainstream, mit Ihnen reden wir nicht“, so der Mann. „Diese Zeitung steht ja auch auf deren Seite“, ergänzt die Frau. Welche Seite das sein soll, will sie nicht ausführen.

Demonstration in Gelnhausen: „Sind die Mitte der Gesellschaft“

Dabei betont Jochen Amann von den Organisatoren der Gruppe „Allianz Pro Grundgesetz“ zu Beginn der Veranstaltung unter dem Jubel der Menge: „Wir stehen auf der Seite des Grundgesetzes, jeder kann seine Meinung sagen. Wir sind hier, weil wir nicht prinzipiell verleugnen, dass es ein Virus gibt. Wir sind keine Leugner, keine Rechten, keine Linken. Wir sind die Mitte der Bürgerschaft! Aber wir stellen die Verhältnismäßigkeit infrage.“

Sieht durch die Corona-Maßnahmen die Grundrechte in Gefahr: Redner Jochen Amann.

Amann kritisiert, dass Deutschland immer mehr zur Parteien-Demokratie werde, wo wichtige Posten wie Richterstellen am Bundesverfassungsgericht an Parteibücher gebunden seien. Dass die Bürger alle vier Jahre nur ein Kreuz machen dürften und ansonsten keinen Einfluss auf die politischen Entscheidungen hätten, müsse auf den Prüfstand, so der Büdinger. Und forderte darum Volksabstimmungen auf Länder- und Bundesebene.

Querdenker-Demonstration: Maskenpflicht in Schulen in der Kritik

Auch der Rechtsanwalt Holger Fischer aus Hanau sprach zu der Versammlung. Den lautesten Applaus bekam er, als er die Maskenpflicht an Schulen anprangerte: „Das ist das größte Verbrechen an Kindern, das je begangen wurde!“

Er hätte einen Eid auf die Verfassung geschworen, stünde für das Grundgesetz ein. Den Gegnern der Querdenker unterstellte er, lediglich für das Robert-Koch-Institut (RKI) zu stehen.

Querdenker-Demonstration: Wut über Corona-Maßnahmen und Impfempfehlungen

Fischer behauptete, dass Kinder durch das Tragen der Masken irreversible Schäden davontragen könnten. Er wetterte gegen das Bundesland Bayern und die dortigen Corona-Maßnahmen, setzte den Freistaat mit Nordkorea gleich. Und meinte, dass die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission, des Ethikrates sowie der Leopoldina nur dazu da seien, in der Bevölkerung Ängste zu schüren.

„Damit drohen sie uns, das ist Mafiapolitik!“ Und nannte im gleichen Atemzug und wieder unter dem Jubel der Menge Kanzlerin Angela Merkel „Mafiapatin Merkel“.

Gegendemonstration bei Querdenker-Protest in Gelnhausen

Die Gruppen „Querdenken 6051“ und „Allianz Pro Grundgesetz“ hatten im Sommer schon einige Treffen am Gelnhäuser Uferparkplatz veranstaltet. Erstmals fanden sich nun auch Gegendemonstranten ein.

Thomas Heß, einer der Organisatoren der Gegendemo, sagte: „Wir machen eine Mahnwache, weil wir zeigen wollen, dass wir alle zusammenhalten müssen. Es ist eine bedrückende Lage, da darf es keine gespaltene Gesellschaft geben, das ist ganz wichtig.“

Eine Gruppe von Gegendemonstranten stellte sich den Querdenkern entgegen.

Er habe mit Querdenkern diskutiert, erzählt Heß, die würden vor allem die Verhältnismäßigkeit der Verbote und Einschränkungen kritisieren. „Ich frage sie dann, wer denn ihrer Meinung nach entscheiden soll, was verhältnismäßig ist.“

Kritik an politischen Ansichten bei Querdenker-Demonstration in Gelnhausen

Auch Sebastian Eissing hat die Gegendemonstration mitorganisiert. Er meinte: „Querdenken liefert Mitgefühl für diejenigen, die sich einzig als Opfer sehen, wenn sie die Maske zu tragen haben.“

Darüber hinaus gehe es den Teilnehmern nicht mehr darum, wer hinter den Querdenkern stehe, welche Parteien sie unterstützen und mit welchem rechten Klüngel sie sympathisieren würden, so Eissing. Redner, die beispielsweise gegen Flüchtlinge hetzten, würden leider ausgeblendet und überhört.

Bei den Querdenkern trat außerdem noch Gopal Norbert Klein auf die Bühne. Der Heilpraktiker für Psychotherapie und Traumatherapie setzte mit seiner leisen Stimme einen Kontrapunkt zum harten Hip-Hop am Beginn der Demo. Auch er prangerte den „Corona-Wahnsinn“ an. Der wäre für Menschen, die Macht haben, „wunderbar“, so der selbst ernannte Heiler.

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