Der Gemeindewald soll ökologisch weiterentwickelt werden

Rodenbach verzichtet auf Profit zugunsten der Umwelt

Im Rodenbacher Gemeindewald werden sich in Zukunft die Laubbäume durchsetzen. In Anbetracht der klimatischen Verhältnisse unterstützt die Gemeinde diesen Prozess mit Pflanzmaßnahmen.
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Im Rodenbacher Gemeindewald werden sich in Zukunft die Laubbäume durchsetzen. In Anbetracht der klimatischen Verhältnisse unterstützt die Gemeinde diesen Prozess mit Pflanzmaßnahmen.

16 Punkte standen auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung, die erstmalig live über das Parlamentsfernsehen übertragen worden ist (wir berichteten). Einer der Punkte wird dem Gemeindeslogan „natürlich Rodenbach“ gerecht: Der 176 Hektar große Gemeindewald soll kurzfristig über einen Zeitraum bis fünf Jahre sowie mittelfristig bis zu zehn Jahre weiterentwickelt werden.

Rodenbach - Dabei geht es aber nicht darum, höhere Erträge durch die Vermarktung von Stammhölzern zu erzielen, sondern ökologische Aspekte an erste Stelle zu setzen.

Bereits Ende 2019 beschloss die Gemeindevertretung den Forstwirtschaftsplan 2020 und verzichtete auf Versuchsanpflanzungen. Die daraufhin frei gewordenen Mittel wurden für eine gutachterliche Stellungnahme verwendet. Die Obere Forstbehörde des Landes Hessen gewährte im Jahr 2020 eine Förderung von 80 Prozent für die Stellungnahme zur naturnahen Waldbewirtschaftung, mit der Forstfachmann Norbert Peter beauftragt wurde.

Über 90 Seiten langes Gutachten

In einem über 90 Seiten langen Gutachten analysierte der Fachmann über eine komplette Vegetationsperiode hinweg den Istzustand des Gemeindewaldes. Neben dem allgemeinen Zustand beschreibt Peter auch die Schutzgebiete, die Habitatbäume sowie den Alt- und Totholzanteil. Dabei unterteilte Peter den Wald in verschiedenen Abteilungen, die er genau unter die Lupe nahm und für jeden Abschnitt eine Empfehlung zur ökologischen Weiterentwicklung aussprach.

Finanzieller Nutzen an letzter Stelle

Hierbei nahm er die formulierten Zielvorgaben der Gemeinde als Vorlage. An erster Stelle sollte die Erholung stehen, gefolgt vom Naturschutz und der Wildschadensminimierung. Die Holzerzeugung wurde an vierter Stelle in der Rangfolge aufgenommen, der finanzielle Nutzen war in der Priorität ganz unten.

In Anbetracht der klimatischen Verhältnisse werden sich die Laubhölzer durchsetzen, heißt es in der Analyse. Der Fachmann empfiehlt, den Prozess mit Pflanzmaßnahmen zu unterstützen und damit den Laubholzanteil zu erhöhen. Weiter werden Pflegemaßnahmen zur Bestandssicherung sowie Maßnahmen zur Waldaußen- und Waldinnenrandgestaltung durch Pflanzungen mit Baum- und Straucharten empfohlen. Außerdem solle die Totholzmenge gesteigert werden. Festgehalten wurde zudem, dass durch die Rückstufung wirtschaftlicher Zielvorgaben eine forstbetrieblich und wirtschaftlich notwendige Holzeinschlagsmaßnahme in den nächsten zehn Jahren nicht erforderlich ist.

Gutachten dient nun als Grundlage

Künftig, so der einstimmige Beschluss der Gemeindevertreter, wird das Gutachten als Grundlage für die forstwirtschaftliche Rahmenplanung dienen. Unter Voraussetzung einer Förderung durch das Land Hessen wird der Laubholzanteil künftig erhöht. Konkret sollen noch in diesem Jahr in zwei Abteilungen des Waldes neue Bäume gepflanzt werden, die mit vorhandenen Haushaltsmittel finanziert werden. In zwei weiteren Abteilungen wird im nächsten Jahr der Buchen- voranbau und der Waldinnenrandaufbau umgesetzt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 55 000 Euro, wobei schätzungsweise 80 Prozent durch das Land Hessen förderfähig seien.

Kosten liegen bei 55.000 Euro

„Norbert Peter hat ein sehr gutes Gutachten präsentiert und auch mit unseren Naturschützern in Rodenbach gab es Absprachen und eine enge Zusammenarbeit. Die vorliegenden Vorschläge machen mehr als nur Sinn“, fasste Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) zusammen. Zudem verwies Schejna darauf, dass spätestens ab 2023 die Beförsterung durch Hessen Forst ausläuft und die Gemeinde dann einen eigenen Waldbewirtschafter einstellen wird.

Michael Kempf (FDP) zeigte sich positiv überrascht, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen über den bereits 2018 von der FDP eingereichten Antrag hinausgingen. „Das Gutachten ist eine sehr gute Grundlage. Wir müssen das Thema weiter verfolgen und den Wald Schritt für Schritt umbauen.“ Die Maßnahmen seien extrem sinnvoll und in Anbetracht dessen, dass es Fördergelder gebe, seien die finanziellen Belastungen für Gemeinde und Steuerzahler auch überschaubar. (Von Patricia Reich)

Den Bericht zur Liveübertragung finden Sie hier.

Weitere Beschlüsse der Gemeindevertretung

Ein lokales Förderprogramm für E-Lastenräder, wie es die CDU vorschlug, wurde mehrheitlich abgelehnt. Die SPD begründete die Ablehnung damit, dass wieder mit einem Förderprogramm auf Landesebene gerechnet werden könne. Die SPD sei nicht gewillt, Steuergelder ins Blaue zu investieren. Auch der Antrag auf Prüfung der Starkregenvorsorge wurde mit der Begründung abgelehnt, dass eine entsprechende Analyse bereits erfolge. Dem Antrag der Grünen zur Nutzung freier Friedhofsflächen für Wildblumenwiesen folgten die SPD und die CDU nur unter Vorbehalt. Laut Ronaldo José de Sousa Cunha (SPD) seien Friedhöfe keine ökologischen Projekte und die Wildblumen könnten die gepflegten Gräber verschmutzen. Zudem müsse Geld investiert werden für eine nur zwei Monate blühende Fläche, die anderen Monate sei diese eher grau. Auch die CDU bemängelte den Aufwand einer Wildblumenwiese, die nun dennoch eine Chance bekommt. Auch die Sanierung der gemeindeeigenen Straßen durch wiederkehrende Straßenbeiträge ist nun beschlossene Sache. Laut Jan Lukas (SPD) seien diese im Gegensatz zu der abgeschafften Straßenbeitragssatzung sozialverträglicher. Auf die Grundstückseigentümer würden Kosten unter 100 Euro im Jahr zukommen. Die CDU enthielt sich bei der Abstimmung, da sie die Variante als ungerecht empfindet, da jeder die Straßen nutze. Es solle ein Weg gefunden werden, der alle Bürger beteiligt. Die FDP merkte an, dass ein Sanierungskonzept nun auf den Weg gebracht werden müsse, das auch rechtssicher sei. Zur Nahversorgung in Oberrodenbach wurde der CDU-Antrag angenommen, dass eine Markt- und Standortanalyse für den Bereich am „Alten Sportplatz“ sowie an der Südhanghalle durchgeführt wird. Vorgeschlagen ist ein Nahversorgungszentrum mit seniorengerechtem Wohnen. Laut Bürgermeister Klaus Schejna habe die Gemeinde Hürden zu nehmen, doch zunächst soll eine Analyse erfolgen. (Patricia Reich)

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