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Die Umsetzung wilder Blühflächen ist oft aufwendig und kompliziert

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Mittlerweile gibt es in Rodenbach bereits 14 Blühflächen. Das Anlegen und die Pflege von Blühstreifen mit Wildpflanzen an Feld- und Wiesenwegen, vor allem mit Seitengräben, um Arten- und Strukturreichtum zu erzielen, ist allerdings mit einem hohen personellen und finanziellen Aufwand verbunden. Symbol
Mittlerweile gibt es in Rodenbach bereits 14 Blühflächen. Das Anlegen und die Pflege von Blühstreifen mit Wildpflanzen an Feld- und Wiesenwegen, vor allem mit Seitengräben, um Arten- und Strukturreichtum zu erzielen, ist allerdings mit einem hohen personellen und finanziellen Aufwand verbunden. © Symbolbild: Manfred Schaake (Archiv)

In Rodenbach ist es seit 2020 inzwischen gelungen, 14 Flächen in das Projekt Main.Kinzig.Blüht.Netz aufzunehmen. Dazu zählen Baumscheiben, Verkehrsinseln, Wegränder und Grünlandbrachen. Zwei Anträge zum Thema „Biodiversität in Rodenbach“ liegen seit geraumer Zeit auf dem Tisch des Umwelt- und Verkehrsausschusses.

Rodenbach – Der fraktionsübergreifende erste Prüfantrag von CDU und Grüne vom Mai dieses Jahres und der Folgeantrag der SPD waren der Ausgangspunkt um Dr. Eva Distler, Fachliche Projektmitarbeiterin des Landschaftspflegeverbands MKK, zur öffentlichen Sitzung einzuladen. Distler erläuterte Struktur, Ziele und Maßnahmen des Projekts „Main.Kinzig.Blüht.Netz“ und ging dabei insbesondere auf realisierte und geplante Blühflächen in Rodenbach ein. Was Eva Distler sehr einfach und plausibel erläutert, erweist sich in der Umsetzung oft als aufwendig und kompliziert – eine Sisyphos-Arbeit.

„Main.Kinzig.Blüht.Netz“, ein Verbundprojekt des Main-Kinzig-Kreises und des Landschaftspflegeverbands MKK ist das Nachfolgeprojekt von „Main.Kinzig.Blüht“. Beide haben das Ziel, artenreiche Lebensräume für Insekten anzulegen und langfristig zu erhalten. Während das erste Projekt innerörtliche Flächen im Blick hatte, sollen nun Flächen im Außenbereich der Kommunen in „Blühstreifen“ umgewandelt werden. Vorrangig sollen Wildpflanzenflächen entlang von Feld- und Wiesenwegen, entlang von Säumen oder innerhalb einer Wiese mit eingesät werden. Ziel ist es, entlang dieser miteinander verbundenen Landschaftselemente ein Netz an strukturreichen Flächen anzulegen, um so verschiedenen Insekten das ganze Jahr über – also über ihren kompletten Lebenszyklus hinweg – Lebensräume anbieten zu können.

Drei Methoden möglich

Um Arten- und Strukturreichtum zu erzielen, gibt es im Prinzip drei Methoden, so Distler. Man kann die Pflege umstellen und Wiesen weniger mähen. Eine zweite Möglichkeit, Arten anzureichern, ist die Einsaat von Wiesenblumen in schmalen Streifen, auch mitten in einer Wiese, um Aussamung zu ermöglichen und drittens die Anlage neuer Flächen. In Rodenbach sind bereits einige Blühstreifen entlang von Wegen umgesetzt, unter anderem circa 1500 Meter entlang eines Grabens. Vier Mitarbeiter brauchen zwei Tage, um diesen zwei Meter breiten Streifen zu mähen. Die Umstellung der Pflege von Wiesenwegen mit Seitengräben ist mit höherem personellen und finanziellen Einsatz verbunden, als die bisherige Methode, einmal mit der Maschine alles abzumähen und das Schnittgut liegen zu lassen. Soll ein strukturreiches Mosaik an Wildpflanzen entstehen, dann kommt nur der Einsatz eines Balkenmähers infrage. Das Schnittgut muss abgeräumt und entsorgt werden. Einfacher ist es für die Kommune, wenn sie brachliegende Flächen einfach erhalten und weiterhin entsprechend pflegen kann, wie beispielsweise eine gemeindeeigene Brache oberhalb des Lochseifs. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist für den Erfolg von Blühstreifen an Wegrändern unabdingbar. Für diese gehen Acker- und Futterflächen verloren, denn das Mähgut ist wegen Hundekot nicht als Futter zu verwenden. „In den Lehren“ ist es dennoch gelungen und an Ackerrändern sind zwei Blühstreifen eingesät, die sich gut entwickeln. Zufrieden ist Distler mit dem Zustand der neu angelegten Baumscheiben und Verkehrsinseln im Ortsinneren.

Das Projektteam des Landschaftspflegeverbunds berät und begleitet Kommunen, Landwirte und Privatpersonen, hat aber keine Mittel zur Umsetzung. 426 Flächen mit insgesamt circa 120 Hektar wurden bislang im Kreisgebiet beraten, davon sind 200 entweder bereits umgesetzt oder in Planung. Um Wissen und die Akzeptanz für Blühflächen zu erhöhen, ist ein Kernelement des Projekts die Weiterbildung von ehrenamtlichen „Blühbotschaftern für die Insektenvielfalt“, die als Multiplikatoren die Idee weitertragen sollen.

Die SPD-Fraktion sah sich mit dem Vortrag von Eva Distler gut informiert und zog ihren Antrag zum Thema zurück. Vorgeschlagen wurde eine jährliche Begehung der Flächen mit fachkundiger Führung, um so auf dem aktuellen Stand zu bleiben. CDU und Grüne wollen sich noch einmal intern beraten. (Von Ulrike Pongratz)

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