Rodenbach

Erste Samen-Tauschbörse in Rodenbach stößt auf großes Interesse

Thomas Walter (links) ist Samenkaufmann und Naturparkführer. Garten und Natur sind für ihn Leidenschaft und Beruf zugleich. Foto: Ulrike Pongratz

Rodenbach. Am Wochenende fand in der Stadtbücherei Rodenbach die erste Tauschbörse für Samen statt. Sie stieß auf ein großes Echo bei den angereisten Hobbygärtnern, in deren Kräuter- und Gemüsebeeten sich so manche seltene Pflanze entdecken ließ.

Von Ulrike Pongratz

Christoph Farennt, der in Niederrodenbach einen kleinen, aber feinen Laden mit Käse- und Weinspezialitäten führt und Kräuterteemischungen aus eigenem Anbau verkauft, hatte die Idee. In der Leiterin des Medientreffs, Christine Bruckmann, und Bürgermeister Klaus Schejna fand die Initiative Unterstützung und mit Thomas Walter einen begeisterten und vor allem kompetenten Mitstreiter.

Bibliothek präsentiert ausgewählter Literatur

Die erste Tauschbörse war eine erstaunlich unaufwändige Veranstaltung. Zwei Tische reichten für die Präsentation unzähliger Samentütchen und -fläschchen aus; ein dritter wurde für Spenden eingerichtet. Die Bibliothek begleitete diese erste Tauschbörse medial mit ausgewählten Büchern und Zeitschriften. Gartenbesitzer brachten überzählige Samen und kleine Stecklinge und nahmen andere mit: So wurde Palmkohl gegen Rote Melde getauscht, zwei Gläschen Klatschmohnsamen gegen die Mischung „Insektenfreunde“, die Farennt im Angebot hatte.

Gegen eine kleine Spende konnte man auch einfach ein Tütchen verschiedener Samen mit nach Hause nehmen. Den Namen „Nachtschönheit – Rubin“ konnten zunächst auch die Experten keiner Pflanze zuordnen, doch die Internetsuche brachte schnell Klarheit: „Mirabilis“, eine Pflanze aus Südamerika, die tatsächlich nachts ihre Blüten öffnet und seit 1582 angebaut wird.

Kräuterteemischungen aus eigenem Anbau

Christoph Farennt, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat und Kräuterteemischungen aus eigenem Anbau kreiert, hatte neben Heilkräutern wie Basilikum, Wilde Malve oder indischem Ginseng, auch Salatpflanzen, Gründünger und Samen für Gemüsepflanzen wie Flaschenkürbis, Chicoree und verschiedene Sorten Mais zum Tauschen mitgebracht.

Mitveranstalter der ersten Tauschbörse war Thomas Walter, Naturparkbotschafter Hessischer Spessart und gelernter Samenkaufmann. Walter führt unter anderem durch die Bulau zwischen Hanau, Erlensee und Rodenbach und zeigt auf Gartenspaziergängen durch Hanau-Wilhelmsbad verborgene Schönheiten.

Wichtige Tipps für den Umgang mit Samen

Thomas Walter hatte vor allem „Insektenpflanzen“, die er in seinem prämierten Natur- und Insektengarten in Oberrodenbach gesammelt hat. Der Experte, der unzählige verkorkte Glasflaschen mitgebracht hatte, gab für künftige Sammler wichtige Hinweise. „Man muss die Samen säubern und trocknen und vor allem aussortieren. Aufheben sollte man nur gute Samen, die man luftdicht, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt.“

Nicht zu vergessen ist die Beschriftung, die Sorte, Ort und Datum enthalten sollte. Man kann aber auch mit wenig Aufwand der Natur auf die Sprünge helfen – Goethe sei hier ein gutes Vorbild. Der habe, so Walter, auf seinen Spaziergängen einfach Samen in seine Rocktasche gesteckt und sie an anderer Stelle ausgesät. Im nächsten Jahr habe sich Goethe dann riesig gefreut, wenn die Saat aufgegangen sei.

Gespräche über Wühlmäuse und Braunfäule

An beiden Tischen nahmen sich die Gartenexperten viel Zeit, ihre Erfahrungen auszutauschen. Es ging um Wühlmäuse in Rosen, um Grün- und Palmkohl, um Tomatensorten ohne Braunfäule, um die Bärenschote, die früher ein beliebtes Kaninchenfutter war, und um Saatgut generell. „Die Universität Göttingen hat mit Kulinaris einen ‚open source Saatgutverkauf“ gegründet“, so Farennt.

Austausch und Gespräch waren – neben dem Tausch von Samen – ein Ziel, das der Garten- und Pflanzenexperte erreichen wollte. „Ich habe viel Erfahrung mit Heilkräutern und Medizin aus der Natur. Ich interessiere mich auch für neue Kulturtechniken, zum Beispiel die chinesischen Tiefbeete, und freue mich, darüber mit anderen Gärtnern zu sprechen. Es ist interessant, zu erfahren, welche Erfahrungen andere Gärtner mit bestimmten Sorten oder Arten gemacht haben “, sagte Farrent, der unter anderem an der Universität Heidelberg pharmazeutische Technologie studiert hat.

Weitere Tauschbörsen gut denkbar

Für Bürgermeister Klaus Schejna gibt die Tauschbörse einen weiteren Impuls in Rodenbach, der sich sehr gutin Veranstaltungen wie das bUmweltfest, „Rodenbach summt“ oder „Main-Kinzig blüht“ einreiht. Die Leiterin des Medientreffs Christine Bruckmann geht fest von einer Fortführung der Tauschbörse aus: Nach der ersten, kurzfristig angesetzten und erfolgreichen Veranstaltung spricht vieles dafür.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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