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Gruppe Wortspieler setzt sich mit Gepflogenheiten Rodenbachs auseinander

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Sie sind wieder zurück: die Wortspieler aus der Gemeinde Rodenbach hatten am vergangenen Wochenende drei Auftritte. Von links sind Detlef Knoll, Irene Weingärtner, Martina Tornow und Klaus Hnilica zu sehen.
Sie sind wieder zurück: die Wortspieler aus der Gemeinde Rodenbach hatten am vergangenen Wochenende drei Auftritte. Von links sind Detlef Knoll, Irene Weingärtner, Martina Tornow und Klaus Hnilica zu sehen. © Claudia Raab

Seit einem Jahrzehnt hat sich die Rodenbacher Autorengruppe Wortspieler – in wechselnder Besetzung – mit Auftritten und Publikationen im Ort einen Namen gemacht. Gleich drei Auftritte sowohl in Ober- als auch in Niederrodenbach legten die Wortspieler für ihre satirische Lesung „Rodenbach investigativ – Rathausgetuschel 2022“ nach einer langen, coronabedingten Pause am vergangenen Wochenende hin. Insgesamt wurden etwa 200 Karten verkauft.

Rodenbach – Bei der Premiere im Oberrodenbacher Schützenhof ging es bei Martina Tornow, Detlef Knoll und Klaus Hnilica sowie Irene Weingärtner als Gast hauptsächlich um die seit Jahrzehnten andauernden Konflikte zwischen den „Grumbeern“ und den „Grabrunkeln“, wie Ober- und Niederrodenbacher mit Spitznamen genannt werden.

„Grumbeern“ versus „Grabrunkeln“

Nach über fünf Jahrzehnten Zwangsvereinigung hätten die Oberrodenbacher „Grumbeern“ beim Europäischen Gerichtshof gegen das Rathaus Rodenbach geklagt. Sie fühlten sich als „Ortsteil 2“ der Willkür von „Ortsteil 1“ (Niederrodenbach) ausgesetzt. Ihre Infrastruktur sei durch Schließung von Geschäften ausgehöhlt worden und die Zentralverwaltung habe keine Abhilfe geschaffen, lautete die Anklage, die Frau Peter (Irene Weingärtner) im Namen der Oberrodenbacher zur Freude der Zuhörer vehement vortrug.

Frau Strutt (Martina Tornow), die das Rodenbacher Rathaus vertrat, wies die Vorwürfe als unzutreffend zurück. Schließlich hätten engagierte Niederrodenbacher die Bürgerinitiative „Mein Freund ist Oberrodenbacher“ gegründet. Ein besorgter Bürger (Detlef Knoll) schlug als Schlichtungsmaßnahme die Fusion beider Fußballvereine Eintracht Oberrodenbach und Germania Niederrodenbach vor. „Die Fusion beider Fußballvereine wird mit Sicherheit in die Bundesliga führen. Hoffenheim hat immerhin 3000 Einwohner weniger als Rodenbach“, machte er deutlich.

Besonderheiten und Streitigkeiten werden aufs Korn genommen

Beim anschließenden Rathausgetuschel wurde von einem Streit zweier Oberrodenbacher Familien berichtet, die beide jeweils für sich das älteste Haus Rodenbachs beanspruchten. Daraufhin versuchte Knoll in einem historischen Vortrag, bei dem er Fakten, Sagen und Spekulationen humorvoll vermischte, zu beweisen, dass Niederrodenbach wesentlich älter als Oberrodenbach ist. Weitere Themen der Wortspieler waren Camper auf dem gemeindeeigenen Wohnmobilstellplatz sowie das geplante Neubaugebiet an der Adolf-Reichwein-Straße. Beide Programmpunkte wurden von Martina Tornow gekonnt in Szene gesetzt. Die Solistin überzeugte durch Wortwitz und Eloquenz. Durch unterschiedliche Dialekte und Tonlagen gelang es ihr, Dialoge mehrerer Personen für die Zuhörer prägnant darzustellen. In ihrem Poetry-Song „David und Goliath“ griff Tornow auch zur Gitarre und lud mit einem kleinen Lied zu einem musikalischen Spaziergang durch die Rodenbacher Ortsteile ein. Dabei nahm sie humorvoll die Besonderheiten und Streitigkeiten der Bewohner aufs Korn.

Lochseif als neutraler Boden

Mit der Corona-Krise beschäftigte sich Klaus Hnilica. In seinem Vortrag beleuchtete der Wahl-Rodenbacher, der vor 52 Jahren aus Wien zugezogen war, die Sorgen und Nöte beim Bäcker, die Angst vor Ansteckung durch mangelnden Sicherheitsabstand. Damit hielt er dem Publikum einen Spiegel vor und dieses dankte ihm mit zustimmendem Beifall. In der letzten Szene, bei der sämtliche Akteure noch einmal zu Wort kamen, verglich Hnilica die Rodenbacher Wohnsiedlung Lochseif, die zwischen Nieder- und Oberrodenbach liegt, mit der afrikanischen Insel Sansibar und schlug Entwicklungshilfe vor. In diesem Sinne habe auch der Europäische Gerichtshof den Streit beider Dörfer entschieden und fordere die Gemeinde zu umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen auf neutralem Grund und Boden, sprich: im Lochseif, auf. Dazu wurden 50 000 Euro an EU-Fördermitteln in Aussicht gestellt.

Rathausgetuschel soll jedes Jahr stattfinden

Während der Pause und danach konnten die Besucher gehäkelte Glückskekse des Rodenbacher Kreativtreffs erwerben und mit Glück ein „Blind Date mit einem Buch“ gewinnen. Diese Aktion findet seit 2017 regelmäßig bei Auftritten der Wortspieler statt. Der Erlös geht an die Gemeinde. Die satirische Lesung mit dem Rathausgetuschel soll jetzt jedes Jahr auf dem Programm stehen, kündigte Detlef Knoll an. (Von Claudia Raab)

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