Rodenbach

Literarisches Quartett: Buchfans versuchen sich als Kritiker

Das literarische Quartett im Rodenbacher Medientreff: Ulrike Köhler, Max Höft, Irene Weingärtner und Detlef Knoll (von links). Foto: Anja Goldstein

Rodenbach. Wenn sich das literarische Quartett zum Schlagabtausch trifft, dann ist das einen Besuch wert: Auch zum siebten „Bücherclinch“ im Medientreff konnte das Team der Bücherei wieder Zuschauerrekorde einsammeln.

Von Anja Goldstein

Dabei ist die Konstellation der Literaten an sich schon Diskussionsstoff: die Vielleserin Ulrike Köhler, die Buchliebhaberin Irene Weingärtner, der Buchhändler und Satiriker Detlef Knoll und der gerade erst ausgelernte Buchhändler Max Höft stellten je ein Buch vor und kämpfen verbal darum, der Sieger des Abends sein zu dürfen.

Doch die Wahl des Gewinnerwerkes war nicht das entscheidende an diesem Abend: Vielmehr war es äußerst unterhaltsam, dem Quartett in ihrer Diskussion zuzuhören. Nachdem einer sein Buch vorgestellt hatte, konnten die anderen ihre Meinung dazu äußern. Das Publikum sollte aber dasjenige Buch wählen, welches sie selbst gerne lesen würden – und nicht das mit der besten Diskussion.

Schmunzler im Publikum

So wurde „Das flüssige Land“ von Höft mit den Worten „ das kann man dreimal lesen und hat noch immer nicht alles mitbekommen, was das Buch erzählt“ gelobt, während Weingärtner es direkt als „das zähflüssige Land“ umbenannte und Knoll es gar als „literarischer Albtraum“ betitelte.

Immer wieder gab es Schmunzler im Publikum. Als Weingärtner die wissenschaftlichen Fußnoten des Buches mit „das ist für die Geschichte nicht wichtig, das überlese ich einfach“ kommentierte, hakte Köhler direkt mit „warum steht das dann da?“ nach und erntete einige Lacher bei den Gästen.

Die Literaten stellen im „Bücherclinch“ vor, was sie selbst gerne lesen. So fiel Knolls Wahl auf „Der Store“, ein Endzeitthriller über einen Onlinehandel, der die Weltherrschaft übernimmt. Köhlers „die Liebe im Ernstfall“ betitelte Weingärtner als „typische Frauenliteratur“ und war gespannt, was die beiden Herren dazu sagen würden. Prompt konterte Knoll mit „ein stilistisch gut geschriebener Groschenroman“ und echauffierte sich darüber, dass „kein Mann in dem Buch gut weg kommt“.

Einigkeit bei "Der Store"

Höft gab an, dass er nach 50 Seiten überlegt habe, das Buch nicht weiter zu lesen und ihm das immer wieder durch den Kopf gegangen sei: „Dass die Frauen Beziehungsprobleme haben, ist doch klar, so defizitär wie die sind“.

Weingärtner gab ihm insofern Recht, als dass sie die Frauen des Romans „unsympathisch und anstrengend“ fand, bescheinigte Höft aber auch mangelnde Erfahrung um die Gedankengänge der Heldinnen des Buches nachvollziehen zu können.

Weniger Diskussionen gab es um „Der Store“, dessen Geschichte sich um den allmächtigen Onlinehandel „die Cloud“ dreht. Knoll bezeichnete das als „Amazon zu Ende gedacht“, regte sich aber über die „unsägliche Mischung zwischen Englisch und Deutsch“ im Titel auf. Köhler hingegen konnte wenig mit der Geschichte anfangen, fand vieles unlogisch und unappetitlich.

Besonders eine Szene mit Burgern hatte ihr auf den Magen geschlagen. Knoll fasste das direkt auf und empfahl seine Wahl damit, man könnte das Buch „auch einfach lesen, damit man weiß, was es mit den Burgern auf sich hat“.

Angeregte Unterhaltungen in der Pause

Unter den Zuschauern gab es neben einigen „Wiederholungstätern“ auch welche, die das erste Mal an einem „Bücherclinch“ teilgenommen hatten. Alle waren sich einig, dass „es einfach zu viele Bücher gibt, die man lesen möchte“ und dass so ein Abend eine ideale Möglichkeit sei, sich wenigstens für das nächste zu lesende Werk entscheiden zu können. In der Pause gab es viele angeregte Unterhaltungen über die vorgestellten Bücher und viele waren sich uneins, welches sie wählen würden.

Letztendlich gab es ein Remis zwischen Weingärtners „Weg“, geschrieben von Doris Knecht und Knolls „Der Store“ vom Autor Rob Hart mit je acht Publikumsstimmen. Nur kurz dahinter kam „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, vorgestellt von Höft, mit sechs Punkten, Köhler konnte mit ihrer Wahl des Werkes „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien nur drei Stimmen erkämpfen. Die beiden Zuschauerinnen Ilse Rudert und Monique Kops konnten sich über je ein Buch freuen. Unter den Wählern der Siegerbücher wurde das entsprechende Werk im Anschluss verlost.

Die achte Ausgabe des „Bücherclinch“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2020 stattfinden.

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare