„Ein Ort muss Flair haben“

Mit Karin Arcan-Meiers sitzt nach Jahrzehnten wieder eine Grüne im Gemeindevorstand

Karin Arcan-Meiers möchte ihre freie Zeit hauptsächlich der Gemeindevertretung widmen.
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Karin Arcan-Meiers möchte ihre freie Zeit hauptsächlich der Gemeindevertretung widmen.

Nach der diesjährigen Kommunalwahl zogen die Grünen mit fünf Sitzen in die Rodenbacher Gemeindevertretung ein. Karin Arcan-Meiers wurde in den Vorstand gewählt und möchte sich nun ganz der Kommunalpolitik widmen.

Rodenbach – Zuletzt saßen die Grünen in der Legislaturperiode 1997 bis 2001 in der Gemeindevertretung. „Im Mai 2019 wurde der Ortsverband der Grünen wieder gegründet, im August bin ich eingetreten“, erzählt Arcan-Meiers von dem Wendepunkt in ihrem Leben, an dem sie sich entschloss, politisch aktiv zu werden.

Fridays-for-Future-Bewegung motivierte sie

„Seit es die Grünen gibt, habe ich auch Grün gewählt, war aber nie Mitglied“, berichtet die 63-Jährige im Gespräch mit dem HA. „Als dann Fridays for Future startete, da dachte ich, dass sich endlich etwas bewegt. Das hatte ich die letzten Jahrzehnte vermisst und wollte mitmachen. Ich wollte nicht mehr die passive Grüne sein.“ Das sei ein wichtiger Impuls gewesen und dass fast gleichzeitig der Ortsverband ins Leben gerufen wurde, traf sich für Arcan-Meiers gut.

Aufgewachsen ist Arcan-Meiers in Gräveneck, einem Ortsteil der Gemeinde Weinbach im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Bevor sie 2004 ihre Heimat in Oberrodenbach gefunden hatte, wohnte sie in Wetzlar, Gießen und Frankfurt. Bereits in jungen Jahren war sie sportlich aktiv und fand ihre Passion im Handball. Mit dem VFB 1900 Gießen stieg sie in der Position der Torfrau in die Bundesliga auf, wechselte später nach Frankfurt. „Der Leistungssport, den ich im Alter von 14 bis 27 Jahren gemacht habe, hat mein Leben sehr geprägt. Fairness steht bei mir an erster Stelle“, sagt sie. So habe sie sich gleich nach ihrem Umzug nach Rodenbach nach den ansässigen Vereinen erkundigt, sei in den TV Oberrodenbach eingetreten und engagiert sich im Schützenhof. Zudem ist sie seit 2010 ehrenamtlich als Schiedsfrau tätig, möchte die Aufgabe bald aber zugunsten der Gemeindevertretung abgeben.

Viele Perspektivwechsel

Generell ist der Werdegang der leidenschaftlichen Köchin von Perspektivwechseln geprägt, die sich in ihrer beruflichen Laufbahn widerspiegeln. So wechselte sie nach ihrem Studium der Sportwissenschaften in das IT-Ressort, arbeitete im Controlling, danach im Projektmanagement und ist ausgebildete Heilpraktikerin für Psychotherapie. Aktuell arbeit sie als Angestellte auf Minijob-Basis.

„Bisher habe ich Rodenbach als Bürgerin kennengelernt“, berichtet die Hobbygärtnerin. „Als Bürgerin sind Themen wichtig wie beispielsweise eine funktionierende Müllabfuhr, niedrige Grundsteuer, eine gute Infrastruktur, gute Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Ärzteversorgung. Ein Ort muss Flair haben.“ Doch Rodenbach habe sich im Laufe der Zeit in eine „Schlafstadt“ verwandelt, trotz lebendiger Vereinskultur. Es gab immer weniger Nahversorger. Zwar habe die Situation sich etwas gebessert, doch es müsse noch mehr gemacht werden. „Es kann nicht sein, dass Leute weit fahren müssen, um einzukaufen. Allein schon mit Blick auf den motorisierten Verkehr“, fügt sie hinzu.

Mit dem Einzug in den Gemeindevorstand erfahre sie nun, wie reale Politik funktioniere. „Als Außenstehende hat man wenig Einblick in die Arbeit der Gemeindevertretung. Nun lerne ich die Grenzen und Möglichkeiten kennen.“

Begrünung vorantreiben

Vor allem will sie sich dafür einsetzen, dass Bäume und Sträucher nachgepflanzt, Bürgersteige saniert und Radwege ausgebaut werden. In Niederrodenbach fehle noch der Flair, da gebe es Handlungsbedarf in Sachen Begrünung. In Oberrodenbach hingegen müsse der alte Ortskern erhalten und gepflegt werden.

Ihre Hauptaufgabe sieht Arcan-Meiers darin, die Bevölkerung aktiver über die Projekte der Gemeinde zu informieren. Zudem könne sie sich regelmäßig aufgestellte Infostände vorstellen, an denen die Bürger über Alternativen zu Schottergärten und Sichtschutzzäunen, zum Verpackungsmüll oder über regionales Essen informiert werden. „Es gibt immer Alternativen, die möchte ich aufzeigen“, verdeutlicht sie.

Rodenbach soll Vorreiter werden

Für Rodenbach wünscht sie sich, dass die Gemeinde bei Projekten schneller reagieren würde, um eine Vorreiterrolle gegenüber den anderen Kommunen einzunehmen. „Vieles wird erst Jahre später realisiert, wie zum Beispiel der Fahrradweg von Oberrodenbach nach Somborn. Rodenbach sollte schneller agieren“, fasst sie zusammen.

Hoffnung setzt sie auch in die aktuelle Zusammensetzung des Gemeindevorstands. Mit dem hohen Frauenanteil seien alte Strukturen aufgebrochen worden, was Auswirkungen auf die parteiübergreifende Zusammenarbeit haben könnte sowie auf die Arbeitsatmosphäre. Generell stehe sie allen Anträgen offen gegenüber. „Der Inhalt ist ausschlaggebend und es kommt auf die Qualität der Anträge an. Meine Möglichkeiten mit der einen Stimme sind begrenzt, aber ich vertrete meine Meinung, stelle Fragen und bringe mich aktiv ein.“ (Von Patricia Reich)

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