Rodenbach

Neuer Rodenbacher CDU-Chef Patrick Weber hat Wahl 2021 im Blick

Der neue Vorsitzende Patrick Weber (rechts) erläutert im Gespräch mit HA-Redakteur Lars-Erik Gerth, warum die CDU in Rodenbach keinen Bürgermeisterkandidaten aufstellt und sich auf die Kommunalwahl fokussiert. Foto: Axel Häsler

Rodenbach. Mit dem 35-jährigen Patrick Weber hat seit vergangenem Herbst ein waschechter Oberrodenbacher den Vorsitz der Christdemokraten inne. Er folgte auf Pascal Reddig, der seinerseits die Führung der Rodenbacher CDU erst Ende 2018 übernommen hatte.

Von Lars-Erik Gerth

„Pascal Reddig ist aus Rodenbach weggezogen, deshalb hat er den Vorsitz abgegeben“, erläutert Weber im Gespräch mit dem HA die Hintergründe für den zweiten Wechsel an der Spitze seiner Partei innerhalb eines Jahres.

Der in der IT-Branche tätige Diplom-Kaufmann, der verheiratet ist und ein Kind hat, gehört der CDU seit 2011 an und ist bei den Rodenbacher Christdemokraten seit 2015 aktiv, sitzt allerdings aktuell nicht in der Gemeindevertretung. „Ich werde mich jedoch bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr um ein Mandat bewerben“, kündigt Weber bereits an. Ob er dann möglicherweise auch den Fraktionsvorsitz übernehmen wird, lässt er offen.

Wiegelmann als Stellvertreter

„Wir müssen in diesem Jahr erst einmal die Liste für die Wahl, die voraussichtlich im Frühjahr 2021 stattfindet, aufstellen. Und wir haben mit Kai Kohlberger einen Fraktionsvorsitzenden, der sehr gute Arbeit macht. Die Frage des CDU-Fraktionsvorsitzenden in der neuen Rodenbacher Gemeindevertretung stellt sich jetzt auch gar nicht. Damit beschäftigen wir uns dann, wenn die Konstituierung des Parlaments ansteht“, hält Weber nichts von vorzeitigen Personaldiskussionen.

Mit Eberhard Wiegelmann als Stellvertreter hat Patrick Weber einen erfahrenen Kommunalpolitiker an seiner Seite, der die Verhältnisse in Rodenbach, wo er seit 1965 lebt, bestens kennt. Und der auch weiß, wie schwierig es ist, die Ideen und Anträge der Christdemokraten bei einer seit Jahrzehnten bestehenden Vorherrschaft der Sozialdemokraten umzusetzen.

Kein eigener Bürgermeisterkandidat

Dass SPD-Bürgermeister Klaus Schejna kandidiert, um am 10. Mai die Mehrheit der Rodenbacher Bürger für seine dann bereits vierte Amtszeit zu gewinnen, hat bei den Christdemokraten zu der Entscheidung geführt, keinen eigenen Bewerber um den Chefsessel im Rathaus ins Rennen zu schicken.

„Mit Christian Mankel hatten wir 2016 einen sehr guten Kandidaten, der mit knapp 30 Prozent auch ein achtbares Ergebnis eingefahren hat. Es ist aber immer besonders schwer, gegen einen seit vielen Jahren amtierenden Bürgermeister erfolgreich zu sein. Deshalb haben wir uns als CDU Rodenbach dazu entschlossen, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen. Und wir werden auch keine Wahlempfehlung abgeben“, erläutert der neue Parteichef die Hintergründe für den Verzicht auf einen CDU-Bewerber.

Kritik am Verhalten der SPD- Fraktion

Zugleich macht er gemeinsam mit Eberhard Wiegelmann deutlich, dass sich die Christdemokraten bereits jetzt mit voller Kraft auf den Wahlkampf zur Kommunalwahl 2021 konzentrieren werden. Denn sie haben ein klares Ziel, um als CDU-Fraktion „endlich auch mitgestalten zu können“, damit Rodenbach besser vorangebracht werden könne: „Wir wollen die absolute Mehrheit der SPD brechen. Und das kann uns gelingen. So lagen wir bei der letzten Landtagswahl 2018 in Rodenbach vor der SPD und auch unser Kandidat Max Schad erhielt hier mehr Erststimmen als der SPD-Mann Christoph Degen. Wir werden alles dafür tun, dieses Wählerpotenzial abzurufen, um die schon viel zu lange bestehende SPD-Vorherrschaft zu beenden“, geben sich Weber und Wiegelmann kämpferisch.

Nicht verstehen können sie, dass die SPD kontinuierlich ihre Anträge im Gemeindeparlament ablehne, nur weil sie von der CDU kämen. „Und oft genug erleben wir es, dass unsere Ideen erst verworfen werden, um dann Monate später von der SPD aufgenommen und als eigene Vorschläge in die Gemeindevertretung eingebracht und verabschiedet zu werden“, kritisiert die Rodenbacher CDU-Spitze das Verhalten der SPD-Mehrheit massiv.

Fehlende Ambitionen im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen

Als besonders markantes Beispiel nennt Weber das in Rodenbach geplante Gewerbegebiet Nord. „Wir haben uns schon vor der letzten Kommunalwahl dafür ausgesprochen, die Gewerbeflächen zu erweitern, damit Rodenbach weiter wachsen kann. Damals waren Herr Schejna und seine SPD dagegen und haben die CDU für ihren Standpunkt scharf kritisiert. Nun tun Bürgermeister und Sozialdemokraten so, als ob sie schon immer für die Realisierung dieses Gewerbegebietes gewesen seien. Und so läuft es auf vielen Themenfeldern in Rodenbach“, erläutert der 35-jährige CDU-Vorsitzende seine Sicht der kommunalpolitischen Situation in der Gemeinde.

Weber und Wiegelmann kritisieren die Sozialdemokraten vor allem dafür, dass sie nichts dafür täten, um Rodenbach im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen erfolgreich zu positionieren. „Während Bürgermeister Jörg Muth (CDU) in der vergangenen Woche berichten konnte, dass Langenselbold in seiner Amtszeit von 2008 bis 2020 bei der Einwohnerzahl von 13 300 auf 14 400 gewachsen ist, sank die Bewohnerzahl bei uns in den vergangenen 30 Jahren von 11 800 auf knapp 11 200. Es wird einfach viel zu wenig getan, um neue Bürger nach Rodenbach zu locken“, ist Weber überzeugt. So werde viel zu wenig in die Infrastruktur investiert, seien zahlreiche Straßen marode und ließen Nahversorgung und neue Gewerbeansiedlungen sehr zu wünschen übrig.

CDU wolle ihre Kräfte bündeln

„In Oberrodenbach, wo ich lebe und aufgewachsen bin, gibt es nur noch die Bäckerei Kunzmann. Dieser sind wir sehr dankbar, dass sie ein Angebot aufrechterhält. Aber darüber hinaus gibt es nichts mehr. Und es geschieht von Seiten der SPD nichts, um diese Situation zu ändern“, macht Weber aus seinem Ärger über die in Rodenbach dominierenden Sozialdemokraten keinen Hehl.

„Deshalb werden wir alle Kräfte bündeln, damit die Alleinherrschaft der SPD im kommenden Jahr endlich beendet werden kann“, so der neue CDU-Vorsitzende, dessen Partei in Rodenbach über knapp 50 Mitglieder verfügt.

SPD mit klarer MehrheitIn der Gemeindevertretung ist die CDU seit der Kommunalwahl 2016 mit zehn Mandaten vertreten. Die SPD hält mit 18 Gemeindevertretern die klare absolute Mehrheit, die sie schon über Jahrzehnte innehat. Dritte Fraktion im Rodenbacher Parlament ist die FDP mit drei Mandaten.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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