Rodenbach

Probedienst beendet: Lisa Henningsen in Rodenbach bleiben

Lisa Henningsen in ihrem Pfarrbüro: Das Bild mit einem Segensspruch von Paul Gerhardt ist ein Geschenk ihrer Mutter. Beide Eltern haben den Berufswunsch von Tochter Lisa immer unterstützt.Foto: Ulrike Pongratz

Rodenbach. Pfarrerin will sie bleiben, das steht auch nach dem zweieinhalbjährigen Probedienst für Lisa Henningsen außer Frage. Besonders gerne weiterhin in Rodenbach.

Von Ulrike Pongratz

Das sei zumindest ihr Wunsch, so die 37-jährige Pfarrerin, die das Prüfverfahren, das evangelische Pfarrer generell nach dem Probedienst absolvieren, erfolgreich gemeistert hat. Bedeutungsvoll sei während des Verfahrens für sie als Gemeindepfarrerin vor allem die Rückmeldung des Kirchenvorstands gewesen, so Lisa Henningsen, die nach gut drei Jahren gut in der Gemeinde angekommen ist und sich nun erneut um die Stelle bewerben wird.

Pfarrerin zu werden, ist dennoch ein aufregender Schritt, auch wenn sich für Lisa Henningsen damit ein Kindheitswunsch erfüllt. Allerdings studierte sie nach dem Abitur zunächst Soziale Arbeit. Aber dort fehlte eine übergeordnete Dimension, sodass sie sich wieder an ihren ursprünglichen Berufswunsch erinnerte: Eigentlich wollte Lisa Henningsen Pfarrerin werden. Den Grundstein für diesen Berufswunsch hätten auch die Eltern gelegt, die sich beide in der Kirche ehrenamtlich engagierten. Auch sie selbst habe sich im Kindergottesdienst und im kirchlichen Ehrenamt immer gut aufgehoben gefühlt, sagt die junge Pfarrerin, wenn sie auf ihre Kindheit in Hanau-Großauheim zurückblickt.

„Wir konnten oft nur das Notwendige abdecken“

An ihre erste Zeit als Gemeindepfarrerin in Rodenbach erinnert sich Henningsen mit gemischten Gefühlen zurück. „Von Vorstand und Kirchengemeinde bin ich sehr freundlich und aufgeschlossen aufgenommen worden. Das hat es mir leicht gemacht“, sagt Henningsen, die nach dem Vikariat Anfang November 2016 auf die Pfarrstelle nach Rodenbach entsandt worden war. „Es war allerdings ein sehr turbulenter Start, eine Herausforderung, direkt in der Hochsaison vor Weihnachten.“

Anstrengend waren die ersten Jahre in Rodenbach insofern, weil das Pfarrteam – bedingt durch Erkrankungen und Elternzeit – nie komplett war. „Wir konnten oft nur das Notwendige abdecken“, meint Lisa Henningsen und kann dem permanenten Vertretungsdienst immerhin eine positive Seite abgewinnen: „Bestenfalls bin ich gewappnet für das, was unsere Generation erwarten wird.“

Gerne mehr Zeit, um etwas auf die Beine zu stellen

Insgesamt fühle sie sich durch ihre Mentoren sehr gut vorbereitet auf die Aufgaben, die sie als Gemeindepfarrerin erwarten. Auch auf die Verwaltungsarbeit, die jetzt, da sie die Geschäftsführung übernommen hat, ungefähr ein Drittel der Arbeitszeit einnehme. Lisa Henningsen klingt nicht sonderlich begeistert, wenn sie über Termine mit dem TÜV, über Bestellungen und andere Verwaltungstätigkeiten spricht – aber es gehöre eben zu ihren Aufgaben, auch wenn man dafür nicht Theologie studiert haben müsse.

Sehr viel lebhafter und mit strahlenden Augen spricht die Pfarrerin über ihre Wünsche und Perspektiven für die Kirchengemeinde. „Es gibt viele junge Familien, die gerne in der Kirche Anschluss finden wollen. Es macht Spaß, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Dafür hätte ich gerne mehr Zeit“, sagt Henningsen, mit Blick auf ihren vollen Terminkalender. „Ich habe inzwischen auch gelernt, es auszuhalten, wenn Menschen unzufrieden sind. Ich kann einfach nicht allen Wünschen und Anliegen Rechnung tragen.“

„Die Kirche ist so voll wie an Weihnachten“

Dem allgemeinen Lamento will sich Lisa Henningsen nicht anschließen. „Natürlich tut jeder einzelne Kirchenaustritt weh“, sagt sie. Die Gründe dafür wird sie nie erfahren. In Rodenbach ist beispielsweise die Debatte um den Abriss des Gemeindezentrums hoch emotional geführt worden. „Einige Mitglieder waren sicher vom Kirchenvorstand enttäuscht,“ so die Vermutung. Dennoch ist sie optimistisch. „Es gibt Interesse an einer lebendigen Gemeinde und Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft ist.“

Der Sonntagsgottesdienst spricht wenig junge Menschen und Familien an, zum ökumenischen Martinsgottesdienst kommen hingegen etwa 300 Menschen. „Die Kirche ist so voll wie an Weihnachten“, freut sich die Pfarrerin, die gerne mehr Zeit in neue Formate für Kinder, Jugendliche und Familien investieren möchte. Gute Kontakte konnte sie auch über den Religionsunterricht in der Rodenbacher Grundschule knüpfen. „Macht Spaß!“, sagt die 37-Jährige nur und fügt hinzu: „Ich bin anders präsent und werde auch anders wahrgenommen.“

Die wenigsten Menschen wüssten um die umfassenden Anforderungen

Als Religionslehrerin und Gemeindepfarrerin wird Henningsen, die ihr zweites Kind erwartet, noch bis Anfang März beruflich aktiv sein. Sehr erleichtert zeigt sie sich darüber, dass seit Januar Katharina Bärenfänger auch als Pfarrerin in Rodenbach für die Gemeinde zur Verfügung steht. „Was alles zum Alltag einer Pfarrerin gehört, was sich hinter dem Beruf verbirgt, darüber wissen viele Menschen zu wenig“, meint Lisa Henningsen, die mit Elan und Enthusiasmus auf die Zukunft der Kirchengemeinde blickt.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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