Kultur

Egbert Erbe präsentiert in der Villa Bergstraße zeitgenössische Werke ostdeutscher Künstler

Erläutert den Besuchern kenntnisreich und unterhaltsam die Kunstwerke: Egbert Erbe präsentiert Werke ostdeutscher Künstler.
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Erläutert den Besuchern kenntnisreich und unterhaltsam die Kunstwerke: Egbert Erbe präsentiert Werke ostdeutscher Künstler.

„Das Jubiläumsjahr zu 30 Jahren Deutsche Einheit ist ein guter Anlass, die Kunst ostdeutscher Maler mit einer Ausstellung zu würdigen“, so Egbert V.F. Erbe. Gerade die Entwicklung vieler Künstler, die an ostdeutschen Akademien und Kunsthochschulen ihre Ausbildung abgeschlossen hätten, sei im Westen kaum wahrgenommen worden.

Rodenbach – Dabei hatten der passionierte Sammler und seine Frau Birgit vor 30 Jahren, im Frühjahr 1990, bei einem Stadtspaziergang eher zufällig die „Kleine Galerie Eisenach“ entdeckt. Das Bild „Kartaugarten Eisenach“ von Jost Heyder hatte das Ehepaar sofort ins Herz geschlossen und – nach einiger Bedenkzeit – auch erworben. Mit Jost Heyder nahm Erbe wieder Kontakt auf, als es um ein Konzept für eine Ausstellung mit Künstlern aus den östlichen Bundesländern ging: „Behauptung 30 – Positionen Ostdeutscher Malerei“ präsentiert erstmalig im Rhein-Main-Gebiet die Arbeiten von vier namhaften Künstlern, die exemplarisch für die reiche Entfaltung ostdeutscher Malerei stehen.

Alle vier Künstler finden in Ausstellungen und Galerien im In- und Ausland große Anerkennung, sie leben und arbeiten freischaffend in Ostdeutschland, sind seit 1990 in Künstlervereinigungen engagiert und widmen sich der Aus- und Weiterbildung, so Egbert Erbe. Die Künstler Elke Albrecht, Jost Heyder, Sabine und Friedrich Rittweger stehen jeweils beispielhaft für die Ausbildung an einer der renommierten Hochschule.

In der Villa Bergstraße 50 ist jedem von ihnen ein Kabinett gewidmet. In einem fünften Ausstellungsraum entdecken die Besucher Werke aller vier Künstler in einer gelungenen Zusammenstellung. Eröffnet wurde die Ausstellung vor einiger Zeit von Dr. Christianne Weber-Stöber, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst Hanau. Kunstinteressierte Besucher führt auf Wunsch der Hausherr durch die Räume und erläutert die Kunstwerke.

Titelbild der Ausstellung stammt von einer in Erfurt geborenen Malerin

Das Titelbild zur Ausstellung „Auf spitzen Stühlen“ ist eines der wenigen großformatigen Bilder, die von Sabine Rittweger in Oberrodenbach zu sehen sind. Die 1953 in Erfurt geborene Malerin studierte Mitte der 1970er Jahre Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die seit 1979 freischaffende Künstlerin erhielt 2012 das Arbeitsstipendium des Landes Thüringen und 2014 den Kunstpreis Arthur. Sabine Rittweger hält mit ihrer Kamera Szenen städtischen Lebens fest. Diese Szenen, das Atmosphärische setzt sie im Atelier mit wenigen Strichen und Farben fast skizzenhaft um. Bilder wie „Macht-Spiele“ oder „Endlich Regen“ rücken die Atmosphäre in den Vordergrund, lassen dem Betrachter Freiheit zur eigenen Interpretation.

Im Gegensatz zu Sabine Rittweger begegnet man bei Jost Heyder einem Feuerwerk an Farben. Jost Heyder ist 1954 in Gera geboren, studierte 1975 bis 1980 ebenfalls in Leipzig, und war bis 1984 Meisterschüler an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden und anschließend bis 1991 Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin. Die farbenfrohen Bilder, die häufig Geschichten erzählen, wie beispielsweise vom „Zirkus Berlin“, sind nicht einfach zu entschlüsseln. Ebenfalls in der Ausstellung „Behauptung 30 – Positionen Ostdeutscher Malerei“ zu sehen sind das Porträt von Oskar Kokoschka oder die orientalische Schönheit, die, so scheint es, in Dialog mit dem Betrachter tritt.

Albrecht leitet seit zwei Jahren die Meisterklasse für abstrakte Malerei

Elke Albrecht, geboren 1967 in Glashütte, arbeitet abstrakt. In Albrechts Kabinett „trifft man auf relativ große Leinwände auf denen amorphe, nicht näher bestimmbare Formen mit konstruktiven, klar umrissenen Elementen zusammentreffen. Die Bilder leben von ihren Gegensätzen, man trifft auf Dichte und Transparenz, Fläche und Linie, Lasur und Struktur. Sie laden ein, sich mit offenen Sinnen auf sie einzulassen und eigene Bildwelten zu entdecken. Die Künstlerin überlässt dem Betrachter die eigene Interpretation“, führt Weber-Stöber das Oeuvre der Künstlerin ein. Albrecht studierte ab 1991 Design in Burg Giebichenstein, wurde 1997 durch ein Stipendium der Stiftung Kulturfonds gefördert und lebte bis 2012 in New York. In den USA absolvierte sie ein Aufbaustudium, erhielt 2015 das Stipendium der Pollock- Krasner-Foundation. Seit zwei Jahren leitet Albrecht die Meisterklasse für abstrakte Malerei an der Schwabenakademie Irsee.

Friedrich Rittweger schließlich setzt seine Skizzen und Zeichnungen, die in der Landschaft entstanden sind, im Atelier in eine stimmige Komposition um. Seine Bilder sind ein „Feuerwerk von Farbe“, so Weber-Stöber. Man erkennt die Zypressen der Toskana, die mit wenigen Akzenten charakterisiert werden. Rittwegers Bilder sind eine in sich stimmige, subtile Interpretation der Farbe. Rittweger (Jahrgang 1946) lebt mit seiner Ehefrau Sabine seit 1982 in Göringen. Er studierte Kunsterziehung und Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin.

„Behauptung 30 – Positionen Ostdeutscher Malerei“

Die Ausstellung zu den Werken ostdeutscher Künstler ist bis Samstag, 24. Oktober, in der Villa Bergstraße 50 in Oberrodenbach zu sehen. Öffnungszeiten: 9. bis 11., 16. bis 18. sowie 23. und 24. Oktober jeweils von 13 bis 18 Uhr. Am 24. Oktober endet sie mit einer Finissage.

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