Jugend zu Pandemiezeiten

Jugendarbeit in Coronazeiten: Julika Becker und André Keheggi sind auf alle Problemlagen vorbereitet

Ein freundliches Lächeln: Die Jugendarbeiter André Keheggi und Julika Becker tauschten sich im Jugendtreff Cassio in Niederrodenbach mit den Jugendlichen aus. Seit der coronabedingten Schließung fehlt der Kontakt..
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Ein freundliches Lächeln: Die Jugendarbeiter André Keheggi und Julika Becker tauschten sich im Jugendtreff Cassio in Niederrodenbach mit den Jugendlichen aus. Seit der coronabedingten Schließung fehlt der Kontakt.

Kinder und Jugendliche haben es nicht leicht im Lockdown. Das Treffen mit Freunden und gemeinsame Aktivitäten sind aufgrund der Kontaktbeschränkungen kaum möglich. Geschlossene Vereine reduzieren zudem die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung auf ein Minimum. Hinzu kommt der Unterricht vom heimischen Schreibtisch aus, sodass der Austausch mit den Klassenkameraden nur über den Bildschirm erfolgt.

Rodenbach – Die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche wird stark diskutiert. Dass sie aber nicht folgenlos bleiben wird, ist unbestritten. Auch die Jugendarbeit ist von den Coronamaßnahmen betroffen. In welchem Maße, davon berichtet Julika Becker und André Keheggi, die für die Gemeinde Rodenbach Angebote für die jungen Erwachsenen bereitstellen und ausarbeiten.

„Die Auswirkungen sind bei uns nicht so drastisch wie in der Schule, aber ähnlich“, erzählt Becker. „Die Jugendtreffs sind schon lange geschlossen. Unsere Arbeit beruht aber auf den Begegnungen mit den Jugendlichen.“ Ihr Kollege Keheggi fügt hinzu: „Wir haben beobachtet, dass es in Rodenbach eine neue Generation an Jugendlichen im Alter von 13 und 14 Jahren gibt. Doch wir kommen nicht mit ihnen ins Gespräch, weil einfach die Räumlichkeit fehlt.“

Jugendarbeiter in Gemeinde unterwegs

In der Regel, so erklären es die Jugendarbeiter, kommen die Jugendlichen in den beiden Jugendtreffs „Cassio“ und „Upstairs“ vorbei, treffen sich dort mit anderen. „Und nach einer gewissen Zeit redet man dann mit ihnen.“ So erfahren die Jugendarbeiter, was sich die Jugendlichen wünschen, was gebraucht wird und manchmal auch, welche Sorgen sie haben. Dann können Keheggi und Becker aktiv werden und versuchen Lösungen zu finden oder Möglichkeiten, um die Wünsche zu erfüllen. Doch das ist momentan nur eingeschränkt möglich. Damit der Kontakt nicht ganz abreißt, sind die 24-Jährige und der 36-Jährige regelmäßig in der Gemeinde unterwegs. Je nachdem, wie das Wetter auch mitspielt. „Wir kennen alle Orte, an denen die Jugend sich in Rodenbach trifft. Dort fahren wir vorbei und fragen, ob sie etwas brauchen“, berichtet Keheggi.

Dieses Vorgehen handhaben die beiden bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres. „Jetzt im Winter haben wir die Jugendlichen weniger angetroffen und wenn, dann in kleinen Gruppen. Jetzt werden wir wieder öfters unterwegs sein, denn das Wetter bietet es an.“

Online-Kontakt wird kaum genutzt

Viele Informationen erhalten die Jugendarbeiter allerdings nicht bei ihren Fahrten. „Hauptsächlich geht es in unseren Gesprächen um die Schule und um den Distanzunterricht. Berufsschüler erzählen uns, wie es dort läuft. Auf unsere Frage, was so gehen würde, ist meist die Antwort: Nichts. Wie bei fast allen Menschen momentan“, berichtet Becker.

„Wir weisen zudem immer darauf hin, dass wir über viele Kanäle erreichbar sind wie Facebook, Instagram und Whats App“, fügt die studierte Erziehungswissenschaftlerin hinzu. Doch genutzt werden diese Möglichkeiten kaum vonseiten der Jugendlichen. „Das ist aber nicht verwunderlich. Auch vor der Pandemie wurden diese Art von Angeboten wenig genutzt. Die regelmäßige Sprechstunde zum Beispiel fand kaum statt, weil kaum jemand kam.“

Kinder- und Jugendplenum wird fortgesetzt

Ein digitales Angebot wird aber nach wie vor erfolgreich angenommen: das Kinder- und Jugendplenum. „Das Plenum ist seit über 20 Jahren in Rodenbach etabliert. Letzten Oktober haben wir es per Live-Stream auf Instagram durchgeführt und hatten über 100 Zuschauer. Das kam sehr gut an“, erzählt Becker stolz. Eigentlich findet das Plenum zweimal im Jahr statt. Einmal mit einem Treffen im Jugendtreff und einmal kickern die Jugendlichen mit dem Bürgermeister und können so mit ihm ins Gespräch kommen.

Da die Teilnahme im letzten Herbst trotz Verlagerung ins Internet so groß war, wird das Plenum auch in diesem Halbjahr digital stattfinden, kündigt Becker an.

Jugend verhält sich vorbildlich

Generell liege der Fokus der Jugendarbeit momentan auf den 14- bis 17-Jährigen, da dieser Altersgruppe besonders die Räumlichkeiten fehlen würden, in denen sie sich treffen und austauschen könnten. Die Volljährigen seien eher mobil und von daher auch unterwegs. Diese Möglichkeiten hätten die Jüngeren eben nicht. Keheggi hat aber lobende Worte für Rodenbachs Jugend übrig: „Mir ist aufgefallen, dass die Jugendlichen sich sehr, sehr gut an die Hygienemaßnahmen halten. Sie stehen immer weit auseinander und haben stets Masken dabei. Ja, sie treffen sich, aber immer draußen mit der Umsetzung aller Maßnahmen. Das wird oftmals nicht so von anderen wahrgenommen und ich kann nur für Rodenbach sprechen, aber hier verhält die Jugend sich vorbildlich.“

„Corona hat die Freizeitgestaltung und das Leben der Jugendlichen komplett verändert. Es wird neue Problemlagen geben, sobald die Pandemie überwunden ist. Aber wir sind darauf vorbereitet“, bekräftigt Becker.

Sobald es möglich ist, wollen die Jugendarbeiter auch wieder die Jugendtreffs öffnen. In der Zwischenzeit planen sie bereits an Freizeitangeboten wie die Ferienspiele und die Fun-Wochen, die im Juli stattfinden sollen (siehe Kasten). Auch sollen weitere Aktivitäten nach Ostern angeboten werden wie ein Graffitiworkshop. „Wir können nicht einhundertprozentig garantieren, dass es stattfindet, aber wir planen nun erst mal so“, sagt Kaheggi. Auch das Jungen- und Mädchenseminar soll es in diesem Jahr wieder geben. „Eigentlich ist es mit Übernachtungen, doch ob das möglich sein wird, ist fraglich. Daher erarbeiten wir parallel ein Alternativprogramm. Den Jugendlichen soll eine Abwechslung in der Freizeitgestaltung geboten werden, ohne das Risiko einer Coronaansteckung einzugehen“, erklärt Becker. Und Keheggi, der seit 2012 als Jugendarbeiter für die Stadt Rodenbach arbeitet, fügt hinzu: „Es ist ein Spagat. Wir planen mit A-, B- und C-Varianten.“ (Von Patricia Reich)

Anmeldung zu den Ferienspiele und Fun-Wochen

Wie im letzten Jahr sollen auch in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie die Ferienspiele und Fun-Wochen vom 19. bis 30. Juli werktäglich von 10 bis 16 Uhr durchgeführt werden. Unter den gegebenen Voraussetzungen der Hygieneverordnungen und des erstellten Hygienekonzeptes wird die Sommeraktion wieder in mehreren, kleineren Gruppen mit jeweils zehn Kindern stattfinden. Die Gruppen befinden sich an verschiedenen Standorten in Nieder- und Oberrodenbach. Auch für die etwas größeren Kinder im Alter von elf bis 13 Jahren werden an zwei Standorten eine Variante der Fun-Wochen angeboten.

Neben den Action-, Bastel- und Spielangeboten am Standort und Ausflügen innerhalb Rodenbachs sollen weitere Tagesausflüge in das Programm integriert werden. Die Durchführung solcher Angebote unterliegt aber auch, wie die Ferienspiele selbst, der dynamischen Lage der Corana-Pandemie und der daraus resultierenden Hygienevorschriften und Verordnungen. Die Vorbereitungstermine für die Teamer stehen bereits fest und das ganze Team freut sich auf die Aktion im Sommer. Die Anmeldungen gibt es vom 1. bis 21. März online auf der Website oder im Foyer des Rathauses in Papierform. Die Eltern sollen, je nach Möglichkeit, die Anmeldung vorzugsweise online ausfüllen und an jugendarbeit@rodenbach.de zu schicken. par

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