Heute wird er 95 Jahre alt

Zurück nach Hause: Richard Firkusny übersteht Corona-Pneumonie und feiert Geburtstag

Ein Bild aus früheren Tagen: Richard Firkusny hat seine Ehefrau Margret viele Jahre zu Hause gepflegt. Sie verstarb Anfang November letzten Jahres.
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Ein Bild aus früheren Tagen: Richard Firkusny hat seine Ehefrau Margret viele Jahre zu Hause gepflegt. Sie verstarb Anfang November letzten Jahres.

Es gibt Menschen, die beeindrucken. Die anhand ihrer Geschichte anderen Freude und Hoffnung geben. Einer dieser Menschen ist Richard Firkusny. Heute wird er 95 Jahre alt.

Rodenbach – Einigen Rodenbachern dürfte der gebürtige Tscheche gut bekannt sein. Des Öfteren ließ er Interessierte in der Gemeindebücherei an seinen Reisen durch die Welt teilhaben. Berichtete anhand einer Diashow von seinen Touren durch Afrika und Asien. Im Alter von 90 Jahren veröffentlichte er das Buch „Syrien – Es war einmal ein schönes Land“.

Erinnerungen an eine abenteuerliche Zeit, die er zusammen mit seiner Frau Margret erlebte. Doch als das Buch erschien, war seine Frau bereits an Demenz erkrankt. Richard Firkusny pflegte sie viele Jahre lang liebevoll zu Hause. Unterstützt von Haushälterinnen aus der Slowakei und Tschechien, wie sein Sohn Jan Firkusny am Telefon erzählt.

Jan Firkusny ist es auch, der der Redaktion eine E-Mail schrieb mit den Worten: „Am 29. Januar feiert mein Vater seinen 95. Geburtstag. Das besondere an der Geschichte ist, dass mein Vater Ende September 2020 mit Covid-19 infiziert wurde und mit einer Corona-Pneumonie im Hanauer Klinikum hospitalisiert wurde. Erfreulicherweise hat mein Vater Corona besiegt!“

Sohn dachte: „Oje, das ist das Ende.“

Wo genau sein Vater und seine Stiefmutter Margret sich infiziert hatten, kann nur gemutmaßt werden. Ende September werden beide mit starkem Husten und hohem Fieber mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingeliefert. Richard Firkusny kam ins Klinikum Hanau, seine Frau wurde wegen fehlender Betten ins Krankenhaus nach Offenbach gebracht. Beide Covid-19-Tests fielen positiv aus. Sohn Jan, der in Schwäbisch Alb wohnt, erinnert sich noch gut an seine Gefühle. „Ich dachte: Oje, das ist das Ende.“

Eigentlich hätte Richard Firkusny, dem eine beidseitige Lungenentzündung diagnostiziert wurde, beatmet werden sollen. Doch in seiner Patientenverfügung hatte er eine Beatmung abgelehnt. So wurde ihm lediglich Sauerstoff über einen kleinen Schlauch in der Nase zugeführt. Für Sohn Jan fast schon eine Geschichte für sich.

Vier Wochen später können sein Vater und seine Stiefmutter die Krankenhäuser verlassen.

Trauer um die Ehefrau

Beistand aus der Ferne: Sohn Jan Firkusny wohnt in Schwäbisch Alb und darf nur per Telefon Kontakt zu seinem Vater halten.

Zunächst kommt Margret Firkusny ins Pflegeheim Offenbach. Wenige Tage später folgt ihr ihr Mann Richard. „Ich erinnere mich nicht mehr an die Zeit im Krankenhaus“, erzählt uns der genesene Richard Firkusny am Telefon. „Ich weiß nur noch, dass wir zusammen im Heim in Offenbach waren. Aber ich durfte Margret nicht sehen. Das war sehr schlimm.“

Seine Frau Margret verstarb im Pflegeheim Anfang November. Auch wenn ihre Familie sie schmerzlich vermisst, versucht Stiefsohn Jan es von einer guten Seite zu sehen: „Sie war sehr krank und ist nun vom weltlichen Leben befreit. Jetzt ist sie bei ihrem lieben Gott.“ Auch Ehemann Richard sagt: „Es war für sie eine Erlösung. Sie war bereits in einer eigenen Welt.“

Im Offenbacher Pflegeheim fühlte sich Richard aber nicht wohl. „Er wollte zurück in sein Rodenbach. Dort, wo seine Freunde und Bekannte sind“, berichtet Sohn Jan und fügt erklärend hinzu: „In Offenbach waren gar keine Besuche möglich.“ Er setzte alles daran, seinen Vater zurück in seinen Heimatort zu holen. Anfang Dezember bekam Richard Firkusny den ersehnten Platz im Heim. Und endlich durfte er auch seinen Sohn wiedersehen. Ein einziges Mal seitdem. Denn wenige Tage später waren Besuche aufgrund der Pandemie im Pflegeheim nicht mehr erlaubt. „So bleibt nur das Telefon“, bedauert Sohn Jan, der selbst bereits das Rentenalter erreicht hat.

Dank über die Zeit auf Erden

Dass der 95-Jährige heute nicht groß seinen Geburtstag feiern kann, ist ihm recht. „Ich bin schnell erschöpft und muss mich viel ausruhen“, erklärt er. Aber so ganz glücklich ist er mit seiner derzeitigen Situation nicht. „Den dritten Monat bin ich nun in einem Pflegeheim, nur liegend, habe keine Gymnastik, keine Bewegung und es ist langweilig.“ Sein größter Wunsch ist es, endlich wieder in sein Haus zu kommen, an seinen Laptop. „Ich möchte weiter arbeiten, ein neues Buch schreiben.“

Diesen Wunsch wird sein Sohn ihm, sobald es die Pandemielage zulässt, erfüllen. Zum Geburtstag heute will er ihm zunächst Blumen schicken.

Auf die Frage, was Richard über seine 95 Jahre auf der Erde denkt, antwortet er: „Ich bin dankbar. Ich hatte eine wunderbare Frau, habe eine wunderbare Familie und habe viel gesehen von der Welt. Es gibt viele schöne Erinnerungen und ich habe ein schönes langes Leben. Jetzt möchte ich nur noch zurück in mein Haus.“ (Von Patricia Reich)

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