Positive Bilanz trotz Corona

Rodenbacher Medientreff verzeichnet steigende Ausleihzahlen / Veranstaltungen geplant

Die Leiterinnen des Medientreffs, Inge Kliemt und Laura Jacob, stellen mit Unterstützung von Bürgermeister Klaus Schejna vieles auf die Beine. Die Herausforderungen der Pandemie und der Lockdowns haben sie angenommen und kreative Ideen entwickelt.
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Die Leiterinnen des Medientreffs, Inge Kliemt und Laura Jacob, stellen mit Unterstützung von Bürgermeister Klaus Schejna vieles auf die Beine. Die Herausforderungen der Pandemie und der Lockdowns haben sie angenommen und kreative Ideen entwickelt.

In den vergangenen Jahren hat die Gemeindebücherei viele innovative Ideen eingebracht und sich als Medientreff zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt in Niederrodenbach entwickelt. Dies war vor allem der Arbeit der ehemaligen Leiterin Ulrike Schilling zu verdanken. Als diese im Frühjahr vergangenen Jahres überraschend starb, traf das ihre Kollegen hart.

Rodenbach – „Es war sehr schwierig für uns, und wir wussten zunächst nicht, wie wir weitermachen sollen“, erzählt die damalige Stellvertreterin und heutige Leiterin Inge Kliemt im Gespräch mit dem HA. „Wir waren alle in Schockstarre. Daher haben wir auch dem Team Zeit gegeben, um sich zu berappeln, bevor wir eine Nachfolge bestimmen“, ergänzt Bürgermeister Klaus Schejna (SPD). Dem Gemeindeoberhaupt war aber von Anfang an klar, dass die vakante Stelle nicht mit einer externen Person besetzt wird. „Wir haben vorgeschlagen, dass Inge Kliemt sich die Leitung mit Laura Jacob teilt. Das Team hat sich dann abgesprochen und war mit dem Vorschlag einverstanden.“

Die Doppelbesetzung der Leitung funktioniere sehr gut, bestätigt Kliemt. Trotz klarer Aufgabenteilung gebe es viele Absprachen und „das Team zieht sehr an einem Strang“.

Jacob, die seit 2011 im Medientreff arbeitet, bildet sich gerade zur Medienpädagogin weiter. Vor allem mit Blick auf die Pandemie und die Verlagerung vieler Aktivitäten ins Internet war das neuerworbene Know-how zum Vorteil. „Während des Lockdowns waren viele Leute daheim und der Bedarf an Büchern war groß“, sagt Kliemt. Den Büchereiangestellten war klar: „Wir müssen uns neu aufstellen.“

Neue Angebote geschaffen

So wurden diverse Angebote geschaffen: „Click & Collect“ oder „Click & Meet – Deine Zeit im Medientreff“, in der nach Anmeldung 30 Minuten in der Bücherei gestöbert werden konnte. Die neusten Bücher und Medien wurden im Schaufenster ausgelegt. „Manchmal stand jemand mit dem Handy vor unserer Tür und bat um eines der Auslagebücher, manche klopften auch einfach“, erinnert sich Jacob. Vor allem Familien haben rege die Angebote der Bücherei genutzt. Zusammen mit der Kreativwerkstatt, der Jugendarbeit und dem Freundeskreis Medientreff gab es zu Ostern und Weihnachten Beschäftigungstüten, die vor der Büchereitür ausgelegt wurden. „Die waren sehr schnell vergriffen“, sagt Kliemt schmunzelnd.

Eigener Youtube-Kanal

Im Herbst startete der Medientreff dann seinen Youtube-Kanal. „Wir haben die Vorlesestunden gefilmt und online gestellt“, übernimmt Jacob den Bericht, da das unter ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Die Videos produzierte sie mit einfachen Mitteln: „Es wurde ein Stativ gekauft und mit dem Handy gefilmt. Dann habe ich das Video zusammengeschnitten und Wiedererkennungsmerkmale wie ein Jingle eingebaut.“

Doch das technische Equipment soll in Zukunft aufgestockt werden, fügt Schejna ein: „Wir haben bereits einen Landeszuschuss dafür beantragt.“

In sozialen Medien aktiv

Auch in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram ist der Medientreff aktiv. „Das wollen wir auch so beibehalten“, bestätigt Jacob. Mit Blick auf die Klickzahlen zeigen sich die beiden Leiterinnen mehr als zufrieden. „Kurz vor dem letzten Lockdown haben wir den letzten Öffnungstag über die sozialen Medien publik gemacht. Innerhalb von vier Stunden konnten wir daraufhin 1200 Ausleihen verzeichnen“, erzählt Kliemt kopfschüttelnd.

Zahl der Ausleihen gesteigert

Dass das Engagement der Mitarbeiter belohnt wird, zeigt sich in der Statistik für 2020: Rodenbach und die Gemeindebücherei Schöneck sind die einzigen Büchereien im Kreis, die eine Steigerung der Ausleihzahlen von 2019 auf 2020 verzeichnen konnten.

Nur der Kontakt zu den Schulen gestaltete sich während der Pandemie schwierig. „Zu den Kindergärten sind wir selbst hingefahren und haben das ‘Lesekaiserprogramm’ fortgesetzt.“ Zudem beliefert der Medientreff die Kindergärten regelmäßig mit Lese-Kisten.“ „Wir investieren als Gemeinde pro Jahr 36 000 Euro in neue Medien“, sagt Schejna nicht ohne Stolz. „So gibt es auch immer neue Bücher.“ Der exzellente Ruf des Medientreffs reicht mittlerweile über Rodenbach hinaus. „Ein Drittel der Nutzer kommen aus dem Umland, darunter auch Schulen und Kitas.“

Bibliobike soll kommen

Dass sich die Gemeindemitarbeiter aber auf dem bereits Erreichten ausruhen, davon ist keine Rede. Für die kommende Zeit gibt es bereits viele Pläne: „Das Thema Digitalisierung steht auch bei uns ganz oben auf der Liste. So wurde der Landeszuschuss genutzt und in sogenannte Non-Book investiert“, erklärt Jacob. Darunter fallen zum Beispiel Konsolenspiele, Tonies und Makerspace, kleine Roboter wie der „Beebot“ oder der „Dash“. Von dem Landeszuschuss für 2021 soll ein „Bibliobike“ angeschafft werden, sofern der Zuschuss bewilligt wird. „Das E-Bike ist ein Lastenfahrrad, das als kleine Bibliothek dienen soll. So können wir unsere Medien auf verschiedenen Festen präsentieren oder in Schulen und Kitas“, sagt Kliemt.

„Schwof im Hof“ ab 10. Juli

Auch Veranstaltungen wird es wieder geben. Ab 10. Juli bis September startet die Reihe „Schwof im Hof“. Im Innenhof werden einmal monatlich regionale Bands spielen. Zum Veranstaltungsauftakt stehen um 18 Uhr Backyard 28 auf der Bühne. Örtliche Weinhändler sorgen für die Bewirtung. Auch Lesungen sind geplant.

Am 24. Juli öffnet der Sommerflohmarkt, bei dem der Freundeskreis Medientreff für die Bewirtung sorgt und die Kreativwerkstatt kleinere Handarbeiten anbietet.

Zudem werden demnächst die Gewinner der Bienenaktion ermittelt und auch die Sommer-Lese-Taschen wird es wieder geben. „Nach vielen Rückfragen haben wir die Aktion ausgeweitet und bieten nun auch die Bücherwundertüten für Erwachsene an“, erläutert Kliemt. Für die 60 ehrenamtlichen Helfer des Medientreffs ist zudem ein Fest geplant. „Denen gilt ein ganz besonderes Dankeschön, denn ohne sie hätten wir das alles nicht leisten können“, ist sich Schejna sicher.

Konzept für die Zukunft

Auf der To-do-Liste steht zudem ein Großprojekt: „Wir arbeiten an einer Konzeptionsentwicklung und haben dafür bereits Workshops besucht“, erklärt Jacob. Zusammen mit Coaches entwickeln wir ein Konzept für die nächsten Jahre. Also welche Zielgruppen steuern wir an, wie reagieren wir auf den Wandel in Bezug auf die Digitalisierung und wie gestalten wir die Zusammenarbeit mit den Schulen und Kitas“, führt sie fort.

Außerdem will die Gemeinde weiter für den gemeinsamen Bibliotheksausweis werben. „Zunächst waren nur Hanau und Bruchköbel bei dem Projekt dabei, jetzt sind noch Gelnhausen, Nidderau und Großkrotzenburg hinzugekommen“, sagt Schejna. „Ziel ist es, diesen kreisweit einzusetzen.“

„Endlich wieder Leute im Haus“

Auf die Frage, wie die Büchereimitarbeiter die aktuellen Lockerungen wahrnehmen, antwortet Kliemt: „Wir haben uns lange danach gesehnt, endlich wieder Leute im Haus zu haben. Auch die Leute sind dankbar, dass sie nicht mehr unter Zeitdruck ausleihen müssen.“

Dass die Gemeinde aufgrund der Coronakrise Sparmaßnahmen im Medienetat einläuten würde, stand für Bürgermeister Schejna nie zur Debatte. „Der Medientreff ist eine freiwillige Leistung der Gemeinde. 6000 Euro Zuschuss erhalten wir bei einer Summe von rund 500 000 Euro im Jahr. Aber der Ort ist wichtig für alle. Es ist mehr als eine Bibliothek, es ist eine Begegnungsstätte und es kann nicht sein, dass wir hier sparen. Das hätte die Attraktivität der Bücherei zunichtegemacht. Leere Köpfe sind schlechter als leere Kassen.“ (Von Patricia Reich )

Der Medientreff in Zahlen

Medienbestand: aktuell stehen 26 308 Medieneinheiten zur Ausleihe zur Verfügung.
Virtuelle Medien: 271 883 Medien über die Onleihe im Verbund mit insgesamt 115 teilnehmenden Bibliotheken.
Ausleihen 2020: insgesamt 107371 Medien wurden ausgeliehen, das ist eine Steigerung von zwei Prozent zum Vorjahr.
Neuanmeldungen 2020: 184 (2019: 262)
Aktive Leser: 1412 (2019: 16729). Der Rückgang der Besucherzahlen ist der Pandemie geschuldet, soll aber spätestens 2022 wieder ausgeglichen sein.
Die fleißigste Leserin bei den Kindern ist sechs Jahre alt und hat 749 Medien im Jahr 2020 ausgeliehen.
Konsolenspiele: 35 Prozent Umsatzsteigerung im Vergleich zu 2019 in dieser Mediengruppe.

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