SARS-COV-2-PANDEMIE

Rodenbachs Pfadfinder bieten in Corona-Krise kostenlos Dienstleistungen für Hilfsbedürftige an

+
Schnelle und unkomplizierte Hilfe: Josefine Kohl, die Vorsitzende der Rodenbacher Pfadfinder, koordiniert die Hilfsaktion für Menschen in der Risikogruppe. Zusammen mit knapp 20 Ehrenamtlichen aus der Leitergruppe macht sie wichtige Besorgungen und wahrt dabei einen Sicherheitsabstand zu den Menschen.

Wenn der Hund raus muss, Medikamente knapp werden oder der Kühlschrank leer ist, kommen sie ins Spiel: Die Rodenbacher Pfadfinder bieten kostenlose Dienstleistungen an, um ältere, chronisch kranke oder immungeschwächte Bürger vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

Ein Anruf genügt, damit sich die ehrenamtlichen Helfer des Barbarossa-Stamms der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg auf den Weg machen. Am Donnerstag ist es ein älteres Ehepaar aus Oberrodenbach, das die eigenen vier Wände aufgrund schwerwiegender Vorerkrankungen derzeit kaum verlässt. Er sitzt im Rollstuhl, und sie hat eine Autoimmunerkrankung. „Der gemeinsame Sohn wohnt weiter weg und befindet sich momentan in Quarantäne, da es bei ihm einen Corona-Fall auf der Arbeit gab“, sagt Josefine Kohl. 

Die 20-Jährige ist die Vorsitzende des Rodenbacher Pfadfinder-Stamms und kennt das Ehepaar persönlich. Denn bei der Aktion „Rent-a-Scout“, die sie vor knapp zwei Jahren initiiert hat, half sie den beiden zusammen mit den Kindern und Jugendlichen ihrer Pfadfindergruppen beim Unkrautjäten und Rasenmähen. Heute fährt sie für die beiden nach Hanau in die Apotheke, um wichtige Medikamente und Pflegehilfsmittel zu besorgen. Auf der Mittelkonsole ihres Autos liegen Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe bereit. 

Aktion der Pfadfinder wurde vor einer Woche ins Leben gerufen

Die ärztlichen Rezepte sowie das Geld holt sie direkt bei dem Ehepaar zu Hause ab. In einem Umschlag verpackt liegt alles dort, wie am Telefon vereinbart, auf der Treppe zur Haustür, um den direkten Kontakt zwischen Pfadfinderin und Hilfesuchenden zu vermeiden. Gerade als Kohl den Umschlag in die Hand nimmt, öffnet sich die Tür einen Spalt breit und eine Frau mit kurzen grauen Haaren schaut mit Mundschutz und Gummihandschuhen heraus: „Vielen Dank, ich finde es ganz toll, dass Sie das machen“, sagt sie. „Bei der Apotheke habe ich schon Bescheid gesagt, dass Sie kommen.“ Die beiden unterhalten sich kurz auf Distanz, bevor sich die Tür wieder schließt und die Pfadfinderin zur Apotheke fährt. 

Josefine Kohl übernimmt dabei nicht nur die Botengänge und Einkaufsfahrten, sie koordiniert auch die gesamte Aktion, die sie vor knapp einer Woche zusammen mit Luise Fuchs ins Leben gerufen hat: „Vorreiter für uns waren die Pfadfinder in Witzenhausen bei Kassel. Die haben ihr Hilfsangebot auf Facebook gepostet und da dachten wir sofort: Super Idee, das machen wir auch!“ 

Etwa 20 ehrenamtliche Mitarbeitern der Leiterrunde des Pfadfinderstamms

Fuchs arbeitet als Öffentlichkeitsreferentin der katholischen Pfadfinderschaft im Bistum Fulda und entwarf kurzerhand einen Flyer, den sie auf sozialen Netzwerken teilte und in den Geschäften in Rodenbach aufhing. „Wir sind beide Studenten und haben gerade Semesterferien, da haben wir die Zeit dafür“, sagt Kohl und lacht. In der Apotheke angekommen, desinfiziert sie sich die Hände und wartet mit Abstand zu anderen Kunden, bis sie an der Reihe ist. Als sie dem Apotheker erklärt, dass sie im Auftrag des besagten Ehepaars kommt, verschwindet er kurz ins Lager, um kurz darauf mit zwei vollgepackten durchsichtigen Plastikkisten zurückzukommen, in denen er die Bestellung vorbereitet hat. „Das es so viel ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt Kohl, als sie ihm die Rezepte und das Geld gibt. „Das Ehepaar hat mich noch darum gebeten, Desinfektionsmittel mitzubringen.“ 

Doch das ist derzeit in der betreffenden Apotheke ausverkauft. Auf dem Weg zum Auto klingelt das Handy: Ein älteres Ehepaar braucht jemanden zum Einkaufen. Es ist erst der vierte Auftrag in der Woche: „Wir haben damit gerechnet, dass wir mit Anfragen überschwemmt werden. Momentan läuft das Projekt aber recht langsam an“, sagt Kohl. Sie teilt die Aufträge unter den etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Leiterrunde des Pfadfinderstamms auf. „Viele Betroffene verlassen ja das Haus nicht mehr, ich nehme an, dass es dann einfach ein bisschen länger braucht, bis sie davon erfahren“, sagt sie. „Viele haben sicher auch Angehörige für die Erledigungen, aber wenn nicht, sind sie aufgrund der ernsten Lage auf Hilfe angewiesen.“  Hilfe, die auch außerhalb der Krisenzeiten von Rodenbacher Vereinen wie dem Trägerverein Schützenhof Oberrodenbach angeboten wird. Momentan können seine Mitglieder jedoch nicht im Einsatz sein. 

Rodenbacher Pfadfinder können telefonisch erreicht werden

„Die Ehrenamtlichen, die eigentlich ganzjährig Einkaufshilfen anbieten, gehören jetzt aufgrund ihres Alters selbst größtenteils zur Risikogruppe“, erklärt Kohl. Aber die Vereine in Rodenbach seien gut vernetzt und bekämen viel Unterstützung von der Gemeinde, die auch schon Hilfsbedürftige auf das Angebot der Pfadfinder aufmerksam gemacht habe. Am Auto angekommen desinfiziert sich die Pfadfinderin wieder die Hände. „Das ist momentan echt wichtig. Zum Wohle aller muss man jetzt einfach vorsichtiger sein und sich auch im Alltag einschränken“, sagt die Pfadfinderin und erzählt von abgesagten Fortbildungen und Konzerten, an denen sie unter anderen Umständen sehr gerne teilgenommen hätte. Wieder an der Treppe zu Haustür des Oberrodenbacher Ehepaars angekommen, öffnet sich die Tür. „Ich lege Ihnen die Sachen auf die Treppe, dann können sie sich die nehmen. Desinfizieren Sie sich bitte die Hände, wenn Sie die Taschen ausgepackt haben“, sagt Kohl. „Nochmals vielen Dank“, ruft ihr die Frau an der Tür zu. „Und bleiben Sie gesund!“ 

Jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen sieht Kohl für sich als Pfadfinderin als ihre Pflicht an, erzählt sie: „Mit den Einkaufshilfen und den Apothekengängen setzen wir die gute Tat momentan am sinnvollsten ein, weil gerade das Alltägliche besonders wichtig ist.“ Auch wenn das in den nächsten Wochen viel Arbeit für die Pfadfinder bedeutet. „Die Leute sind wahnsinnig dankbar, das gibt einem sehr viel.“ Die Aktion gilt vorerst bis Ende März, die Pfadfinder haben jedoch eine Verlängerung ins Auge gefasst: „Je nachdem, wie lang sich die Krise noch zieht, werden wir das die nächsten Wochen so lange wie möglich anbieten“, sagt Kohl. „Wenn es zu einer Ausgangssperre kommt, müssen wir mal schauen.“

Kontakt zu den Pfadfindern Wer die Hilfe der Rodenbacher Pfadfinder in Anspruch nehmen möchte, erreicht diese unter der Nummer 0 15 25/4 03 01 41.

Quelle: Hanauer Anzeiger

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare