„Booster“ für den Straßenerhalt gesucht

Sitzung Bauausschuss: Gemeinde braucht zusätzliche Mittel, um marode Straßen erneuern zu können

Analyse von Rodenbachs Straßen ernüchternd: Ein Viertel der Straßen ist in einem schlechten Zustand, insgesamt ist der Zustand der Straßen mittelmäßig.
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Analyse von Rodenbachs Straßen ernüchternd: Ein Viertel der Straßen ist in einem schlechten Zustand, insgesamt ist der Zustand der Straßen mittelmäßig.

E-Mobilität, Straßenerhaltung und der Bebauungsplan „Bornstraße“ in Oberrodenbach waren die inhaltlichen Themen, die den Bauausschuss in seiner ersten Sitzung lange beschäftigten. Abgestimmt wurde aber nur über einen Punkt.

Rodenbach – Mit der konstituierenden Sitzung am Dienstagabend hat nach Haupt-, Finanz- und Sozialausschuss sowie Umwelt- und Verkehrsausschuss nun auch der Bauausschuss seine Arbeit aufgenommen. Mit allen neun Stimmen wurde der bisherige Vorsitzende Volker Herold (SPD) für diese Legislatur erneut im Amt bestätigt. Als Stellvertreter wurden gewählt: Stefan Brehm (SPD), Jochen Adam und Eberhard Wiegelmann (beide CDU). Schriftführerin ist Daniela Schnadt.

Volker Herold (SPD), Vorsitzender Bauausschuss

Drei E-Tankstellen geplant

Zugeschaltet aus Gelnhausen war Oliver Habekost, Prokurist der Kreiswerke Main-Kinzig GmbH. Er gab den Mandatsträgern einen Überblick über die Aktivitäten der Kreiswerke zu E-Mobilität, zu den Ladesäulen und der Auswahl der Standorte. 20 Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten sind bereits durch die Kreiswerke in Betrieb genommen, bis Ende 2022 sollen weitere zwanzig folgen, sodass insgesamt im 80 Ladepunkte im öffentlichen Raum durch die Kreiswerke betrieben werden. Nicht abzusehen sei im Augenblick, so Habekost, welche Rolle das „Laden zu Hause“ spielen werde. Zurzeit fördere die KfW eine Wallbox mit 900 Euro. Standorte von Ladesäulen im öffentlichen Bereich würden anhand verschiedener Faktoren wie Aufenthaltsqualität und Verweildauer in A- ,B- und C-Standorte unterschieden. A-Standorte wie Tankstellen oder Supermärkte, die sich sehr wirtschaftlich betreiben ließen, würden meist von großen Unternehmen besetzt. „Die B-Plätze sind für uns“, sagte Habekost, denn auch die Kreiswerke würden auf Wirtschaftlichkeit achten. In Niederrodenbach sind einige Standorte gut geeignet. Die Kreiswerke seien aber auch über einen „C-Standort“ in Oberrodenbach gesprächsbereit. Nach Aussage von Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) sind Ladestationen am Rathaus, an der Sparkasse und an der Bulauhalle fest geplant. Zuletzt verwies der Geschäftsführer auf das Pilotprojekt „autonomes Shuttle“ in Bad Soden-Salmünster, welches die Rodenbacher Gemeindevertreter gerne besichtigen könnten.

Rodenbachs Straßen in schlechten Zustand

Sehr ausführlich erläuterte Thomas Schäfer, Geschäftsführer der Rohrtec Consult GmbH, seinen Zwischenbericht zu einem Straßenerhaltungskonzept in Rodenbach. Grundlage war das digitale Straßenkataster, das vor circa einem Jahr von eagle eye technologies GmbH erstellt worden war. Die Bilanz der Analyse war ernüchternd: Die Straßen in Rodenbach sind insgesamt in einem mittelmäßigen Zustand, ein Viertel sogar in einem schlechten Zustand. Beispiele für Straßenschäden sind Risse, Schlaglöcher und Flickstellen der Versorgungsunternehmen. Nichts zu machen sei keine Option, so Schäfer, der Verschleiß gehe ja weiter. Deutlich wurde auch, dass die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel nicht ausreichten, um mittelfristig den Straßenzustand zu erhalten. „Sie brauchen einen Booster“, sagte Schäfer und stellte dem Gremium verschiedene Varianten vor, Beiträge für die grundhafte Erneuerung von Straßen zu erheben. Schäfer selbst favorisierte wiederkehrende Beiträge, die Eigentümer und Gewerbetreibende für die Sanierung der Straßen in einem Umlageverfahren zu zahlen hätten. Der Anteil der Gemeinde würde generell mindestens 25 Prozent betragen. Beispielsweise wären bei einem Investitionsvolumen von 2,4 Millionen Euro, verteilt auf drei Jahre, dann 1,8 Millionen umlagefähig. Pro Jahr würden entsprechend 600 000 Euro auf ein bestimmtes Gebiet, wie einen Ortsteil, umgelegt. Am Beispiel der Städte Biblis und Obertshausen konnte Schäfer zeigen, dass bei einem Beitrag von 0,06 Euro beziehungsweise 0,12 Euro pro Quadratmeter im Durchschnitt in Biblis circa 42 Euro pro Jahr und in Obertshausen circa 58 Euro pro Jahr zu zahlen sind. Einmalige Beiträge wollte auch Schäfer nicht empfehlen. Bürgermeister Schejna sagte, die Straßenbeitragssatzung, die vor drei Jahren in Rodenbach abgeschafft worden ist, sei noch nie angewendet worden.

Weitere Mittel für Straßenerhalt notwendig

Dennoch braucht die Gemeinde zusätzliche Mittel, um die Straßen zu erhalten. Noch haben die Gemeindevertreter Zeit, über verschiedene Modelle der Finanzierung zu diskutieren, das Gespräch mit den Bürgern zu suchen und sich abzustimmen. Bis Ende 2022 sollten sich die Rodenbacher entschieden haben, denn je länger sie warten, umso teurer wird es wohl werden.

Einfamilienhäuser an der Bornstraße geplant

Sehr viel schneller einigten sich die Mitglieder des Bauausschusses mehrheitlich auf eine Empfehlung für den Bebauungsplan „Bornstraße“ in Oberrodenbach. Das Planungsbüro Egel hatte für das 2,5 Hektar große Areal verschieden Varianten geprüft. Nicht in Betracht kommt die Ansiedlung eines Nahversorgers, da hierfür das Grundstück zu klein ist. Gut geeignet sei das Grundstück für Wohnbebauung, sowohl für Einfamilienhäuser wie auch für ein Mehrfamilienhaus. Der Ausschuss entschied sich dafür, den Gemeindevorstand mit Aufstellung eines B-Planes für ein „allgemeines Wohngebiet“ zu beauftragen, mit dem Ziel, hier entsprechend dem Ortsbild ein Gebiet für Einfamilienhäuser auszuweisen. (Von Ulrike Pongratz)

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