Nur mit Termin

Staubsauger nach Corona-Regeln zerlegt: Repair-Café in Rodenbach hat wieder geöffnet

Nur mit Maske: Auch die Reparatur des Staubsaugers von Andrea Brunner nimmt Reinhard Redecker unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln vor, die natürlich auch im Repair-Café in Oberrodenbach gelten.
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Nur mit Maske: Auch die Reparatur des Staubsaugers von Andrea Brunner nimmt Reinhard Redecker unter Einhaltung der Corona-Hygieneregeln vor, die natürlich auch im Repair-Café in Oberrodenbach gelten.

Rodenbach – „Ich habe schon darauf gewartet und bin jetzt ganz happy, dass das Repair-Café wieder geöffnet hat“, ist Andrea Brunner voller Vorfreude in den Schützenhof nach Oberrodenbach gekommen. Die Niederrodenbacherin hat ihren defekten Staubsauger mitgebracht.

Das Repair-Café bietet der gemeinnützige Trägerverein seit 2016 einmal im Monat an. „Heute haben wir bereits das dritte Mal in den Zeiten von Corona geöffnet. Früher war es hier immer sehr voll. Sämtliche Tische waren besetzt mit Leuten, die auf ihre Reparatur gewartet haben oder auch nur Kaffee trinken wollten“, berichtet Sybille Diehs, die hinter dem mit Plastikbändern und Plexiglasscheiben abgesperrten Thekenbereich den Ausschank übernommen hat.

„Unter den Corona-Bedingungen vergeben wir jetzt alle halbe Stunde einen Termin, und die Leute kommen einzeln“, informiert Diehs über das neue Prozedere der vorbildlich umgesetzten Hygiene- und Abstandsregeln. Zwar muss das gesellige Kaffeetrinken ausfallen, aber für Kuchen und süße Kleinigkeiten hat die Organisatorin trotzdem gesorgt.

An einem großen Tisch am Fenster hat Reinhard Redecker seine „Werkstatt“ aufgebaut. „Normalerweise reparieren wir zu dritt, aber heute bin ich alleine hier“, erzählt der Rentner, der beruflich in der Elektronikbranche tätig gewesen ist. „Wir reparieren sämtliche Elektrokleingeräte wie Föhne, Rasierer, Toaster, Drucker, Fernseher und Musikanlagen“, informiert er. „Letztens hatten wir sogar ei-ne Kettensäge“, ergänzt Diehs.

Gerade hat Redecker einen Luftbefeuchter auseinandergenommen. Er gehört Heiner Dreisörner aus Langenselbold, der durch den HA auf das Repair-Café aufmerksam wurde. Der Fehler wurde zwar analysiert, aber das Gerät kann heute nicht mehr instandgesetzt werden. Dreisörner muss erst das entsprechende Ersatzteil besorgen und noch einmal wiederkommen. „Ich wollte mal sehen, wie das hier funktioniert“, meint der nächste Kunde aus Hanau-Großauheim.

Zu Hause sammle er alle defekten Elektrogeräte in einer Kiste, aber nun wisse er leider nicht mehr, welche Ladestation und welcher Stecker zu welchem Teil gehören. Wahllos habe er in die Kiste gegriffen und eine Ladestation für Festplatten, einen Kopfhörer und einen Rasierer mitgebracht. Aufgrund des fehlenden Zubehörs konnten die Geräte aber leider nicht von Redecker zur Fehleranalyse durchgetestet werden. „Je besser die Leute mitarbeiten und mir sagen, was an ihrem Gerät kaputt ist, desto besser kann ich es reparieren“, so seine Erfahrung.

Immer am ersten Samstag

Das Repair-Café im Schützenhof Oberrodenbach, Hanauer Straße 8, öffnet seine Pforten jeden ersten Samstag im Monat jeweils in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Gegen eine Spende nach eigenem Ermessen können elektrische Kleingräte untersucht und gegebenenfalls repariert werden. Termine vergibt Richard Uhl unter z 06184 51287 oder per E-Mail an info@traeger verein-schuetzenhof.de.

„Mein Staubsauger lässt sich nicht mehr ein- und ausschalten“, berichtet Andrea Brunner, nachdem sie ordnungsgemäß das Covid-19 geschuldete Datenblatt ausgefüllt hat. Redecker löst die Schrauben des Geräts. Mit geschickten Handgriffen legt er den Schalter frei und testet ihn mit seinem Messgerät. „Der Schalter ist in Ordnung“, lautet seine erste Diagnose, der er anfügt: „Die Elektronik für Steuerung und Geschwindigkeit könnte einen Schlag haben, das bedeutet dann das Aus für den Staubsauger.“

Das mache nichts, den habe sie bestimmt schon 15 Jahre, entgegnet Brunner. Aber auch hier fällt der Test negativ aus. Dann vermutet Redecker, dass der Kabelzug defekt sein könnte. Mit einer Mischung aus Fingerfertigkeit und sanfter Gewalt legt er nach mehreren Versuchen, das Gehäuse zu öffnen, endlich den Motorblock frei. Auch dieses hochwertige Markenprodukt ist so konstruiert, dass es sich nicht so einfach reparieren lässt. Bei den Versuchen, an den Motor herranzukommen, springt die Feder des Kabel-Aufrollmechanismus raus. Auf diesen wird die Besitzerin künftig verzichten müssen.

Eine Messung mit dem Ohm-Meter bestätigt Redeckers Vermutung: Ein Kabelbruch liegt vor. „Ich schneide das Kabel jetzt einfach ab“, so der Reparateur. Aus Erfahrung wisse er, dass sich die Bruchstelle entweder direkt am Staubsauger oder am Stecker befinde. Erfolgreich lötet er die Enden wieder zusammen und setzt den freigelegten Motor in Gang. Das Gerät funktioniert und muss nur noch wieder zusammengesetzt werden. Glücklich nimmt Andrea Brunner ihren Staubsauger entgegen und freut sich, dass der freundliche Reparaturservice ihr einen Neukauf erspart hat.

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