Medientreff Rodenbach

Tod der langjährigen Leiterin hinterlässt eine Lücke: Diese Lösung soll angestrebt werden

Ulrike Schilling und Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna im Medientreff
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Noch kurz vor ihrem Tod konnte Ulrike Schilling Bürgermeister Klaus Schejna über den Stand der Modernisierung im Medientreff informieren.

Ulrike Schilling, die bisherige Leiterin der Bücherei in Rodenbach, ist im Frühjahr überraschend verstorben. Die Frage nach ihrer Nachfolge sorgt für Kopfzerbrechen.

Rodenbach – Dass sich die Gemeindebücherei in den vergangenen Jahren nicht nur zum Medientreff, sondern auch zum kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt im Ortskern von Niederrodenbach entwickelt hat, wäre ohne die Arbeit und das außerordentliche Engagement von Ulrike Schilling nicht denkbar gewesen. Entsprechend hat der überraschende Tod der Büchereileiterin im Frühjahr eine riesige Lücke gerissen, die weiterhin nur schwer zu schließen sein wird. Geleitet wird der Medientreff zurzeit kommissarisch von Ulrike Schillings bisheriger Stellvertreterin Inge Kliemt.

Auf HA-Rückfrage teilte Bürgermeister Klaus Schejna (SPD) mit, dass für die Zukunft eine Teamlösung für die Führung des Medientreffs angedacht sei. Neben Diplom-Bibliothekarin Inge Kliemt gehören noch Laura Jacob, Katharina Pierchalla (beide Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste), Elke Rech und Christine Bruckmann (beide Bibliotheksangestellte) zum Büchereiteam.

Gemeindebücherei besteht seit 30 Jahren

30 Jahre alt wurde die Gemeindebücherei im vergangenen Jahr. Wie entscheidend das Wirken von Ulrike Schilling für die Entwicklung der Einrichtung zum Medientreff ist, zeigt sich daran, dass die Diplom-Bibliothekarin davon allein 20 Jahre als Leiterin gewirkt hat. Es war aber nicht nur die fachliche Qualität, für die sie von Mitarbeiterinnen, Kunden und den Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung geschätzt wurde. Das wird auch im Nachruf der Gemeinde deutlich, in dem es heißt: „Mit ihrem vorbildlichen Engagement, ausgeprägten Verantwortungsgefühl, Teamgeist und mit ihrer starken menschlichen Ausstrahlung hat sie sich innerhalb und außerhalb von Rodenbach Respekt und Anerkennung erworben. Wir haben mit ihr eine sehr geschätzte Kollegin und einen liebenswerten Menschen verloren.“

Dass zahlreiche Lesungen und andere Veranstaltungen im Medientreff stattfanden, war dem Organisationstalent Schillings zu verdanken, die stets für neue Ideen offen war. So fand noch Mitte Februar die erste Samen-Tauschbörse in der Gemeindebücherei statt. Neben dem direkten Kontakt mit den Kunden war ihr entsprechend die Vernetzung innerhalb der Gemeinde sehr wichtig, wurden die Räumlichkeiten an der Kirchstraße zu einem wichtigen Veranstaltungsort in Rodenbach.

Schilling trieb die Entwicklung des Medientreffs voran

Im Jahresbericht 2019 wird deutlich, dass Schilling über den Tellerrand einer Gemeindebücherei hinaus dachte. „Der Medientreff will zukunftsfähig sein und bleiben – mit neuen Angeboten und neuen Raumkonzepten, um Bibliothek als Treffpunkt und Lernort realisierbar zu machen“, ist dort zu lesen. Entsprechend trieb sie die Modernisierung der Einrichtung voran und konnte den Bürgermeister noch im Februar über den Fortschritt bei den Umbaumaßnahmen informieren. Im Veranstaltungsraum war eine mobile Trennwand mit Schallschutzisolierverglasung eingebaut worden, damit der laufende Ausleihbetrieb nicht mehr gestört wird, wenn gleichzeitig Veranstaltungen stattfinden.

Welche Bedeutung die Veranstaltungen vor Beginn der Corona-Krise für den Medientreff haben und wie gut sie angenommen werden, zeigt ein weiterer Blick in den Jahresbericht für 2019. Insgesamt waren es im letzten Jahr nämlich stolze 146 Veranstaltungen, zu denen insgesamt fast 3000 Besucher den Weg in die Kirchstraße in Niederrodenbach fanden. Das ist ein Zuwachs gegenüber 2018 um zehn Prozent.

60 Veranstaltungen für Kinder

Wie wichtig dabei die Angebote für die kleinen Rodenbacher sind, zeigt die Tatsache, dass sich darunter 60 Veranstaltungen für Kinder befanden, die vom Medientreff organisiert wurden. Die Zahl der eigenen Veranstaltungen für Erwachsene belief sich auf 29. Außerdem gab es 57 Veranstaltungen von externen Anbietern, was wiederum zeigt, wie wichtig die Räumlichkeiten auch für andere Rodenbacher Organisationen sind.

Dennoch spielt die Ausleihe auch weiterhin eine nicht zu unterschätzende Rolle im Medientreff. Insgesamt wurden 2019 nämlich 105 294 Bücher, DVDs, CDs, Konsolenspiele und anderes ausgeliehen. Das stellte eine Steigerung gegenüber 2018 um immerhin 4,5 Prozent dar. Dass Ulrike Schilling auch über die Grenzen Rodenbachs hinausgeblickt hat, wird an einem hessenweit bisher einzigartigen Projekt deutlich, das sie noch im vergangenen Jahr realisieren konnte: den gemeinsamen Bibliotheksausweis mit Hanau und Bruchköbel.

Neues Projekt für 2020: „Ich bin eine Leseratte 2020“

Im Sinne von Ulrike Schilling ist zweifellos auch das neueste Projekt, an dem sich der Medientreff beteiligt. Dieses richtet sich an Kinder, die die Klassen drei bis sechs besuchen, trägt den Namen „Ich bin eine Leseratte 2020“ und soll zum entspannten Lesen in der Freizeit animieren. Dabei stehen sechs Titel zur Auswahl, von denen der Medientreff jeweils zehn Exemplare zum Ausleihen bereit hält. Die Kinder, die an dem Projekt teilnehmen, erhalten ein Leseheft, in dem sie dann Fragen zu den Geschichten beantworten können. Dabei kann man sich auch auf nur ein Buch konzentrieren, um an der anschließenden Verlosung teilzunehmen.

Auch wenn die Gemeindebücherei jetzt bis zum 1. August Sommerpause hat, ist anschließend noch genügend Zeit, um sich zu beteiligen, denn die Lesehefte müssen bis 30. September abgegeben werden.

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