Bürgermeisterwahl Rodenbach

Verschiebung der Wahl in Rodenbach trifft auf Verständnis bei den Kandidaten

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Zeigte sich von der Wahlverschiebung wenig überrascht: Rodenbachs Bürgermeister Klaus Schejna (links) tritt bei der Wahl bekanntlich wieder an.

In normalen Zeiten würde der Bürgermeisterwahlkampf in Rodenbach langsam in seine heiße Phase gehen. Denn die Wahl war eigentlich auf Sonntag, 10. Mai, terminiert. Doch die Corona-Pandemie hat nun einen herben Strich durch diese Rechnung gemacht.

Am Dienstag beschloss der Landtag in Wiesbaden, aufgrund der aktuellen Lage alle geplanten Bürgermeisterwahlen in Hessen auf die Zeit ab dem 1. November zu verschieben. SPD-Kandidat und Amtsinhaber Klaus Schejna war über diese Entscheidung „keineswegs überrascht“, wie er im HA-Gespräch erklärt. „Vielmehr halte ich dies in Anbetracht der gegenwärtigen Situation für völlig angemessen. Es ist zurzeit nicht vorstellbar – für keinen der Bewerber und Bewerberinnen – einen Wahlkampf zu führen. Der Fokus – auch mein Fokus als Bürgermeister – muss auf der Bewältigung der in Zusammenhang mit der Corona-Krise entstehenden Aufgaben liegen. Insofern ist der Wahltermin am 10. Mai inzwischen obsolet“, so die klare Position des Rathauschefs. 

Absoluter Ausnahmezustand wegen Coronavirus

Nicht anders sieht es die Grünen-Kandidatin Marina Lehmann. „Auch ich habe mir zusammen mit meinem Wahlkampfteam Gedanken darüber gemacht und über eine mögliche Verschiebung der Wahl spekuliert. Das Coronavirus versetzt uns alle in einen absoluten Ausnahmezustand. Die Verschiebung der Direktwahlen ist hierbei die einzige Maßnahme, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Die Wählerinnen und Wähler während der Pandemie zur Wahl zu bitten, wäre grob fahrlässig, nicht zumutbar und falsch“, so Lehmanns Standpunkt. 

Für Klaus Schejna bedeutet die Verschiebung, dass er das Amt des Bürgermeisters ab dem 9. September zunächst kommissarisch weiter ausüben werde. Das war vor sechs Jahren der Termin seiner letzten Ernennung gewesen. Er befürworte persönlich eine Neuterminierung der Wahl im November. Den betroffenen Städten und Gemeinden ist es freigestellt, die Wahl mit der hessischen Kommunalwahl im März 2021 zusammenzulegen. 

Präferenz für Wahl im November

„Um die laufenden und auch die anstehenden Aufgaben der Gemeinde mit ganzer Kraft steuern zu können, ist die demokratische Legitimation des Bürgermeisters vorteilhaft. Einen Zeitraum von einem halben Jahr ohne diese Bestätigung sehe ich eher kritisch“, so Klaus Schejnas Begründung seiner Präferenz für eine Wahl im November dieses Jahres. Die Verschiebung stellt für Lehmann die „Wahlkampfplanung jetzt natürlich komplett auf den Kopf“.

Und dies bereits in kürzester Zeit zum zweiten Mal. „Wir hatten vor Corona viele tolle Wahlkampfaktionen geplant, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte. Vor zwei Wochen haben wir dann sämtliche (Besuchs-)termine absagen müssen und ein neues Online-Wahlkampf-Konzept erarbeitet. Dieses werden wir vorerst weiter ausführen und dann, sobald die Corona-Krise überstanden ist, den klassischen Wahlkampf samt Verteil-Aktionen, Haustürwahlkampf, Wahlkampfständen und vielem mehr, fortführen“, erläutert die Grünen-Bewerberin ihre neue Planung. Schejna hatte für seinen Wahlkampf bereits Visitenkarten mit dem Spielplan der Fußball-EM drucken lassen, die nun aufgrund der Verschiebung beider Ereignisse nicht mehr zu gebrauchen sind. 

Planung für den Wahlkampf

„Außerdem hatte ich rund 400 rote Eier geordert und auch geliefert bekommen. Damit habe ich jetzt einfach mein Team im Rathaus und im Bauhof als Dankeschön für die harte Arbeit im Zuge der Krisenbewältigung zum Frühstück eingeladen“, so der Sozialdemokrat weiter. Planungen für einen Wahlkampf im Hinblick auf eine Wahl im November stelle er derzeit überhaupt nicht an. „Zunächst müssen wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, unseren Alltag aufrechtzuerhalten und die Krise zu überwinden“, so sein Credo. 

Lehmann denkt derweil nicht, dass „in der Bewältigung der Corona-Krise bei uns vor Ort ein Vorteil für die Bürgermeisterwahl gesehen werden sollte. Vielmehr sehe ich hier die Verwaltung sowie auch Herrn Schejna in der Verantwortung, zu helfen und die richtigen Maßnahmen vor Ort zu treffen. 

Auch ich fühle mich als junger gesunder Mensch – unabhängig von meiner Kandidatur – in dieser Verantwortung. So biete ich zum Beispiel gemeinsam mit meinen Parteifreunden bereits seit Anfang März ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe jeglicher Art an“, informiert sie über ihr Engagement in der Corona-Krise. Schejna will die Bewältigung der gegenwärtigen Situation nicht in Verbindung mit einem Vorteil für sich bei der Bürgermeisterwahl sehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wähler das nur aus einem Blickwinkel sehen. Ich bin seit 18 Jahren Bürgermeister in Rodenbach und übe mein Amt stets mit voller Kraft aus. Im speziellen Fall Corona geht es jetzt aber wirklich um alles und ein Kalkül, wie mein Handeln möglicherweise auf die Wählerinnen und Wähler wirken könnte, ist da sicher das letzte, was mir in den Sinn kommt“, stellt Schejna klar. 

Zunächst keine zusätzlichen Kosten

Durch die Verschiebung der Wahl entstünden der Gemeinden übrigens derzeit erst einmal keine zusätzlichen Kosten. Diese entstehen durch den neuen Termin jedoch für Marina Lehmanns Wahlkampf, wie sie erklärt: „So sind zum Beispiel die Flyer und die Plakate letzte Woche geliefert worden. Diese sind alle mit dem Datum 10. Mai 2020 versehen und somit unbrauchbar. Auch werden wir neue und mehr Aktionen für den Sommer und Herbst planen, die wiederum mit Kosten verbunden sind.“ 

Seit dem 13. März, als die Kandidatenliste vom Gemeindewahlausschuss bekannt gegeben wurde, ist auch klar, dass es mit dem unabhängigen Bewerber Thorsten Zillinger einen dritten Kandidaten gibt. Der 28-Jährige ist als Architekt tätig, war SPD-Mitglied und als Beisitzer auch im Vorstand der Rodenbacher Sozialdemokraten aktiv. Er ist jedoch, wie Klaus Schejna bestätigte, vor einiger Zeit aus der Partei ausgetreten. Leider war Zillinger für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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