Etwas anders als normal

Blutspendetermin in Ronneburg auch zu Coronazeiten gut besucht

Bald bekommt er eine Urkunde: Michael Breuer wird nach der 21. Spende von Melanie Preuß fachmännisch versorgt.
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Bald bekommt er eine Urkunde: Michael Breuer wird nach der 21. Spende von Melanie Preuß fachmännisch versorgt.

Drei junge Damen, gerade einmal volljährig geworden, fahren am vergangenen Montagabend von Gelnhausen nach Ronneburg, um Blut zu spenden. Das DRK Ronneburg hatte den weltweiten „Tag der Blutspende“ zum Anlass genommen, alle Spendenwillige zu einem überwachten Aderlass einzuladen.

Ronneburg – Dass ein solcher Event in Zeiten von Corona natürlich etwas anders abläuft als zu normalen Zeiten, war den jungen Frauen gar nicht bewusst, als sie sich als Erstspenderinnen online zu einem genauen Entnahmetermin anmeldeten.

Zum ersten Mal dabei: Franca Leutnant, Antonia Schwandt und Lilli Frischmuth (v.l.n.r.) sind extra aus Gelnhausen zur Blutspende gekommen.

Zur festgelegten Uhrzeit erhalten Franca Leutnant, Antonia Schwandt und Lilli Frischmuth am Eingang der Mehrzweckhalle in Hüttengesäß von Roland Reidel zunächst eine frische FFP2-Maske, bevor der Vorsitzende des Ronneburger DRK-Ortsvereins kurz die Körpertemperatur an jeder Stirn überprüft. Da das Thermometer Grün anzeigt, geht es zunächst weiter zur Anmeldung; der dort erhaltene Fragebogen kann in einem geschützten Bereich der großen Halle ausgefüllt und dann beim Durchgangspunkt „Labor“ abgegeben werden, wo es für einen ersten Hämoglobin-Test einen kleinen Pieks in den Finger gibt. Nachdem nun die erste Hälfte der Prozedur geschafft ist, steht ein kurzes Info-Gespräch mit einer Ärztin an. „Gerade bei Erstspendern ist es eine wichtige Aufgabe für mich, den ganzen medizinischen Ablauf zu erklären und dabei auch mögliche Risiken für die Spender zu erfragen“, sagt Cornelia Freund. Sie weist besonders darauf hin, dass man vor der Blutspende möglichst etwas essen und trinken, also nicht nüchtern zum Termin kommen sollte. „Der Körper reagiert bei leerem Magen gelegentlich etwas eigen“, erklärt die Medizinerin; in Bezug auf Alkohol wäre der Begriff „nüchtern“ jedoch eine ganz klare, ausnahmslose Ansage.

Nachdem die drei jungen Damen das Okay der Ärztin erhalten haben, geht es zum eigentlichen Ort des Geschehens: Im hinteren Teil der großen Halle stehen insgesamt acht Liegen, auf denen die Spender Platz nehmen können und von den Angehörigen des Blutspende-Dienstes Baden Württemberg-Hessen umsorgt werden. „Welcher Arm soll es denn sein“, fragt Melanie Preuß und legt dann mit ausgewiesener Routine den für die Spende erforderlichen Zugang; anschließend kann der halbe Liter des lebensrettenden Blutes seinen Weg in den Aufnahmebehälter finden.

Bevor es zur Blutspende geht: Jeder, der mitmacht, bekommt von Roland Reidel eine frische FFP2-Maske.

Blutspende bis zu sechs Mal im Jahr möglich

An einer anderen Liege ist ein Signalton zu hören: Michael Breuer aus Hüttengesäß hat es wieder einmal geschafft; es war seine bislang 21. Blutspende. Nach seiner Motivation gefragt, sagt der Ronneburger, mit einer Blutspende könne man anderen Menschen direkt helfen. Das sei ja auch der Grundgedanke des Ganzen. Auf die Idee dazu habe ihn seine Frau gebracht, die schon zuvor an solchen Terminen teilgenommen hätte. „Zur 25. Spende gibt es eine Urkunde vom DRK“, sagt Reidel und erklärt, dass zwischen den einzelnen Spende-Terminen mindestens 56 Tage liegen sollten; Frauen könnten vier und Männer sechs Termine im Jahr wahrnehmen. Und das sollten sie auch, meint der Ronneburger DRK-Chef. Es werde immer frisches Blut gebraucht, nicht nur für mögliche Unfallopfer, sondern auch vornehmlich für schwer oder chronisch kranke Personen wie etwa Krebspatienten. Was viele nicht wissen: Mit einer Blutspende kann drei anderen Personen geholfen werden, denn das gewonnene Blut wird später in seine Bestandteile aufgetrennt. Die dabei gewonnenen roten Blutkörperchen sind für eine Nutzung immerhin 42 Tage haltbar; bei den Blutplättchen kommt man dagegen gerade einmal auf fünf Tage. Das Plasma als dritter Bestandteil des Blutes kann dagegen sogar eingefroren werden und ist somit über längere Zeit halt- und brauchbar.

In der Zwischenzeit haben auch Franca, Antonia und Lilli ihre erste Blutspende hinter sich gebracht und schauen recht entspannt aus. Natürlich sind jetzt erst einmal ein paar Minuten Ruhe angesagt, bevor die drei jungen Damen aus den Händen von Anneliese Kleinert ein kleines Dankeschön erhalten – diesmal ergänzt mit einer süßen Zusatzaufmerksamkeit zum „Internationalen Tag der Blutspende“.

„Wir haben Anfang der 1970er-Jahre mit den Blutspende-Aktionen angefangen und bis heute etwa 10 000 Spender begrüßen können“, sagt ihr Mann Manfred, der die Termine in Ronneburg organisiert. Auch in Corona-Zeiten gäbe es immer viele Freiwillige aus der Gemeinde und dem Ronneburger Hügelland, die, trotz aller Widrigkeiten, regelmäßig mit einem halben Liter des „besonderen Saftes“ anderen Menschen in bedrohlichen Situationen helfen würden.

Vorherige Terminvergabe für Spender zum Vorteil

Am Montagabend fanden insgesamt 83 Personen den Weg in die Mehrzweckhalle. Laut Reidel verzeichnete der Ortsverein zur Coronazeit sogar mehr Spender als im Vergleich zu den letzten Jahren, in denen meist um die 70 Leute pro Blutspendetermin da gewesen seien. Nach Meinung des Vorsitzenden liegt das an der vorherigen Terminvergabe über das Internet. „Es gibt keine Wartezeit mehr, jeder kommt zu seiner vorher festgelegten Uhrzeit dran. Das ist für die Spender sehr zum Vorteil.“

DRK verzeichnet Spendenbereitschaft auf normalen Niveau

Andrea Pauly, Pressesprecherin des DRK-Kreisverbandes Hanau, bestätigt auf Nachfrage des HA eine Spendenbereitschaft auf normalem Niveau. „Nach einer anfänglichen Skepsis zu Beginn der Pandemie hat sich die Anzahl der Blutspenden in den letzten Monaten wieder eingependelt“, gibt sie Auskunft.

Für Franca, Antonia und Lilli ist es die erste und sicherlich nicht letzte Blutspende gewesen. (Von Ingbert Zacharias)

Weitere Informationen:

Die nächste Blutspende in Ronneburg findet am 1. November statt. Aufgrund des guten Zuspruchs wird die Aktion um eine Stunde ausgeweitet und beginnt bereits um 16 Uhr. So können insgesamt 24 weitere Personen ihr Blut spenden.

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