Ronneburg hält gespenstischen Winterschlaf

Förderverein nutzt Lockdown und plant einen Escape-Room

Einziger Gast: Pfauendame Josefine besucht Burgwart Marcus Hofer ab und an, um sich ein paar leckere Futterkörner abzuholen.
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Einziger Gast: Pfauendame Josefine besucht Burgwart Marcus Hofer ab und an, um sich ein paar leckere Futterkörner abzuholen.

Hoch über der Gemeinde thront die altehrwürdige Ronneburg. Doch sie scheint in einen Winterschlaf gefallen zu sein. Der Parkplatz ist nur mit wenigen Autos gefüllt. Spaziergänger, die mit ihren Hunden frische Luft schnappen und ein paar Familien sind in der Ferne zu erkennen. Es ist still dort oben. So still, dass es für jemanden, der zuletzt vor der Pandemie die Burg besuchte, gar befremdlich wirkt.

Ronneburg – Nach einem lauten Pochen gegen das geschlossene Burgtor werden die alten Scharniere und Riegel bewegt. Marcus Hofer, Hausmeister der Burg, öffnet das alte Tor, das schon viele schwere Zeiten hinter sich hat. Doch wie sehr hat der zweite Lockdown die Burg und ihren Förderverein „Freunde der Ronneburg“ getroffen? Darüber gibt Hofer Auskunft. Er hält auf der Burg die Stellung. Seit fast einem Jahr. Allein. Lediglich ein Raumpfleger sorgt ab und an dafür, dass die Räume nicht unter einer Staubschicht begraben werden.

Gleich beantwortet er auch die brennende Frage, ob der Förderverein noch genug Geld hat, um die Burg zu halten: „Es ist ein großer Vorteil, dass wir in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben und auf ein paar Rücklagen zurückgreifen können.“ Dann wird er konkreter: „Wir haben den Stecker für alle größeren Ausgaben gezogen.“ Eigentlich hätte das Brunnenhaus saniert werden sollen. Die Planungen und die Organisation der Sanierung seien immens gewesen. Allein das Gerüst aufzustellen, das mit verschiedenen Höhen angebracht und für das die Voliere der Falknerei hätte abgebaut werden müssen, sei mit enorm viel Planung verbunden gewesen. Viele Firmen seien involviert gewesen. Ein planerischer Super-GAU, wie Hofer den Aufwand bezeichnet.

Baustopp kam nach Entkernung des Brunnenhauses

Entkernt wurde das Brunnenhaus noch, doch dann kam der Baustopp. „Von innen sieht es schlimmer aus als von außen. Doch wir haben das Ganze gerade rechtzeitig abgebrochen.“ Wäre es noch dazu gekommen, dass das Gerüst aufgestellt worden wäre, dann hätte der Baustopp den Förderverein noch härter getroffen, so der Hausmeister.

Die Mittel, die für das Brunnenhaus veranschlagt worden sind, werden nun in den Erhalt der Infrastruktur gesteckt. Zum Beispiel in die Gehälter und in die Grundsteuer. Auch habe der Förderverein etwas von den staatlichen Coronahilfen erhalten. „Es war kein großer Betrag, aber er war ausreichend, um uns gerade so finanziell über Wasser zu halten“, fasst Hofer zusammen.

Doch als er auf die Händler zu sprechen kommt, die sonst immer ihre Stände auf den Märkten der Burg hatten, trübt sich sein Blick noch mehr. „Es ist schrecklich, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Händler und Veranstalter hat. Ich hatte einen Händler am Telefon, der mich angefleht hat, ob er irgendwas auf der Ronneburg machen könnte.“

Pandemie forder viele Einzelschicksale

Es seien die vielen Einzelschicksale, die ihn sehr bewegen, gibt Hofer zu. „Regelmäßig erhalte ich Anrufe, wann es denn endlich wieder losgeht. Es sind schwierige Zeiten momentan. Und für die Händler, die ihre Schnitzereien angeboten haben oder ihren Schmuck, ist es existenzvernichtend.“

Doch was den Burgwart neben dem knappen Wirtschaften mehr zu schaffen macht, sind die psychologischen Auswirkungen, wie er sagt. „Das Ausbleiben der Schulklassen ist ein riesen Problem.“ Pro Tag begrüßte die Ronneburg zehn bis 15 Klassen aus ganz Hessen und darüber hinaus. „Mir fehlt das Lachen der Kinder“, gesteht Hofer. „Es ist schon heftig hier oben. Der Trubel fehlt. Die Menschen fehlen. Seit einem Jahr ist alles leer, es ist ruhig, fast schon gespenstisch.“

Sanierung abgebrochen: Die Räumlichkeiten des Brunnenhauses sind kaum betretbar. Nach der Entkernung wurde ein Baustopp verhängt, um Kosten zu sparen.

Und dann ist er ganz und gar in seinem Element: „Die Ronneburg hat eine faszinierende und bewegende Geschichte. Das Ziel ist es, sie für die Nachwelt zu erhalten. Sie ist zum Glück keine abgeschlossene Immobilie, sondern für alle zugänglich.“ Vor allem die Kinder würden bei ihren Rundgängen etwas mitnehmen, sich direkt mit Geschichte befassen.

„Die Ronneburg war eine Freistätte des Glaubens und ist ein Ort, wo vor allem in der heutigen Zeit viel über Humanismus nachgedacht werden kann.“ Dem Burgwart fehlen die Gespräche mit den Menschen, wie er zugibt. Die Rückmeldungen, Ideen, Vorschläge. „Der Verein lebt von dem Input von außen, von den Leuten.“ So gab es Vorschläge, Lesungen oder kleine Kammerkonzerte in der Burg abzuhalten. Oder eine Tierfotografin hatte nach einer Kooperation gefragt. „Das alles fehlt total. Jetzt besteht die Kommunikation nur noch aus Telefonaten und E-Mails.“

Viele neue Ideen trotz des Lockdowns

Die Lockdown-Zeit hat den Verein jedoch nicht in eine Starre versetzt. Viele neue Ideen nahmen Gestalt an und es wurde überlegt, was verbessert werden könnte. Eine der ersten Verbesserungen war die Sanierung des Kassenhäuschens. Mit einem neuen Anstrich, neuer beziehungsweise renovierter Ausstattung und einem neuen Fußboden erstrahlt es in neuem Glanz. Auch der Rundgang, der aufgrund der Corona-Hygienevorschriften installiert wurde, wird beibehalten. Hier wird es eine neue Beschilderung geben in einem einheitlichen Design. Auch Informationstafeln und ein Zeitstrahl sind geplant.

Außerdem wird es in der Ronneburg bald einen Escape-Room geben, verrät Hofer. „Das Thema steht schon fest und die Rätsel sind zum Teil fertig.“ Es müssten noch Rauchmelder und dergleichen installiert werden, weil die neue Attraktion zum Teil in Räumen liege, die vorher für die Besucher nicht zugänglich waren. Auch ist eine Abenteuer-Schnitzeljagd durch die Ronneburg geplant, doch das Projekt wird sehr wahrscheinlich erst im nächsten Jahr umgesetzt. Eine virtuelle App sei ebenso auf den Weg gebracht, die für Kinder ausgelegt sei und als zusätzliches Lehrmittel bei einer Führung oder einem Besuch angewandt werden könne.

„Weihnachtsmarkt muss kommen“

„Der Weihnachtsmarkt wäre sehr wichtig für uns, der muss kommen“, sagt Hofer bestimmt. „Der Markt ist etwas Besonderes, etwas sehr Schönes und Symbolisches. Mit ihm möchten wir die Botschaft verbreiten: Wir sind da, es geht weiter. Es liegt mir sehr am Herzen, dass dieser stattfindet.“

In den letzten Monaten widmete Hofer sich vielen kleinen Projekten. Mit Erlaubnis des Fürstenhauses darf er die Burgwerkstatt nutzen. Dort repariert und erneuert er alles, was in den letzten Jahren angefallen ist und was er alleine bewerkstelligen kann. „Mit minimalem Aufwand das Beste rausholen“, kommentiert er seine Arbeit. Sobald er wieder tatkräftige Unterstützung habe und das Budget es zulasse, sei nach dem Brunnenhaus die Sanierung der Burgfenster an der Reihe.

Wenn er nicht in der Werkstatt ist oder in der Burg nach dem Rechten schaut, sitzt er vor dem Computer. Langsam füllt sich das E-Mail-Postfach wieder mit Anfragen für Hochzeiten und auch Schulklassen hätten für Ende des Jahres Führungen gebucht.

Verriegeltes Tor: Marcus Hofer fehlen die Gespräche mit den Besuchern. Er nutzt die Zeit des Lockdowns für kleine Renovierungen.

Doch wird es in diesem Jahr die mittelalterlichen Märkte wieder geben?

Das frühestmögliche Event auf der Ronneburg in diesem Jahr seien die Burgfestspiele, sagt Hofer. Doch ob die tatsächlich stattfinden, sei sehr fraglich. Allein schon aufgrund des enormen Organisationsaufwandes.

Marcus Hofer gibt sich kämpferisch

Sobald der Lockdown vorbei ist, wird der Förderverein alles, was erlaubt ist, auch umsetzen. Unter Einhaltung der Corona-Regeln, versteht sich. „Wir können uns nicht leisten, nichts zu machen.“ So sollen dann auch wieder Seminare und Führungen stattfinden. Alle Einnahmen werden wie immer direkt in die Sanierung und in den Erhalt der Burg gesteckt.

Zum Abschluss gibt Hofer sich kämpferisch: „Wir halten so lange wie es nötig ist durch und hoffen, dass das Geld nicht vorher ausgeht. Mit der Hilfe vom Staat kommen wir gestrauchelt aus der ganzen Sache raus.“

Und wie um sich selbst noch einmal zu bestätigen, fügt er hinzu: „Solange es Menschen gibt, die sich für die Burg interessieren und bereit sind, für die Burg Opfer zu bringen, wird es den Verein geben. Wir haben die richtige Einstellung. Wir werden einfach immer weiter machen!“

Von Patricia Reich

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