Der Familiengeschichte auf der Spur

Arbeitskreis Familienforschung des Geschichtsvereins Ronneburg hilft bei der Stammbaumsuche

Familienforscher: Reiner Erdt und die Amerikanerin Cathy Berggren arbeiten kontinentübergreifend zusammen und unterstützen Interessierte bei der Familienforschung.
+
Familienforscher: Reiner Erdt und die Amerikanerin Cathy Berggren arbeiten kontinentübergreifend zusammen und unterstützen Interessierte bei der Familienforschung.

Es ist mittlerweile schon einige Jahre her, da erhielt der Geschichts- und Heimatverein Ronneburg vom Bürgermeister der Gemeinde eine E-Mail zur Familienrecherche.

Ronneburg - „Das kommt bei Geschichtsvereinen vor, da helfen wir gerne“, erklärt Reiner Erdt, zweiter Vorsitzender des Vereins. „Oft suchen Familien ihre Wurzeln in der Heimatgemeinde der Großeltern und knüpfen Kontakte oder besuchen den Ort ihrer eigenen Geschichte.“

Amerikanerin sucht ihre Vorfahren

Die besagte Mail wurde in Marion in Iowa, USA, von Cathy Berggren abgesendet, die sich auf die Suche nach ihren Vorfahren begeben hatte. „So geht es meistens los“, weiß Erdt. „Sie hatte nur in Erinnerung, dass ihr Ururgroßvater zuletzt im früheren Kloster Engelthal bei Altenstadt wohnte und dann mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert war.“ Somit fand sie die Adresse von Engelthal heraus und sandte die Anfrage. In Engelthal befindet sich eine Benediktinerinnenabtei. Die Äbtissin konnte nicht weiterhelfen, da der Orden erst seit 1962 hier zu Hause ist. Somit reichte sie die E-Mail nach Herrnhaag weiter. Von der früheren Gemeinde gab es da jedenfalls eine Verbindung, das wusste sie. Auf Herrnhaag angekommen, sandte man die E-Mail nach Ronneburg weiter, denn die frühere Inspiriertengemeinde, die dort ansässig war, pflegt bis heute einen guten Austausch nach Amana in den USA.

Geschichtsverein kann helfen

Nun wurde die E-Mail vom Geschichtsverein beantwortet. Es war recht einfach, denn die Familie der Frau hatte einen bekannten Namen und war schon teilweise digital erfasst. Die Amerikanerin war sehr begeistert und wollte immer mehr erfahren. Sie spricht kein Deutsch, hat sich aber dennoch die alte Sütterlinschrift und die Begriffe, die in Kirchen- und standesamtlichen Unterlagen vorkommen, eingeprägt und gemerkt.

Mittlerweile hat sie auf eigene Faust hunderte Biografien erforscht und mit den Genealogen vom Geschichtsverein alles geprüft und abgestimmt. Das letzte große Geheimnis, das sie jetzt noch lüften muss, ist der älteste Vorfahr, ein Gottlieb Sommer, der im 18. Jahrhundert in irgendeinem Dorf in der Pfalz geboren wurde. Die Mitglieder des Vereins sind schon gespannt, wann sie fündig wird.

Familienforschung wird zum Hobby

Cathy Berggren hat mittlerweile einen sehr guten Kontakt zu anderen Genealogen in Amana und ist dort im Komitee für Familienforschung. Zu dieser Gruppe gehört auch der Hüttengesäßer Reiner Erdt. Er hilft den Amerikanern mit Quellen in alten Ronneburger Familien, ihre Stammbäume nach hinten zu erweitern. Bei manchen Stammbaumfreunden kamen mittlerweile noch einige Generationen hinzu. Sie können ihre Vorfahren oft bis in die Zeit um 1650 erforschen. Eine Familie besuchte 2019 das Ronneburger Hügelland. Nachdem alle Orte und Häuser der Ahnen besucht waren, ging die Forschung weiter und führt Familienzweige bis nach Birstein, Steinau und Brückenau. „So begeistern kann einen das Hobby Familienforschung“, sagt Erdt. „Bei den amerikanischen Freunden ist das beinahe so, sobald man in einer Linie verwandt ist, ist man Cousin, egal welchen Grades.“

Eine weitere Familie aus Kanada schrieb Erdt an. Diese war auf der Suche nach der Familie Deichert oder Deikert. Ursprung war Eckartshausen und Hüttengesäß. Der Geschichts- und Heimatverein fand schnell die Schnittstelle und konnte die Familie identifizieren. Von der Linie Deikert gibt es in Amerika unter anderem einen Bio-Milch-Bauernhof.

„Auch diese Familie freut sich nun auf einen Besuch in unserer Region“, fügt Erdt an. Mittlerweile hat der Ronneburger Geschichtsverein ein kleines Netzwerk von fachkundigen Genealogen, die sich austauschen und gegenseitige „Zufallsfunde“ in ihren Stammbäumen einsetzen.

Über 100.000 alte Bücher und Akten digitalisiert

Mit der Erlaubnis der beiden Kirchengemeinden Hüttengesäß und Neuwiedermuß sowie der Nachbargemeinden Eckartshausen, Altwiedermus, Himbach, Marienborn und Langen-Bergheim, die Kirchenbücher abzufotografieren und digital zu sichern, besteht für jeden Interessierten die Möglichkeit, die gesamten Familienzweige herauszufinden. Die ältesten Kirchenbücher gehen zurück bis ins Jahr 1672.

Durch die Digitalisierung der Kirchenbücher und zahllosen Gemeindeakten besitzt der Geschichtsverein über 100 000 Digitalisate mit biografischen Informationen über die Orte, die Demografie, ihre Entwicklung, Sozialstruktur, Berufs- und Arbeitsstruktur sowie Pfarr- und Schulstellen der Orte. In einer Datenbank pflegt der Verein ständig neue Stammbäume und Lebensläufe ein.

Ansprechpartner für Familienforschende

Wer Interesse an der eigenen Familienforschung hat, kann sich an den Geschichts- und Heimatverein Ronneburg unter 06184/3030 oder per E-Mail an chef@hessenkrone.de wenden.

Ansprechpartner für Ronneburg, Eckartshausen, Himbach ist Reiner Erdt, Reinhard Meides und Jörg Otto. Ansprechpartner für die Ortsgeschichte Eckartshausen und Himbach ist Götz Emmrich und Ansprechpartner für Gründau ist Klaus von Berg, Wilfried Günter oder Walter Uffelmann. Wer in Bruchköbel und Neuberg forschen möchte, kann sich an Georg Ruth wenden und für Rodenbach ist Reinhard Breideband der Experte. Ansprechpartner für jüdische Familien ist Klaus Altmannsperger und Reiner Erdt und für die „Inspiriertengemeinde“ ebenso Reiner Erdt und Cathy Berggren, Iowa, USA. Die Kontaktdaten können beim Geschichtsverein erfragt werden. „Die Reichweite einer Familie kann schnell viele Orte betreffen, somit sind wir gerne bereit, auf der Nachsuche zu helfen“, betont Erdt abschließend. (par)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare