„Die Grenze ist nun erreicht“

Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann drängt auf den Ausbau der L3193

Jahrzehntelanger Kampf: Seit 30 Jahren bestehen die Pläne für den Ausbau der Landesstraße, die vor Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) liegen. Auch das Fahrbahnbild auf dem Display ist einige Jahre alt. Damals verwendete er es für seine Präsentation bei der hessischen Landesregierung. Doch das Vorhaben steht still.
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Jahrzehntelanger Kampf: Seit 30 Jahren bestehen die Pläne für den Ausbau der Landesstraße, die vor Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) liegen. Auch das Fahrbahnbild auf dem Display ist einige Jahre alt. Damals verwendete er es für seine Präsentation bei der hessischen Landesregierung. Doch das Vorhaben steht still.

Die Pläne für den Ausbau der Landesstraße 3193 sind bereits über 30 Jahre alt. Bis heute hat sich allerdings nicht viel bewegt, sehr zum Leidwesen von Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) und den Verkehrsteilnehmern, die die Zufahrt von Langenselbold-West nach Ronneburg durch das Fallbachtal nutzen müssen.

Ronneburg – „Wir haben mit viel Mühe die Ortsumgehung in Hüttengesäß hinbekommen. Das war ein Quantensprung für die Gemeinde“, leitet Hofmann seinen Bericht über den regelrechten Kampf zur Erneuerung der Ronneburger Hauptzufahrt ein, die in der letzten Gemeindevertretersitzung gar als die „schlechteste Straße im Main-Kinzig-Kreis“ bezeichnet wurde.

Ausbau sollte 2019 starten

„Als die Landesregierung mit dem zuständigen Minister Al-Wazir vor der Landtagswahl 2018 ankündigte, dass ein Baubeginn für den Ausbau Mitte 2019 realistisch sei, war das – wie der HANAUER ANZEIGER damals betitelte – fast wie ein Lottogewinn“, erinnert sich Hofmann.

Vor ihm hatten sich bereits seine Vorgänger Friedhelm Kleine und Heinz Habermann für eine Sanierung eingesetzt. Doch diese Hoffnung wurde erst am 1. März 2018 erfüllt. Höchste Eisenbahn, denn bereits seit Jahren wurde der Zustand der Straße als sehr kritisch mit hohem Gefahrenpotenzial für die Verkehrsteilnehmer beschrieben. „Letztens ist erst ein Lkw in einer Kurve umgestürzt. Zum Glück ohne Beladung. Es sind furchtbare, unangenehme Kurven und auch für Radfahrer eine gefährliche Strecke“, sagt der Bürgermeister mit Nachdruck.

Im Herbst 2018 unterzeichnete Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) dann den langersehnten erforderlichen Planfeststellungsbeschluss. „Damals war ich noch guter Dinge“, sagt Hofmann, während er kopfschüttelnd und mit fassungslosem Lächeln ein Schreiben an das Land Hessen vom 9. Oktober 2018 durchliest, in dem er die nächsten Schritte des Ausbaus zusammenfasste und darüber informierte, dass eine Bürgerversammlung geplant sei, um über das Vorhaben zu informieren. „Wir waren alle völlig begeistert. Haben mit allen Beteiligten, vor allem mit den betroffenen Landwirten, alles geklärt. Sind die Pläne bis ins kleinste Detail mit ihnen durchgegangen. Wir waren sicher, dass das läuft.“

Vorhaben wegen Verfahrensproblemen gestoppt

Doch alles kam anders: Ende 2018 wurde eine Klage eingereicht. Wegen Verfahrensproblemen stand alles still – steht noch alles still. Im Quartaltakt habe Hofmann beim Land Hessen und Hessen Mobil angefragt, sich nach dem Stand der Dinge erkundigt. „Doch ich erhielt keine Information zum Klageverfahren. Hessen Mobil bat darum, dass wir nicht eingreifen. Ich konnte es nachvollziehen, habe mich daran gehalten. Aber seit Ende letzten Jahres ist eine Grenze erreicht“, setzt Hofmann einen Punkt.

Forderung nach schneller Einigung im Klageverfahren

Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) veröffentlichte er eine Pressemitteilung, in der die beiden SPD-Männer eine schnelle Einigung im Klageverfahren fordern. Der Pressemitteilung angehängt ist eine Kleine Anfrage vom April 2021 von Degen an Al-Wazir zum aktuellen Stand des Ausbaus der L3193. Erst mit dem Antwortschreiben des Ministers erfuhr das Ronneburger Gemeindeoberhaupt von den Hauptstreitpunkten in den Gerichtsverfahren: die Entwässerungsplanung und die zukünftige Erschließung landwirtschaftlicher Flächen. „Mir ist fast der Zettel aus der Hand gefallen, als ich das gelesen habe“, verbildlicht Hofmann seinen Ärger. „Das sind Punkte, die eigentlich recht schnell geklärt werden können. Ich sehe hier fast eine Verzögerungstaktik.“ Eigentlich sei bei solchen Planungen vieles von Hessen Mobil standardisiert, der Ausbau habe keine speziellen Besonderheiten. In der Pressemitteilung von Degen und Hofmann fordern beide Politiker, „dass die Landesregierung und Hessen Mobil hierfür alles Mögliche machbar machen und sich bei den strittigen Punkten kompromissbereit zeigen“. Und wenn man sich nicht einigen könne, solle ein Richter ein Urteil sprechen, ist Hofmann der Meinung. „Ich wundere mich schon sehr, dass sich so was derart in die Länge zieht.“

„Punkt der Zumutbarkeit ist überschritten“

Die Straße sei im Vergleich zu 2018 ein gewaltiges Stück schlechter geworden, bald komme ein kleines Neubaugebiet in Ronneburg hinzu, die Frequentierung steige, die Zeit für den Ausbau drängt. „Der Punkt der Zumutbarkeit ist überschritten. In der Form so torpediert zu werden, kann man kaum glauben“, fasst Hofmann zusammen.

Außerdem ärgert es ihn, dass im Sommer 2019 ein Flicken auf die Straße gezogen werden musste, da sie abgesackt war. „40 000 Euro Steuergelder mussten investiert werden, um eine Straße zu sanieren, die längst neu und fertiggestellt sein sollte.“

Als nächsten Schritt wird Hofmann mit der in der Gemeindevertretung verabschiedeten Resolution mit der Forderung an das Land Hessen und Hessen Mobil, eine Einigung zu erzielen und die Auseinandersetzung zu beenden, nach Wiesbaden gehen. „Ich habe um einen Termin direkt beim Minister gebeten. Es ist ein Punkt erreicht, an dem der Chef persönlich sagen soll, was nun passiert oder nicht passiert.“ (Von Patricia Reich)

Ausbau der L3193: Das ist geplant

Der Fahrbahnaufbau und -unterbau sowie die Trassenführung der Landesstraße 3193 entspricht nicht mehr den Anforderungen des vorhandenen Verkehrsaufkommens zwischen Ronneburg-Hüttengesäß und der Anschlussstelle Langenselbold-West. Schlaglöcher, tiefe Risse und ausgefranste Bankette zeichnen den Abschnitt. Daher soll die Straße im Rahmen der Sanierungsoffensive des Landes Hessen auf einer Länge von 2,8 Kilometern ausgebaut und durchgehend auf 6,50 Meter verbreitert werden. Kurven werden begradigt und ein parallel verlaufender Rad- und Wirtschaftsweg soll angelegt werden. Laut Hofmann ist ein kompletter Neubau der Straße erforderlich, damit sie die nächsten 40 bis 50 Jahre hält. Eine Vollsperrung der Straße ist für die Maßnahmen notwendig. Hessen Mobil hielt den Baubeginn in einer früheren Pressemitteilung ab Mitte 2018 für realistisch. Dem schloss sich auch damals die Landesregierung an. Heute sagt dazu Hofmann: „Wenn im Jahr 2022 ein Bagger rollt, wäre das für uns der Sechser im Lotto.“

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