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42 neue Kfz-Mechatroniker auf der Ronneburg freigesprochen / Rasante technische Entwicklung

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Hier ist noch am meisten zu tun: Marcel Amthor arbeitet an einem klassischen Verbrenner. Der Kfz-Mechatroniker ist sich aber sicher, dass dieser in Zukunft von anderen Antriebsalternativen abgelöst wird.
Hier ist noch am meisten zu tun: Marcel Amthor arbeitet an einem klassischen Verbrenner. Der Kfz-Mechatroniker ist sich aber sicher, dass dieser in Zukunft von anderen Antriebsalternativen abgelöst wird. © Ingbert Zacharias

„Mechatroniker“ – ein klassisches Koppelwort, bestehend aus Teilen der beiden Worte Mechaniker und Elektroniker. Mit Blick auf den Kfz-Bereich bedeutet dieses Wortgebilde die Bezeichnung für den angesehensten Ausbildungsberuf in Deutschland; allein in 2021 starteten 25 400 junge Leute ihre Karriere als Kfz-Mechatroniker.

Ronneburg – „Auch bei uns gibt es derzeit 175 Auszubildende“, bestätigt Lars Fiedler den anhaltenden Trend. Der Geschäftsführer der Kfz-Innung Hanau-Schlüchtern überreichte vor wenigen Tagen an 42 Jung-Gesellen, die ihre Ausbildung schon hinter sich haben, die begehrten Qualifikationsurkunden. Durch die Veranstaltung, an der neben Landrat Thorsten Stolz und Landtagsabgeordneter Christoph Degen (beide SPD) auch die Hanauer Stadträtin Claudia Borowski teilnahmen, führte Innungsobermeister Eberhard Von Keutz.

„Wer einen hochinteressanten und zukunftsträchtigen Beruf ergreifen möchte, ist beim Kfz-Handwerk an der richtigen Stelle“, meinte der Innungsobermeister. Das konnte Landrat Stolz, dessen Vater im Opel-Werk noch die klassische Lehre als „Schrauber“ absolviert hatte, nur bestätigen. „Den klassischen Mechaniker, wie es ihn früher einmal gab, kennen wir heute nicht mehr.“

Berufsbild hat sich völlig gewandelt

Das Berufsbild hat sich im Gegensatz zu dem, was noch vor dreißig Jahren unter dem Begriff Automechaniker geführt wurde, völlig gewandelt und nur noch in wenigen Bereichen damit zu tun. Grund dafür ist die technische Entwicklung im Fahrzeugbereich, wo die digitale Welt in galoppierender Weise Einzug gehalten und die analoge Technik in vielen Bereichen abgelöst hat. Von der Antriebstechnik über die Kommunikation und Vernetzung bis hin zur Diagnose und Instandsetzung sind die elektronischen Bauteile und Arbeitshilfen heute nicht mehr wegzudenken.

Die junge Generation der Auszubildenden, meist um die Jahrtausendwende herum geboren, hat mit dieser modernen Welt keine Berührungsängste; alle kennen von Kindesbeinen an etwa den Computer oder das Handy – ein Vorteil, den sich ältere Kollegen in diesem Berufszweig oftmals erst erarbeiten mussten. Allein der Wandel der Antriebsarten weg vom Verbrennungsmotor und hin zu den erneuerbaren Alternativen wie etwa Batteriebetrieb oder Brennstoffzelle zeigt den Weg in die Zukunft auf.

Spricht man mit den Jung-Gesellen, so war der Elektronikteil der Ausbildung im Grunde keine große Herausforderung – und doch musste der eine oder andere sein Allgemeinwissen schon ziemlich vertiefen, um das Zusammenspiel zwischen Mechanik und Elektronik fachlich auf die Reihe zu bekommen, wie es allein schon die Berufsbezeichnung Mechatroniker ohne Wenn und Aber verlangt.

Reiner Batteriebetrieb nur Übergangslösung

In der Bewertung der aktuellen oder zukünftigen Antriebsarten ist man sich unter den Nachwuchsleuten nicht einig. Tenor ist, dass der reine Batterieantrieb nur als Übergangslösung für einen gewissen Zeitraum gesehen und von anderen Antrieben, etwa der Brennstoffzelle, abgelöst wird. Er habe auch schon einmal etwas über die Verwendung eines Dauermagneten gehört, meinte Jung-Geselle Marcel Amthor; so etwas sei aber wohl noch reine Zukunftsmusik.

Einig ist man sich bei den Nachwuchsleuten, dass die Verwendung von E-Fuel-Kraftstoff, der auch für viele Bestandsmotoren genutzt werden kann, sinnvoll erscheint und mehr gefördert werden sollte.

Beruf erfordert ständige Weiterbildung

Interessant ist der Blick der jungen Leute in die vor ihnen liegende berufliche Zukunft. Alle waren sich einig, dass aufgrund der Rasanz in der technischen Weiterentwicklung auch schon zeitnah nach der Gesellenprüfung eine ständige Weiterbildung erforderlich ist, um in diesem Berufsfeld mithalten zu können. Neben der klassischen Meisterausbildung wurden etwa ein Ingenieurstudium oder andere Spezialisierungen angeführt; das Arbeitsfeld rund uns Fahrzeug bietet hierzu die vielfältigsten Möglichkeiten, wie Lars Fiedler, Geschäftsführer der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Hanau Schlüchtern, bestätigte.

Blicken in eine vielversprechende Zukunft: Die freigesprochenen Jung-Gesellen des letzten Ausbildungsjahrgangs mit den Ehrengästen.
Blicken in eine vielversprechende Zukunft: Die freigesprochenen Jung-Gesellen des letzten Ausbildungsjahrgangs mit den Ehrengästen. © Ingbert Zacharias

Auffällig war bei der Freisprechungsfeier auf der Ronneburg, dass diesmal keine weibliche Absolventin der Mechatroniker-Ausbildung unter den Nachwuchskräften vertreten war, denn auch in diesem einst typisch männlichen Beruf haben die Frauen verstärkt Fuß gefasst und stehen ihren männlichen Mitstreitern sowohl in der Ausbildung als auch später im täglichen Berufsleben um nichts nach.

Die Jahrgangsbesten

Prüfungsbester des Jahrgangs war Marco Paul Karrasch vom Autohaus Staaf in Nidderau, gefolgt von Marcel Amthor (Autohaus Steinbrecher, Erlensee) und Julian Repp (Autohaus am Hafen, Hanau); sie konnte jeweils ihren Gesellenbrief mit der Prüfungsnote „Gut“ in Empfang nehmen. (Von Ingbert Zacharias)

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