Ronneburger Parteien und die Verwaltung signalisieren ihre Unterstützung

Gewerbeverein soll wiederbelebt werden

Wenig Parkplätze in der Ortsmitte in Hüttengesäß: Der Gewerbeverein Ronneburg klagt über fehlende Parkplätze für die Kunden und Mitarbeiter der anliegenden Geschäfte. Das Problem ist der Gemeindeverwaltung bekannt und eine Lösung in Arbeit.
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Wenig Parkplätze in der Ortsmitte in Hüttengesäß: Der Gewerbeverein Ronneburg klagt über fehlende Parkplätze für die Kunden und Mitarbeiter der anliegenden Geschäfte. Das Problem ist der Gemeindeverwaltung bekannt und eine Lösung in Arbeit.

Seit mehr als acht Jahren engagiert sich Dirk Specht im Vorstand des Ronneburger Gewerbevereins (GVR). Doch der Verein befindet sich seit einiger Zeit im „Dornröschenschlaf“, wie Specht es formuliert. Das soll sich aber nun ändern.

Ronneburg – „Es sind in Ronneburg mittlerweile neue Firmen dazugekommen und wir wollen einen Neustart wagen, bei dem aber auch alle an einem Strang ziehen und sich aktiv einbringen müssen“, fasst der Inhaber eines Friseursalons zusammen.

Denn das sei in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen. Es habe viele Ideen gegeben, um das Ronneburger Gewerbe in die Öffentlichkeit zu rücken und den Bürgern vorzustellen. Doch das scheiterte daran, dass sich zu wenige aktiv in die Planungen und Umsetzungen einbringen wollten. Das frustrierte den Vorsitzenden, der daraufhin den Verein zunächst „kontrolliert schlafen legte“.

Doch mit Blick auf die Pandemie sei Gesprächsbedarf da und ein Neustart daher sinnvoll, erklärt Specht. Konkret bedeute das, dass wieder Neuaufnahmen geplant seien und dann entsprechend wieder ein Beitrag erhoben werde. Aktuell sei die Mitgliedschaft aufgrund der Inaktivität beitragsfrei.

Dirk Specht, Vorsitzender Gewerbeverein Ronneburg

Das Vorhaben teilte er den derzeit 39 Mitgliedern des Vereins mit und sammelte per Zoom-Meeting die Themen, die die Gewerbetreibenden derzeit beschäftigen. So wurde beispielsweise die prekäre Parkplatzsituation im Ortskern angesprochen, die fehlende Möglichkeit, Baugebiete für ortsansässige Firmen zu generieren und der Wunsch, die früher jährlich stattgefundene Gewerberunde mit den Parteien wieder aufleben zu lassen. Im Anschluss suchte Specht noch während des Kommunalwahlkampfes das Gespräch mit den Parteien, denen er ebenfalls sein Vorhaben und die Anliegen der Mitglieder unterbreitete.

Bürgermeister begrüßt Neustart

Bürgermeister Andreas Hofmann begrüßt den geplanten Neustart, wie er unserer Redaktion am Telefon mitteilte. „Es ist wichtig, dass sich der Gewerbeverein mehr zeigt. Viele Menschen orientieren sich bereits am Online-Handel. Um die lokalen Geschäfte zu stärken, bedarf es einer emotionalen Bindung der Kunden, damit sie nicht noch weiter ins Onlinegeschäft abwandern. Und das kann mit Aktionen unterstützt werden.“ Hier hat der Bürgermeister vor allem die 50-Jahr-Feier der Kommune im Auge, die in zwei Jahren stattfindet. Die Feier könne mit mehreren Stationen geplant werden. Zum einen das gesellige Zusammensein mit Unterstützung der Vereine, aber auch inhaltliche Präsentation, wie zum Beispiel eine Hausmesse, wie sie bereits einmal geplant war, aber am Ende nicht genug Teilnehmer hatte und abgesagt wurde.

„Es ist vonseiten der Gemeinde ein aktives Gewerbe gewünscht. Wir sind für Gespräche immer offen und bereit für eine Zusammenarbeit mit einer motivierten Gewerbetreibendenrunde“, bekräftigt Hofmann. So könne er sich auch einen Fördertopf vorstellen, mit dem bestimmte Projekte des Gewerbes unterstützt werden könnten.

Lösung für Parkplatzproblem in Aussicht

Auch sei die Gemeinde seit Beginn der Pandemie stets für ihre Gewerbetreibenden da gewesen. „Wir haben die Leute im Rahmen der Pandemie beraten, ihnen die aktuellen Förderprogramme vorgestellt, diese auf der Homepage platziert und Kontakte vermittelt, an wen die Inhaber sich wenden können“, fasst Hofmann das Bemühen der Gemeinde zusammen. Auch hätten sich teilweise Gewerbetreibende bei der Gemeinde gemeldet, denen die Fördergelder nicht zeitnah ausbezahlt wurden. Hier habe die Gemeinde bei den entsprechenden Stellen nachgehakt und sich über den Stand des Antrages erkundigt. „Wir haben alles gemacht, was wir in der Pandemie machen können“, fasst Hofmann zusammen.

Generell achte man darauf, das örtliche Gewerbe zum Beispiel bei Ausschreibungen mit einzubeziehen. Auch das Parkplatzproblem im Ortskern habe man im Blick. „Es fehlen die Flächen in Ortsnähe, um weitere Parkplätze schaffen zu können“, erklärt Hofmann. Aktuell habe die Gemeinde ein Anwesen im Auge, welches nach einem Sterbefall in den Besitz des Landes Hessen übergegangen sei. Entsprechende Anfragen lägen dem Land bereits vor, doch „es dreht sich die Mühle sehr langsam“, verbildlicht der Bürgermeister das Vorankommen. Auch bedauere er, dass die Kommune nicht immer Baugebiete für Firmen generieren könne. „In Ronneburg ist kein größeres Gewerbegebiet wie in den Nachbargemeinden möglich“, sagt Hofmann. Dies sei schlicht dem limitierten Haushaltsvolumen der Gemeinde geschuldet. Zudem befände sich viel Land in Privatbesitz und angesichts der stetig steigenden Grundstückspreise stünden diese mehrheitlich nicht zum Verkauf.

CDU für Vorschläge des GVR offen

Roland Reidel, Fraktionsvorsitzender der CDU, bekräftigt, dass die CDU sowie der Gemeindevorstand stets für Vorschläge des Gewerbevereins offen seien und diese auch diskutieren würden. Ebenso habe man das Parkplatzproblem sowie die Suche nach Bauflächen im Hinterkopf und halte für den Gewerbeverein die Augen offen. „Es ist zu begrüßen, wenn wir mit dem Gewerbeverein einen kompetenten Partner für die Ronneburger Gemeinschaft haben“, erklärt Reidel. Demnächst werde er, am besten persönlich, das direkte Gespräch mit dem GVR suchen, bestätigt er.

SPD bereit für regelmäßige Gespräche

Auch Verena Reuter, Vorsitzende der Ronneburger SPD, zeigte sich im Telefonat mit dem HA offen, den Gewerbeverein zu unterstützen. „Andere Kommunen haben einen aktiven Gewerbeverein, der vieles auf die Beine stellt. In Ronneburg würden wir einen solchen sehr begrüßen.“ Auch sei die SPD bereit, regelmäßige Gespräche mit den Gewerbeverein zu führen und ihn im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen.

FDP sieht GVR als wichtiges Sprachrohr

Gleiches gilt auch für die FDP. „Der Gewerbeverein als wichtigstes Sprachrohr der Ronneburger Unternehmen und Selbstständigen ist ein integraler und damit wichtiger Baustein unser Wirtschaftskultur in Ronneburg“, betont der FDP-Fraktionsvorsitzende Jürgen Scharfenorth. „Als ehemaliger Selbstständiger und Mitglied des ‚damaligen’ Gewerbevereins weiß ich um die Notwendigkeit, eine gemeinsame Plattform in der Gemeinde zu haben.“ Viele frühere Ideen könnten wieder aufgegriffen werden, sagt Scharfenorth weiter. Auch er sei für einen regelmäßigen Austausch mit dem Gewerbe und schlage bei Themen der lokalen Wirtschaft vor, dem Gewerbeverein ein Rederecht in den Ausschüssen einzuräumen. Einen Antrag zur Unterstützung des Gewerbes und der Vereine habe er bereits für die kommende Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag eingereicht. In einem Punkt herrscht zwischen dem Gewerbevorsitzenden Specht, den Parteienvertretern und dem Bürgermeister Konsens: Solange sich jeder aktiv einbringt und alle an einem Strang ziehen, steht einer engen Zusammenarbeit nichts im Wege.

Starke Gemeinschaft als Ziel

„Ziel ist es, wieder eine starke Gemeinschaft beziehungsweise Solidargemeinschaft zu werden, gemeinsame Ziele zu finden und in Zusammenarbeit mit der Ronneburger Politik Probleme zu lösen“, fasst Specht zusammen. „Wir haben jetzt die Chance, aufzuerstehen und etwas Positives aus der Pandemie entstehen zu lassen.“ (Von Patricia Reich)

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