„DiGuLa“ startet zu Schulbeginn

Nach Turbulenzen unterstützt der Ronneburger Sozialausschuss den neuen Betreuungs-Träger

„Die Gute Laune“ setzt in ihrem Betreuungskonzept auf einen ritualisierten Tagesablauf. Die Gemeinde bezuschusst den „Pakt für den Nachmittag“ mit 10 000 Euro jährlich. Symbolfoto: Uwe Anspach/Picture alliance/dpa
+
„Die Gute Laune“ setzt in ihrem Betreuungskonzept auf einen ritualisierten Tagesablauf. Die Gemeinde bezuschusst den „Pakt für den Nachmittag“ mit 10 000 Euro jährlich.

In der zweiten öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses der Gemeinde Ronneburg stand ein Thema im Mittelpunkt, das den Mandatsträgern unter den Nägeln brannte: Wie gestaltet sich an der Grundschule der Neuanfang „Pakt für den Nachmittag“ mit dem künftigen Anbieter „Die gute Laune“ („DiGuLa“)? Geschäftsführer und Gründer Kay Skujat war eingeladen, um sein pädagogisches Konzept und sein Leistungsangebot vorzustellen.

Ronneburg – Da der Übergang von der kommunalen „Betreuende Grundschule“ (BGS) von einigen Schwierigkeiten begleitet war (wir berichteten), galt es für Skujat, das Vertrauen der Gemeindevertreter zu gewinnen und inhaltlich zu überzeugen. Schließlich ging es für „DiGuLa“ um einen kommunalen jährlichen Zuschuss von 10 000 Euro. Dazu erläuterte Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) zu Beginn: „Die Co-Finanzierung dient vor allem der Deckelung von Elternbeiträgen. Der ‘Pakt für den Ganztag’ bietet mehr Lehrerstellen und die Möglichkeit die Stärken des kommunalen Umfelds in die Pädagogik einzubauen.“

Hofmann setzt sich seit Langem für eine qualifizierte Betreuung von 7 bis 17 Uhr ein und plädiert im Kreis dafür, eine „Fachkraft für Ganztagesbetreuung“ zu etablieren. Die zunehmende Qualifizierung der pädagogischen Kräfte kostet Geld, das Budget für Ganztagsbetreuung wird steigen.

Betreuung in den Ferien soll sichergestellt werden

Inzwischen, so Bürgermeister Hofmann, habe man sich für die Ferien über die Finanzierung der Personalkosten verständigt. Gemeinsam werde man prüfen, ob in den ersten drei und in der letzten Ferienwoche eine Betreuung für Kinder angeboten werden könnte. Die Ferienspiele in Woche vier und fünf decken dann die Lücke ab. Eine aktuelle Abfrage unter den Eltern, ob und wann eine Ferienbetreuung erforderlich sei, werde gerade erhoben.

Pünktlich zum neuen Schuljahr bietet „DiGuLa“ im „Pakt für den Ganztag“ Betreuungszeiten von 7 bis 14.30 Uhr oder bis 16.30 Uhr an. Das Konzept basiert auf einem klar strukturierten Tagesablauf. Im Angebot sind ein gemeinsames Mittagessen, Hausaufgabenzeiten und Freizeitaktivitäten enthalten. Lehrer, Sozialarbeiter und pädagogische Fachkräfte arbeiten verzahnt und eng zusammen.

Der geschäftsführende Leiter musste sich insbesondere einer heftigen Kritik von Jürgen Scharfenorth (FDP) stellen. „Sind Lehrer nicht für den pädagogischen Teil verantwortlich? Was machen sie in der Mensa?“, wollte der Gemeindevertreter gleich zu Beginn wissen. „Wie reagieren die Eltern auf solche Vorschläge?“ Er habe erfahren, dass sowohl das Mittagessen als auch die Gesamtkosten höher seien. Diesen Kritikpunkten widersprach Skujat. „80 Euro zahlen die Eltern für das Mittagessen pro Monat. Darin sind 3,47 Euro pro Mahlzeit für 22 Tage enthalten sowie Getränke und Obst.“ Die Module – es gibt insgesamt vier verschiedene – biete „DiGuLa“ preiswerter an als vorher die BGS.

Hinterfragt wurden zudem die Kosten für die AGs ab 14.30 Uhr und die Ferienangebote. „Einige AGs stehen schon“, so Skujat, „diese sollen ein „Preisschild“ erhalten und nicht ganz kostenlos sein. „Das wird sich einspielen“, ist er sicher. „Es spricht nichts gegen eine Computer-AG, in der Kinder den Umgang mit dem Computer lernen“, entgegnete Skujat auf den Vorwurf von Scharfenorth, er halte „die Digitalisierung für ein Teufelszeug“ und lasse ein wichtiges Thema außen vor. „Bis elf Jahre brauche ich kein Handy. Es ist in der Grundschule verboten und ich möchte es auch nicht in der Betreuung haben“, machte Skujat seinen Standpunkt klar.

Letztlich sah Scharfenorth das ganze Konzept sehr skeptisch: „Die festen Strukturen, das gefällt mir nicht. Es gibt keine Flexibilität, ein Oma-und-Opa-Tag entfällt.“ Hier prallen vermutlich gegensätzliche Ansichten aufeinander, wenn Skujat argumentiert, dass ein ritualisierter Tagesablauf den Kindern helfe, für sich ihren Weg zu finden. Flexibilität bedeute nicht, dass Kinder jeden Nachmittag einen anderen Termin hätten oder sich zu Hause mehr oder weniger alleine beschäftigen müssten. Skujats Haltung wurde von Helga Schmidt (CDU) unterstützt, die diese „klare Linie“ positiv beurteilte.

70 Kinder bisher angemeldet

Von 150 Kindern der Grundschule wurden bislang 70 Kinder für die Betreuung angemeldet. Gemeindevorsitzender Jürgen Waitz (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einem „nahtlosen Übergang“ und auch Roland Reidel (CDU) zeigte sich insgesamt zufrieden. Helga Schmidt gab Skujat einen Vertrauensvorschuss: „Mich haben Sie überzeugt“, sagte sie nach 90 Minuten Diskussion. „Meine Unterstützung für den Neuanfang haben Sie.“ Iris Dörr (SPD) konnte ebenfalls gute Ansätze im Konzept erkennen. „Gerne im nächsten Jahr wieder, dann können wir uns die gelebte Konzeption anschauen.“

Einstimmig votierte der Sozialausschuss dafür, jährlich 10 000 Euro für den „Pakt für den Nachmittag“ bereitzustellen. Die Ausschussmitglieder erwarten von Skujat einen jährlichen Bericht sowie einen Nachweis über die Verwendung der kommunalen Mittel. (Von Ulrike Pongratz)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare