Wie das JUZ die Corona-Krise bewältigt

Optimismus im Jugendzentrum Ronneburg

95 Prozent Buchungsrückgang im vergangenen Jahr: Das Jugendzentrum Ronneburg hat unter der Pandemie sehr gelitten. Jetzt hofft man auf eine baldige Belegung von bis zu 75 Prozent.
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95 Prozent Buchungsrückgang im vergangenen Jahr: Das Jugendzentrum Ronneburg hat unter der Pandemie sehr gelitten. Jetzt hofft man auf eine baldige Belegung von bis zu 75 Prozent.

Ungewöhnlich ruhig ist es auf dem Weißen Berg, Vögel zwitschern, Hasen, Füchse und Marder haben das Gelände erobert. Seit fast 20 Jahren führt Reinhold Walz das Jugendzentrum Ronneburg (JZR). Doch so gravierende Umwälzungen wie im vergangenen Jahr – verursacht durch die Pandemie – haben Walz und sein Team noch nicht erlebt. Im Gespräch blickt der Leiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Main-Kinzig-Kreises zunächst auf das Jahr 2019 zurück.

Ronneburg – Im Frühsommer 2019 wurde das neue barrierefreie Gästehaus (Haus F) feierlich eröffnet. „Barrierefreiheit war für uns schon lange ein Thema und wir konnten nun diese Lücke schließen. Das neue Gästehaus erreicht fast Hotelniveau. In der Saison 2019 konnten wir mit 31 504 Übernachtungen eine Rekordbelegung seit Bestehen des Jugendzentrums verzeichnen. Und 2020 wäre mindestens ebenso gut gelaufen“, schwärmte Reinhold Walz. Das Team war hochmotiviert – und dann kam Corona.

Innerhalb von zwei Tagen verlor das Jugendzentrum den Großteil der Buchungen. Nach dem Ende des ersten Lockdowns bis Mai 2020 hatte das Jugendzentrum weiterhin große Probleme, denn es kamen 2020 keine Schulklassen mehr – 95 Prozent Rückgang. „Wir haben die Gästehäuser auf Vordermann gebracht, allerdings war hier nicht viel zu tun, da wir dies ja bereits vor der Saison erledigt hatten“, erzählt Walz.

Mitarbeiter engagieren sich im Kreis

Die Mitarbeiter des JZR engagierten sich im Kreis deshalb dort, wo es nötig war. Sie haben beispielsweise für die AQA die ersten Masken genäht, haben Außenanlagen der kreiseigenen Alten- und Pflegezentren in Ronneburg, Limeshain, Hammersbach, Neuberg und Biebergemünd gepflegt oder in Gelnhausen im Main-Kinzig-Forum und dem KCA die Kontaktflächen desinfiziert. „Wir verstehen uns im Kreis als ein Team. Ich bin sehr stolz auf unsere Leistung und meine Kolleginnen und Kollegen“, sagte Walz. Im Jugendzentrum selbst war die Verwaltung gefordert wie nie zuvor. Die Kommunikation mit den Gästen war sehr intensiv. Es gab sehr viele Fragen zu klären: Kann man eine Reise verschieben, mit einer kleineren Gruppe anreisen und vieles mehr.

Leerstand also im Mai und Juni, in Monaten mit der üblicherweise höchsten Belegung. Im Sommer 2020 arbeitete sich Reinhold Walz durch immer neue Verordnungen. Mit seinem Team setzte er ein tragfähiges Hygiene- und Schutzkonzept für Gäste und Mitarbeiter um. Viele Abläufe wurden verändert, die Belegung reduziert. In Vierbett-Zimmern übernachteten maximal zwei Haushalte, also meist nur zwei Personen. In der Cafeteria wurden Wege und Abstandsflächen markiert. Statt Büfett mit Selbstbedienung gab es Tellerservice. Die Essenzeiten wurden verlängert, die Anzahl der Sitzmöglichkeiten verringert, damit auch an den Tischen ein großer Abstand eingehalten werden kann.

Reinhold Walz, Leiter des Jugendzentrums Ronneburg

Mit dem „Lockdown light“, der seit Anfang November besteht, sind weiterhin nur notwendige Übernachtungen erlaubt. Zurzeit sind Soldaten der Bundeswehr auf dem Weißen Berg einquartiert.

„Neu entdeckt“ wurde das Haus in der Pandemie von der Gemeinde Ronneburg, Verbänden und Vereinen, die im großen Saal und Tagungsräumen ihre Sitzungen abhalten konnten.

Investitionen wurden vorgezogen

Nicht zuletzt wurde der Lockdown im JZR dazu genutzt, Investitionen vorzuziehen. Mit einem Aufzug im Treppenhaus ist nun auch das Haupthaus barrierefrei. Im Foyer findet die energetische Sanierung gerade ihren Abschluss – das runderneuerte Jugendzentrum ist auf Gäste vorbereitet.

„Wir leben von Stammgästen und von Empfehlungen“, sagte Walz und verweist auf die Auswertung der Gästebefragung. Grundschulen, Kitas, sport- und kulturtreibende Vereine, Ausbildungsbetriebe, Fußballschulen und Bildungsträger nutzen die vielfältigen Raumangebote des Jugendzentrums wie die Sportanlage, das Schwimmbad oder die Tagungsräume.

Zuversichtlicher Blick in die Zukunft

Noch halten sich die Schulen mit Buchungen zurück, trotzdem blickt Reinhold Walz zuversichtlich in die Zukunft. „Mit der aktuellen Verordnung haben wir eine Perspektive, mit der wir in Abhängigkeit zum Infektionsgeschehen aber zumindest 60 bis 75 Prozent unserer Kapazitäten auslasten können.“ Zumal sich Leiter Walz der Unterstützung des Kreises über alle Fraktionen hinweg sicher sein kann. „Es gibt ein großes Bewusstsein für die sozialpolitische Bedeutung des Hauses für den Main-Kinzig-Kreis und auch darüber hinaus.“ Reinhold Walz kann die Ruhe genießen, aber noch sehr viel mehr hofft er, dass bald wieder 140 Kinder durch die Gänge toben und Kinderlärm durch das geöffnete Fenster in seinem Büro zu hören ist. Dann wird er sich wieder dem Thema widmen, das in den Hintergrund gerückt ist: Nach der Gebäudesanierung sollen nun alle Bereiche des Jugendzentrums nachhaltiger werden. (Von Ulrike Pongratz)

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