Schlaglöcher und Risse

Frost und Hochwasser setzen den Autobahnen und Landstraßen im Main-Kinzig-Kreis zu

Hochwasser, starke Niederschläge und Minustemperaturen sind für Straßen eine verheerende Kombination: Durch das strengere WInterwetter haben in diesem Jahr auch die Straßenschäden zugenommen. Nicht nur innerorts oder auf den Landesstraßen wie beispielsweise in Bruchköbel (Foto links) wird die Fahrt holpriger.
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Hochwasser, starke Niederschläge und Minustemperaturen sind für Straßen eine verheerende Kombination: Durch das strengere Winterwetter haben in diesem Jahr auch die Straßenschäden zugenommen. Nicht nur innerorts oder auf den Landesstraßen wie beispielsweise in Bruchköbel (Foto) wird die Fahrt holpriger.

Rodeln, Schneespaziergänge und Schlittschuhfahren: Das Winterwetter hat viel Schönes – zumindest solange das Auto zu Hause stehen bleiben kann. Für Autofahrer in der Region sind zurzeit nicht nur glatte Straßen eine Herausforderung, sondern stellenweise auch Straßenschäden und Schlaglöcher. Frost- und Tauwechsel sowie der starke Regen haben dafür gesorgt, dass die beanspruchten Fahrbahndecken aufgeplatzt sind.

Region Hanau – Auf den Autobahnen und Landstraßen, aber auch in den Städten und Gemeinden rummst es teilweise gewaltig. Denn aufgrund des aktuell deutlich strengeren Winters im Vergleich zu den vergangenen Jahren sind auch deutlich mehr Fahrbahnschäden aufgetreten. Das teilte Stefan Hodes, Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes, auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Auf der A66 waren die Straßenschäden zwischen Langenselbold und Gründau-Rothenbergen in Fahrtrichtung Fulda so gravierend, dass die rechte Spur auf einer Strecke von zweienhalb Kilometern bis auf Weiteres gesperrt wurde.

Wann die Schäden ausgebessert werden können, war mit Beginn der Sperrung am Dienstag, 9. Februar, noch unklar. „Ausbesserungsarbeiten sind derzeit temperaturbedingt nicht möglich“, hieß es in einer Mitteilung der Autobahn West. Arbeiten mit Baustoffen wie Betonasphalt seien bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad nicht realisierbar. Daher wurde der Starttermin der Arbeiten auf Montag, 15. Februar, verschoben.

Auch auf der A66 besteht massiver Ausbesserungsbedarf, hier wurde vorsorglich die Rechte Spur in Fahrtrichtung Fulda zwischen Langenselbold und Gründau-Rothenbergen gesperrt.

Dauer der Arbeiten sowie der Sperrung noch unklar

Anfangen wollte die Niederlassung West laut Mitteilung nämlich erst bei Temperaturen über null Grad, hatte es sich aber am gestrigen Donnerstag scheinbar anders überlegt: Denn die Straßenmitarbeiter begannen bereits zwischen Langenselbold und Gründau-Rothenbergen bei einstelligen Minusgraden mit ersten Ausbesserungsarbeiten. Am stärksten betroffen seien laut Autobahn GmbH des Bundes neben dem genannten Streckenabschnitt der A66 in gleicher Fahrtrichtung die Fahrbahn zwischen Gelnhausen West und Bad Orb-Wächtersbach. In der entgegengesetzten Richtung zwischen Gelnhausen West und Ost sowie Langenselbold und Langenselbolder Dreieck.

Um auf die Gefahren durch Straßenschäden aufmerksam zu machen, hat die Autobahn GmbH in diesen Bereichen entsprechende Warnschilder aufgestellt, die auch auf angepasste Geschwindigkeitsbeschränkungen hinweisen. „Leider werden diese Verkehrszeichen von sehr vielen Verkehrsteilnehmern offensichtlich nicht beachtet“, so Hodes. „Die Fahrbahnschäden treten derzeit sehr zahlreich und plötzlich auf.“ Deshalb werde das Streckennetz zurzeit mehrmals täglich kontrolliert. So sollen Fahrbahnschäden frühzeitig festgestellt, abgesichert und ausgebessert werden.

Autobahn West rechnet mit weiteren Fahrbahnschäden

Die zuständige Autobahnmeisterei habe schon im Sommer/Herbst 2020 in diesen Bereichen sehr viele Stellen, von denen auszugehen war, dass diese sich zu Fahrbahnschäden entwickeln, beseitigt. „Leider sind diese Bereiche schon älter und in einem entsprechenden Zustand“, erklärt Hodes. „Aus diesem Grund und durch die aktuelle Wetterlage müssen wir auch weiterhin mit Fahrbahnschäden in diesen Bereichen rechnen.“

Ein ähnliches Bild zeichnet sich derzeit witterungsbedingt auf den Landstraßen des Kreises ab. Auch hier hätten der Wechsel zwischen Frost und Tauwetter, sowie starke Niederschläge dafür gesorgt, dass kleinste Risse im Asphalt zu Schlaglöchern und größeren Straßenschäden geführt haben. „Feuchtigkeit dringt selbst durch die kleinsten Risse und Spalten ins Innere der Fahrbahndecke, gefriert bei Frost und nimmt dabei an Volumen zu“, erklärt Hessen Mobil-Sprecherin Cornelia Höhl. „Es entstehen Frostaufbrüche.“ Dieser Effekt verstärke sich durch hohe Verkehrsbelastungen, insbesondere durch den Schwerverkehr. Für eine entsprechende Bilanz über das Ausmaß winterbedingter Schäden sei es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch zu früh. Ein endgültiges Fazit ließe sich erst im Frühling nach anhaltenden Plusgraden ziehen.

Drohen böse Überraschungen? Erst im Frühjahr wird sich laut Hessen Mobil und der Autobahn GmbH des Bundes das Ausmaß der Schäden zeigen. Diese Grafik des ACE Auto Club Europa verdeutlicht, wie Schlaglöcher entstehen.

Streckennetz wird mehrmals täglich kontrolliert

„Um Verkehrssicherheit und Mobilität zu gewährleisten, werden kontinuierlich auch während des Winters von unseren Straßenmeistereien gravierende Fahrbahnschäden beseitigt“, so Höhl. Die Meistereien setzen dabei sogenannten Kaltasphalt ein, der sich auch bei winterlichen Temperaturen einbauen lässt und Löcher provisorisch schließt. Darüberhinausgehende Instandsetzungsmöglichkeiten seien witterungsbedingt derzeit kaum möglich.

Neben dem Frost habe das Hochwasser der vergangenen Tage den Straßen zusätzlich zugesetzt: „Bei anhaltendem Hochwasser können Schäden am Straßenkörper verursacht oder verstärkt werden“, erläutert Höhl. „Insbesondere die Bankette oder die Entwässerungseinrichtungen bieten dem ansteigenden und abfließenden Hochwasser meist gute Angriffsflächen.“ Auch bereits vorhandene Fahrbahnschäden könnten durch eine solche Hochwassersituation verstärkt werden und die geschädigten Bereiche weiter ausspülen. Auch hier setzt die Straßenmeisterei wieder entsprechend den Kaltasphalt ein oder füllt die Seitenbereiche mit Bankettmaterial wieder auf.

Über ein Fünftel der hessischen Landesstraßen in desolatem Zustand

Über ein Fünftel des 7300 Kilometer langen Landesstraßennetzes befinden sich laut Hessen Mobil in einem sehr schlechten Zustand. In den vergangenen Jahren hätten sich jedoch zahlreiche Erhaltungsmaßnahmen des Landes positiv auf die Situation ausgewirkt – die erneuerten Straßen seien zunächst viele Jahre schlaglochfrei. Darüber hinaus hat das Land Hessen eine Sanierungsoffensive für die Jahre 2016 bis 2025 gestartet „Diesem Problem hat sich die Landesregierung gestellt und folgt dabei konsequent dem Grundsatz: Sanierung vor Neubau“, so Höhl.

Das Finanzvolumen der gesamten „Sanierungsoffensive 2016 bis 2025“ beläuft sich inzwischen auf ein Budget von 930 Millionen Euro und umfasst 1138 einzelne Sanierungsprojekte.

(Von Jasmin Jakob)

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