Hochwasser

Trotz Regens ist die Lage an der Nidder und in Bruchköbel im Griff

„Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft“: Thomas Walter, Gemeindebrandinspektor in Schöneck, ist mit seinen Leuten seit Montag im Einsatz.
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„Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft“: Thomas Walter, Gemeindebrandinspektor in Schöneck, ist mit seinen Leuten seit Montag im Einsatz.

Weitere bange Stunden liegen hinter den Menschen an der Nidder. Sorgenvolle Blicke gingen am Mittwoch vielerorts gen Himmel. Denn die Regenmassen, die sich bis zum Mittag über die von Hochwasser geplagten Kommunen ergossen, ließen nichts Gutes erahnen.

Region - Doch das aktuelle Lagebild, dass sich am Mittwochnachmittag auf HA-Nachfrage in den Anrainerkommunen ergab, macht Hoffnung. „Die Pegel haben abgenommen“, berichtet etwa Schönecks Gemeindebrandinspektor, der beim dritten Anruf einige Minuten Zeit für ein Gespräch findet.

Radio- und Fernsehteams haben den Ortsteil Büdesheim für ihre Berichterstattung entdeckt. Eine Anwohnerin fragt, ob sie die Einsatzkräfte noch irgendwie unterstützen kann, mit einer Kanne Kaffee oder ein paar belegten Brötchen. Ein Kamerad benötigt neue FFP2-Masken - denn auch im Einsatzfall gelten die Corona-Vorsichtsmaßnahmen.

Feuerwehr arbeitet in Schöneck im Drei-Schicht-Betrieb

„Wir arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb“, erklärt Walter. „Wir sind immer mit 25 Leuten vor Ort. Die Anwohner kümmern sich rührend um uns. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs unterstützen uns und schieben Nachtdienst. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft.“ Seit Montagnachmittag sind die Kameraden in Schöneck rund um die Uhr im Einsatz. Da kam die Welle mit voller Wucht. Am Dienstagmittag war der Pegel an der Nidderbrücke in Büdesheim auf 2,90 Meter angestiegen. Am Mittwochmittag lag er noch bei 2,78 Meter.

Aber es ist noch nicht vorbei. „Wir rechnen damit, dass der Pegel noch einmal steigen wird“, erklärt Walter. Denn durch Regenfälle und teilweise noch schmelzenden Schnee im Vogelsberg fließt trotz des für Donnerstag angekündigten Sonnenscheins immer noch einiges an Wasser nach. „Die gute Nachricht ist, dass das Rückhaltebecken in Düdelsheim nur noch knapp bis zur Hälfte gefüllt ist“, berichtet Walter von der Besprechung mit den Vertretern des Wasserverbands Nidder-Seemenbach am Mittwochvormittag. Die Anlage in dem Büdinger Stadtteil fasst immerhin rund fünf Millionen Kubikmeter Wasser – eine entscheidende Größe. Die umsichtige Regulierung im Zusammenspiel der Kommunen hat in den vergangenen Tagen einen wertvollen Puffer geschaffen.

Feuerwehren anderer Kommunen helfen aus

Ein weiterer Faktor für die erfolgreiche Bekämpfung des Hochwassers in den vergangenen Tagen war die Unterstützung durch andere Feuerwehren und Organisationen wie dem DRK, etwa zur Verpflegung der Kameraden. Wie beispielsweise Hammersbachs Gemeindebrandinspektor Jens Eyrich berichtet, seien seine Einsatzkräfte am Freitag in Langenselbold und am Montag in Schöneck zur Hilfe geeilt.

„Wir haben Sandsäcke nach Büdesheim gebracht und waren mit der Pumpe im Einsatz“, erläutert Eyrich. „Am Freitagabend waren wir noch zwischendurch mit zehn Mann in Dörnigheim und haben Sandsäcke nachgefüllt.“ In Hammersbach selbst sei die Lage ruhig. Das galt am Mittwoch auch für Nidderau und Niederdorfelden. „Die Pegel sinken auch bei uns“, berichtet Nidderaus Stadtbrandinspektor Christopher Leidner, der die Messergebnisse auch ständig nach Schöneck weitergibt, damit die Kameraden dort wissen, was sie erwartet. „Wegen des Regens müssen wir aber weiter aufpassen“, so Leidner. „Immerhin haben wir jetzt aber wieder ein wenig Puffer.“

Niederdorfelden ist gerüstet

Weiter flussabwärts in Niederdorfelden bietet der Altenburgring die größte Angriffsfläche für das Hochwasser. „Die Feuerwehr hat dort 500 Sandsäcke aufgeschichtet und hält Pumpen vor“, so Bürgermeister Klaus Büttner. „Außerdem haben wir als Gemeinde vor Jahren darauf hingewirkt, dass die Hauseigentümer Rückstauklappen einbauen, um gegen steigendes Grundwasser gerüstet zu sein. Bis jetzt haben wir hier alles im Griff.“

In Erlensee sah man gestern trotz der teils heftigen Regenfälle am Morgen und gegen Mittag ebenfalls recht entspannt auf die Lage in den Bächen und Flüssen. „Die Situation an der Kinzig entspannt sich“, sagte Bürgermeister Stefan Erb, wenngleich wegen des anhaltenden Regens eher langsam.

In Langendiebach an Fallbach und Ölbach habe es in den vergangenen Tagen überhaupt keine Probleme gegeben, bilanzierte der Verwaltungschef. Hier machten sich jetzt die Anfang der 90er Jahre umgesetzten Hochwassermaßnahmen bemerkbar. Der Bauhof sei seit vergangenem Donnerstagabend nahezu stündlich unterwegs und halte die Siebgitter in den Bachverläufen frei. Dies habe sich ebenfalls bezahlt gemacht.

Auch in Bruchköbel ist die Lage laut Feuerwehr und Stadtverwaltung weiterhin ruhig. Derzeit staue sich das Wasser am Rückhaltebecken in Niederissigheim kaum. Es kommt nur so viel hinein wie auch wieder herausfließt, berichtete der stellvertretende Bauamtsleiter Björn Schutt gestern auf Nachfrage. Jan-otto Weber und Holger Weber-Stoppacher

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