Generationswechsel bei den Grünen in Schöneck

Ganz jung im Parlament: 22-Jährige auf Anhieb Fraktionsvorsitzende

Die 22-jährige Laura Merz ist die neue Fraktionsvorsitzende der Grünen in Schöneck.
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Die 22-jährige Laura Merz ist die neue Fraktionsvorsitzende der Grünen in Schöneck.

Laura Merz gehört zu den neuen Gesichtern im Gemeindeparlament. Mit 22 Jahren ist sie die jüngste Gemeindevertreterin in Schöneck. Bei unserem Treffen am Backofenhäuschen in Oberdorfelden geht es um ihre neue Rolle bei den Grünen und ihre Hoffnungen für die beginnende Wahlperiode. Ihre sechs Kollegen von der Grünen-Fraktion trauen der jungen Frau jedenfalls eine Menge zu. Sie haben Merz zur neuen Vorsitzenden gewählt. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Schöneck - Es sind spannende Wochen für die Studentin. Nicht nur, weil kommende Woche ihr Germanistik-Studium in Mainz weitergeht – wegen der Pandemie ausschließlich online. Sondern vor allem, weil sie zusammen mit ihrem Stellvertreter Wolfgang Seifried die Sondierungsgespräche mit den anderen Parteien führt. Die Grünen hoffen auf ein neues Bündnis mit der SPD. Zwar würde eine knappe Mehrheit auch für eine Fortführung der großen Koalition reichen, doch Laura Merz sieht auch eine große Schnittmenge zwischen SPD und Grünen.

Vor allem beim Thema Klimaschutz. „Die Wähler wollen, dass sich etwas ändert, sonst hätten wir nicht so viele Stimmen bekommen“, sagt sie. Die Grünen können selbstbewusst auftreten, sie sind der große Gewinner der Kommunalwahl und künftig nach SPD (zehn Sitze) und CDU (neun Sitze) drittstärkste Kraft in der Gemeindevertretung.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind ihre Themen

„Ich konnte bereits viel lernen bei den Gesprächen. Es ist schließlich etwas anderes, mit erfahrenen Kommunalpolitikern zu verhandeln als mit Studenten“, sagt Merz. Die gebürtige Schöneckerin hat sich bereits in Mainz bei der politischen Hochschulgruppe Campus Grün engagiert. Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind ihr ein besonderes Anliegen. Aber auch Feminismus und Antirassismus beschäftigen sie. Bei den Grünen fühlt sie sich damit am besten aufgehoben.

Fünf Jahre studierte sie in Mainz Buchwissenschaft und Germanistik. Ihr Berufswunsch: Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Die Corona-Pandemie hat einen entscheidenden Einfluss auf ihren Lebensweg. Merz verkürzt ihren Auslandsaufenthalt in Kroatien. Die 22-Jährige kehrt im März 2020 bereits nach einem Semester nach Deutschland zurück und führt das Studium digital in Schöneck fort. Ihren Bachelor-Abschluss hat sie mittlerweile in der Tasche.

„Hie kann ich was bewegen“

Doch zurück im Elternhaus steckt sie nicht den Kopf in den Sand. Im Gegenteil. Merz fasst den Beschluss, sich in ihrem Heimatort poltisch zu engagieren, tritt in den Ortsverband der Grünen ein. „Hier kenne ich mich aus, hier kann ich etwas bewegen“, sagt sie. In den vergangenen Monaten verfolgte sie die Sitzungen der Gemeindevertretung von den Zuschauerplätzen aus, demnächst wird sie in der ersten Reihe stehen. „Das ist wirklich ein großer Schritt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie sei zunächst sehr glücklich darüber gewesen, überhaupt ins Parlament einziehen zu dürfen, „damit man wirklich mitreden kann“. Dass sie nun den Vorsitz der Fraktion übernehmen darf, sei für sie überraschend gekommen. Doch in der Partei gebe es großen Rückhalt. „Auch meine Familie und meine Freunde unterstützen mich“, sagt sie. Ihre Vorgängerin Dr. Barabara Neuer-Markmann will sich künftig im Gemeindevorstand einbringen.

„Sie agiert auf Augenhöhe“

Die Grünen freuen sich über den gelungenen Generationswechsel. „Laura Merz hat uns als engagierte Mitstreiterin von Anfang an überzeugt. Sie hat intensiv am Wahlprogramm mitgearbeitet und unsere Social-Media-Aktivitäten betreut. Zudem hat sie ein hervorragendes Wahlergebnis bekommen“, begründet Wolfgang Seifried die Entscheidung seiner Fraktion. Mit der Aufgabe komme sie nach seinen Erfahrungen gut zurecht. „In den Verhandlungen ist sie durchaus hartnäckig, agiert auf Augenhöhe“, betont der langjährige Gemeindevertreter. Er schätze ihren „klaren Blick von außen“. Woher kommt das Interesse an Politik? Vorbilder in der eigenen Familie gebe es dafür nicht, erklärt Laura Merz. Dort sei keiner Parteimitglied. Doch sie habe schon immer gerne diskutiert und sich bereits als Schülerin für politische Themen interessiert.

Nun kämpft sie dafür, dass künftig auch mehr grüne Politik in Schöneck umgesetzt wird. „Die Position eines Klimaschutzmanagers ist für uns zum Beispiel ein wichtiges Ziel“, sagt die Kommunalpolitikerin. Mehr Angebote für Jugendliche seien ihr ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Im Ort wird Laura Merz nun öfter auf ihr Engagement angesprochen. „Unter anderem von meiner alten Kindergärtnerin“, erzählt Merz schmunzelnd. Doch die Rückmeldungen seien durchweg positiv.

Ihre Freizeit verbringt sie gerne in der Natur mit Fahrradfahren oder Wandern. Vor Corona war das Paartanzen Standard und Latein ein Hobby, das die 22-Jährige gerne fortführen möchte, sobald es wieder geht. Doch zunächst wird Laura Merz noch viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Zum einen für den Masterstudiengang und zum anderen für die Gespräche mit den anderen Fraktionen. Denn auch diese finden wegen Corona nur digital statt. Und bis zur konstituierenden Sitzung des Gemeindeparlaments am 22. April gibt es noch viel zu besprechen. (Von Mirjam Fritzsche)

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