Schönecker Fraktionen erläutern ihre Positionen zur weiteren Entwicklung / Bürgerversammlung gefordert

Baugebiete sorgen für viel Diskussionsstoff

In diesem Dreieck könnte im Schönecker Ortsteil Oberdorfelden ein neues Baugebiet entstehen.
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In diesem Dreieck könnte im Schönecker Ortsteil Oberdorfelden ein neues Baugebiet entstehen.

Schöneck – „Wo soll Schöneck wachsen?“ Unter dieser Überschrift berichtete der HA im Juli über die Präsentation einer Studie zu drei möglichen Baugebieten in den Ortsteilen. Die Fachleute von der Bauland-Offensive Hessen gaben die Empfehlung ab, zunächst die untersuchten Flächen in Kilianstädten und Oberdorfelden zu entwickeln. Büdesheim könne man im Anschluss angehen. Seitdem wird diskutiert – bei den Bürgern und den politischen Entscheidungsträgern. Unsere Zeitung hat die sechs im Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen um eine Stellungnahme gebeten.

„Wir haben uns als SPD- Fraktion in den letzten Wochen sehr intensiv mit der Bauland-Offensive für Schöneck beschäftigt, viele Fragen gestellt, uns Informationen eingeholt, Argumente ausgetauscht und kontrovers mit dem Thema auseinandergesetzt. Die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der betroffenen Bürger aus allen drei Ortsteilen müssen berücksichtigt und respektiert werden“, sagt Fraktionschef Alwin Boekhoff.

In einer Klausurtagung hätten sich dann alle anwesenden SPD-Parlamentarier nach ausführlicher Diskussion mehrheitlich gegen eine Priorisierung des Baugebiets Kilianstädten in Verbindung mit Oberdorfelden als Erstes zu bebauen, ausgesprochen. „Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass in der Reihenfolge, erstmal in Büdesheim – im Ganzen oder auch in zwei Abschnitten – mit Oberdorfelden gebaut werden soll und wenn dann in einigen Jahren noch Bedarf sein sollte, kann das Baugebiet Kilianstädten diskutiert werden.“

Viele Argumente spielten bei der Meinungsbildung eine Rolle, wie die Infrastruktur, die Lückenbebauung in den nächsten Jahren unter anderem in der Dresdener Straße bei der Feuerwehr, Hanauer Straße, Hamburger Straße und in der Taunusstraße. Zusammengefasst werde es im Verhältnis zu der Studie Baugebiet Kilianstädten eine gleichwertige Anzahl an Wohneinheiten sein. Dieses habe man bei der Erstellung der Studie noch nicht wissen können.

Boekhoff: „Eine Lückenbebauung ist aus unserer Sicht auch ökologisch besser als ein neues Baugebiet in Kilianstädten. Hinzu kommt, dass bereits Verkehrsexperten in einem Gutachten aus dem Jahr 2010 Bedenken geäußert haben zu einem Baugebiet oberhalb der Dresdener Straße in Verbindung mit einer Anbindung an der Umgebungsstraße. Die bereits heute stark belastende Verkehrssituation, besonders in der Büdesheimer und Frankfurter Straße würde dann wohlmöglich nicht mehr durch weiteren zusätzlichen Verkehr und Durchgangsverkehr im erheblichen Umfang zu bewältigen sein.“

Die CDU erkennt ein klares Wohnraumdefizit in Schöneck und spricht sich daher für die Ausweisung neuer Baugebiete aus. Dabei sollen Angebote für junge Familien und seniorengerechte Wohnungen besonders in den Blick genommen werden. „In allen drei Ortsteilen können potenzielle Baugebiete entwickelt werden. Diese wurden erst vor wenigen Wochen der Bürgerschaft im Rahmen einer Sitzung des Bauausschusses vorgestellt“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Markus Jung. Insbesondere aus Kilianstädten und Büdesheim kämen seit diesem Zeitpunkt vermehrt Fragen und Anregungen zur Ausweisung der Baugebiete. „Um die Argumente der Bürger hinsichtlich der einzelnen Standorte einbeziehen zu können, hat sich die CDU bislang nicht abschließend auf eine Priorisierung der Baugebiete und mögliche Kriterien oder Bedingungen festgelegt. Dies soll unter Einbeziehung der Argumente aus der Bürgerschaft jedoch in den nächsten Wochen auf einer gesonderten Fraktionssitzung erfolgen“, betont Jung.

Wolfgang Seifried stellt die Position der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen vor: „Vor der Auswahl eines Baugebiets ist für uns Grüne wichtig, politische Leitplanken für eine nachhaltige Entwicklung zu setzen. Diese haben wir mit zwei umfangreichen Anträgen in die Beratung eingebracht. Denn wenn wir fruchtbares Ackerland opfern, dann nur für Häuser höchster Energieeffizienz und unter Nutzung der Sonnenenergie. Und mit einem Verkehrskonzept, das verhindert, dass sich noch mehr Autos nach Bad Vilbel oder durch angrenzende Wohngebiete quälen.“ Die Stadt Bad Vilbel und die Schönecker Anwohner hätten mit ihren Befürchtungen vollkommen recht. „Drei Bausteine sind dabei wichtig: 1. Die Niddertalbahn, vor deren Ausbau wir nur einen Teil der potenziellen Baugebiete für machbar halten, 2. Fahrradfreundliche Erschließung der Baugebiete, 3. Carsharing-Angebote. Dabei sind wir sicher, dass sich die Ziele nachhaltige Entwicklung und preiswerter Wohnraum gut ergänzen: Energieeffiziente Häuser sparen Heizkosten, Alternative Verkehrskonzepte reduzieren den Bedarf an teuren Stellplätzen“, sagt Seifried.

Auch die WAS stellt Vorbedingungen. „Es ist unserer Meinung nach nur dann möglich, neue Baugebiete – egal in welchem Ortsteil – auszuweisen, wenn die Infrastruktur passt“, sagt WAS-Fraktionschef Gernot Zehner. Die meisten neuen Einwohner würden nicht in Schöneck, sondern in Frankfurt und Umgebung arbeiten. Für das Arbeiten im Homeoffice fehle das flächendeckende schnelle Internet in Schöneck.

Und ganz wichtig für Kilianstädten sei die Regen- und Abwassersituation. Solange es da keine Sicherheit für die jetzt schon dort wohnenden und gefährdeten Bürger gebe, könne und dürfe es solche Planungen dort nicht geben. Was Büdesheim betrifft: Hier soll das nachweislich beste Ackerland bebaut werden? Was werden wir in Schöneck mit diesen neuen Baugebieten erreichen? Die Verkehrssituation wird nicht ausreichen. Die Grundschule wird zu klein. Es gibt keine weiterführende Schule, der Schülertransport zu den weiterführenden Schulen ist nicht voraussehbar. Kinderbetreuungsplätze müssen geschaffen, das Personal dafür von der Gemeinde bezahlt werden“, gibt Zehner zu bedenken.

Seine Fraktion fragt sich, ob es nicht viel sinnvoller sei, wenn man in den geplanten Baugebieten in Kilianstädten oder Büdesheim seitens und durch die Gemeinde kleine Parzellen erschließt und diese direkt an die Interessenten vermarktet. Wenn dann der Ausbau der Straßen, die des öffentlichen Personennahverkehrs und die Schulsituation kurzfristig absehbar sind, dann sei immer noch genügend Zeit, die Bebauung voranzutreiben.

Zehner hat noch einen anderen Vorschlag. Er möchte, dass die Ortsteile zusammenwachsen: „Zwischen Büdesheim und Kilianstädten wäre das zwischen Uferstraße und Bahn möglich.“

Aktuell komme für die WAS nur eine Bebauung in Oberdorfelden in Frage. Generell sei es unumgänglich, trotz Corona-Virus, die Bürger in Form einer Bürgerversammlung über die Bauvorhaben zu informieren. Wenn nicht anders möglich auch via Livestream. „Technisch sollte das heutzutage kein Problem mehr sein“, so Zehner.

FDP-Fraktionschefin Anke Pfeil teilt mit, dass man sich fraktionsintern über das Thema noch nicht umfassend beraten habe, dies aber bald erfolgen soll. Bei der FWG steht die entscheidende Fraktionssitzung ebenfalls noch aus, erklärt Matthias Geisler auf HA-Nachfrage. Die Stellungnahmen werden nachgereicht.

Von Mirjam Fritzsche

Alwin Boekhoff
SPD-Fraktion
Markus Jung
CDU-Fraktion

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