Mehl-Boom freut den Müller

Privatverkauf in der Büdesheimer Philippi-Mühle hat sich versechsfacht

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Auswahl gibt es noch genug: In der Büdesheimer Mühle sind verschiedene Mehltypen im Angebot.

Der Ansturm von Privatleuten auf ihr Mehl kam für Familie Philippi von der Büdesheimer Mühle völlig überraschend. „Zwischenzeitlich mussten wir den Kleinverkauf sogar einstellen“, erzählt Müllermeister Volker Philippi im Gespräch mit dem HA. Aber nicht etwa, weil ihm das Mehl ausgegangen ist.

Der kleine Betrieb, dem neben Ehefrau Christina und Sohn Patrick Philippi nur noch drei weitere Mitarbeiter angehören, kam mit dem Verpacken in kleineren Säcken nicht hinterher. Besonders nachgefragt sind die 2,5- und Fünf-Kilo-Packungen. Die Abfüllung in diesen Größen erfolgt händisch. „Eine Heidenarbeit“, sagt Volker Philippi. 

Für seine Großabnehmer hält die Mühle 25-Kilo-Gebinde bereit. 8000 Tonnen Getreide verarbeitet die Schönecker Mühle jährlich. Hauptkunden für das Mehl sind Bäckereien, Konditoreien, Pizzerien und Lebensmittelgeschäfte. Endverbraucher machen bisher nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. 

Kunden aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet kommen zur Philippi-Mühle

Eine Heidenarbeit für Volker Philippi: Die kleinen Mehlpackungen für Privatkäufer werden per Hand befüllt.

Das hat sich seit einigen Wochen geändert. „Statt 100 Kilogramm verkaufen wir jetzt 600 Kilogramm in einer Woche“, sagt der Mühlenchef. Zum Osterfest ist die Nachfrage natürlich besonders groß. Die Menschen haben in der Corona-Krise wieder mehr Zeit zum Backen. Das Telefon steht bei Philippis kaum noch still. Viele Menschen aus der Region geben ihre Bestellungen auf. Denn um dem Ansturm Herr zu werden, bittet Philippi mittlerweile um telefonische Anmeldung. 

Die Kunden kommen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet angereist. Philippi fühlt sich an Nachkriegszeiten erinnert. Allein beim kurzen Besuch des HA in der kleinen Mühle schauen mehrere Leute vorbei, um ihre Ware abzuholen. Sie alle machen große Augen, als sie die vollen Reihen erblicken. Aus den Supermärkten sind sie nur noch leer gekaufte Regale gewöhnt. 

Mühle läuft mittlerweile rund um die Uhr

„Meine Frau möchte so gerne backen, aber es ist ja kein Mehl mehr zu kriegen“, sagt ein älterer Herr und freut

Eine Schüppe voll Mehl: Aus den großen Säcken wird umgefüllt.

sich, dass er seine Liebste nun mit einer 2,5 Kilogramm-Packung erfreuen kann. Wolfgang Birgel ist an diesem Tag aus Karben angereist, um sich mit der begehrten Ware einzudecken. „Meine Frau arbeitet in Frankfurt, da ist nichts mehr zu kriegen“, erzählt er. Zudem benötigt er einen besonderen Typ Mehl, denn seit einem halben Jahr bäckt Birgel sein Sauerteigbrot selbst. Das Roggenmehl Typ 1150 kann er in Büdesheim kriegen. „Das ist toll. Bisher wusste ich gar nicht, dass man hier auch direkt kaufen kann“, so Birgel. 

Ein Ehepaar folgt mit einem Wäschekorb. 15 Kilogramm haben die beiden vorbestellt. Damit können sie einige Osterbrote backen. Statt 18 Stunden läuft die Mühle aktuell rund um die Uhr. Darüber, dass ihm das Getreide ausgehen könnte, macht sich Volker Philippi keine Sorgen. „Ich habe immer einen größeren Vorrat gelagert“, sagt er. 

Betreiber sieht in dem Hype eine Chance für seine Mühle

Von einem höheren Jahresumsatz geht der Müllermeister aktuell nicht aus. „Das Loch kommt noch. Die Bäcker verarbeiten natürlich weniger, weil die Kunden mehr zu Hause backen“, sagt er. Und auch aus der Gastronomie ist die Nachfrage gesunken. Kopfzerbrechen bereitet ihm mit Blick auf die Zukunft aber weniger die aktuelle Krise, sondern die immer strengeren Vorgaben für Landwirte beim Einsatz von Düngemitteln. „Ich befürchte, dass dauerhaft die Qualität des Getreides sinkt. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die Güte des Mehl“, sagt der Fachmann. 

Doch noch ist das nicht der Fall und Volker Philippi und seine Mitarbeiter arbeiten emsig, um die Wünsche der Privatkunden zu befriedigen. Dass die Nachfrage der Endverbraucher nun dauerhaft so hoch bleibt, davon geht der Müllermeister nicht aus. „Wenn das Mehl wieder ganz normal in den Einkaufsläden erhältlich ist, wird sicherlich die Bequemlichkeit siegen“, sagt Philippi. Trotzdem sieht er in dem aktuellen Hype auch eine Chance für seine kleine Mühle. „Vielleicht behalten die Menschen im Gedächtnis, dass es auch bei uns Mehl gibt, und kommen auch später wieder.“

Aus der Vogelperspektive: die Philippi-Mühle in Büdesheim.

Infos zum Privatverkauf Bestellungen bei der Philippi Mühle sind telefonisch unter 0 61 87/62 08 oder per E-Mail an info@philippi-muehle.de möglich. Um Voranmeldung wird geben. Abholzeiten sind Montag bis Freitag von 7 bis 16 Uhr. An den Osterfeiertagen bleibt die Mühle geschlossen. Weitere Informationen gibt es im Internet

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