Ausstellung in der Kulturscheune

Faszinierende Insekten: Marina Sinjeokov Andriewsky zeigt in Kilianstädten eine inspirierende Auswahl ihrer Werke

Marina Sinjeokov Andriewsky vor ihren Insekten-Zeichnungen aus der „Chorea Machabaerorum-Totentanz“-Serie, die als Nächstes in Homberg gezeigt werden.
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Marina Sinjeokov Andriewsky vor ihren Insekten-Zeichnungen aus der „Chorea Machabaerorum-Totentanz“-Serie, die als Nächstes in Homberg gezeigt werden.

Was haben die Taschenmonster Pokémon, spirituelle Sufi-Tänzer und japanische Kampfmönche mit Insekten gemeinsam? Viel, glaubt man den Besuchern der Ausstellung „Chorea Machabaeorum – Totentanz“ in der Kulturscheune Kilianstädten. Die unterschiedlichen Interpretationen ihrer Insekten-Zeichnungen entlocken der Künstlerin Marina Sinjeokov Andriewsky Bewunderung: „Toll, die Ausstellungsbesucher sehen alles Mögliche in den Werken. Das ist auch für mich sehr spannend.“

Schöneck – Der Vergleich einiger Insekten-Zeichnungen mit Pokémon ist nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, dass die Grundidee zu Pokémon auf dem Sammeln von Tieren wie verschiedenen Insekten oder Kaulquappen von Satoshi Tajiri in seiner Kindheit basiert. Die in seiner Jugend mit seiner Sammelleidenschaft verbundene Freude wollte der Pokémon-Erfinder mit den Fans des Taschenmonsters teilen. Andere Darstellungen lassen durchaus Parallelen zu Derwischen und Kampfmönchen zu. Das Werk „Totentanz“ umfasst 20 Bilder ohne Titel, von denen es sich bei zwei Zeichnungen um Großformate handelt.

Inspiration in Kirchen geholt

Die aus Argentinien stammende Künstlerin hat sich für ihre „Totentanz“-Zeichnungen Inspirationen in Italien und Bayern geholt. „Ich habe mir in Kirchen Totentanz-Fresken angesehen. Die Heiligen werden nach mehr oder weniger festen Regeln dargestellt, aber in der wild bewegten See oder den rauen Bergen, den Vögeln und Fischen, Drachen und Dämonen erkennt man den Maler mit seinen individuellen Erlebnissen, Fantasien und Ängsten.“ Ihre nummerierten Totentanz-Zeichnungen bilden ein flexibles Ensemble, dass sie beim Aufhängen dem jeweiligen Ausstellungsraum anpasst.

„Ich zeichne schon immer gerne Insekten. Sie faszinieren mich. Ich will ihnen mit meinen Zeichnungen einen Raum geben. Eigentlich gehört der Planet rein zahlenmäßig den Insekten, aber sie übernehmen ihn nicht.“ Sie hofft, dass es ihr mit ihren Zeichnungen gelingt, das Leute künftig gelassener auf Insekten reagieren. „Eine einzige Mücke, Spinne, Käfer oder Kakerlake kann uns schon total verrückt machen, wecken archaische Urängste in uns. Der Wechsel vom Insekt zum Wesen mit menschlichen Zügen ist mit Neugier und Schrecken verbunden. Ich verarbeite in meinen Werken Ängste und Zukunftsvisionen. Menschen können zweifeln, umdenken, neue Wege finden. Ich kann es nicht in Worte fassen, ich zeichne“, sagt die studierte Bildhauerin.

Menschen aus dem Blickwinkel anderer Lebewesen

Sie möchte den Betrachtern ihrer aktuellen Arbeiten einen Zugang zu Insekten ermöglichen, indem sie versucht, Menschen aus dem Blickwinkel anderer Lebewesen zu sehen. Und so hat sie in ihren Zeichnungen Insekten-Misch-Wesen abgebildet, die in Gestalt, Kleidung, Aussehen, Gestus und Mimik sowie ihrem Verhalten an Menschen erinnern. Die erfundenen, aber real anmutenden Wesen, bestechen durch ihre Schönheit wie auch Andersartigkeit. Vertrautes und Fremdes üben eine eigene Faszination auf den Betrachter aus. Die in Wehrheim wohnende Künstlerin arbeitet vor allem nachts, „da kann ich mich besser konzentrieren, die Stimmung ist nachts eine andere, wodurch ich meinen Flow besser erreiche und ganz in meiner Arbeit aufgehe.“ Beim Zeichnen der in der Kulturscheune ausgestellten Werke habe sie mittelalterliche Musik gehört und dazu „getanzt.“

„Meine Zeichnungen entstehen durch die Gesamtbewegung des Körpers und nicht mit der Hand.“ Meist male sie zuerst Augen und Kopf, danach den Körper und die Pose. Auffällig ist der Einsatz von Gold bei der Darstellung der Käferwesen auf der grundierten, nicht gespannten Leinwand. Die Konturen hat sie mit schwarzen Tintenstiften gemalt, Hervorhebungen mit weißen Buntstiften oder goldenen Eddings. „Ich verwende für die Flächen kein Gold, sondern Schlagmetall.“ Das verleihe Flügeln und Panzern Struktur sowie Tiefe, Lebendig- und Helligkeit. Ergänzt hatte die halbtags als Kunst- und Deutschlehrerin in der Schülerbetreuung und Kursen für Geflüchtete arbeitende Künstlerin die Ausstellung in der Reihe „Kultur in Schöneck 2021“, mit kleineren Zeichnungen in Tempera und der Installation „Ich mach´s mir schön“.

Dafür hat sie aus nach Farben arrangierten Obst- und Gemüsenetzen einen Kokon gewoben, indem ein Thonetstuhl Besuchern als Sitzgelegenheit und Rückzugsort dient. Die in Zusammenarbeit mit der Kunstwerkstatt Schöneck-Nidderau gezeigte Ausstellung mit Zeichnungen und Objekten in der Kulturscheune zog viele Besucher an, worüber sich Künstlerin Marina Sinjeokov Andriewsky freute. (Christine Fauerbach)

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