Geständnis im zweiten Anlauf

Vater missbraucht Tochter: Fast sieben Jahre Gefängnis

Landgericht Hanau
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Hinter verschlossenen Türen: Um das Opfer der schweren sexuellen Übergriffe zu schützen, hat das Landgericht in diesem Fall ohne Publikum getagt. Das Strafurteil ist jedoch öffentlich verkündet worden.

Der 52-Jährige M. wird vor dem Landgericht Hanau wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung seiner Tochter zu fast 7 Jahren Gefängnis verurteilt.

Hanau/Schöneck/Maintal - Die Verbrechen sind so erschütternd und ekelhaft, dass sie nicht öffentlich genannt werden dürfen. Deshalb hat die 5. Große Strafkammer unter dem Vorsitz von Dr. Mirko Schule bereits zum Prozessauftakt die Öffentlichkeit von der Sitzung ausgeschlossen. Beantragt hat das die Nebenklage, die das Opfer vertritt. Eine junge Frau, die ein Martyrium durchlebt hat. Daher wird das Opfer geschützt. Nur das Urteil muss öffentlich verkündet werden – so sieht es das Gesetz vor. Am Ende sind sich die Richter einig: Das Opfer ist im Alter zwischen sechs und 15 Jahren immer wieder gedemütigt und sogar verletzt worden.

Prozess vor dem Landgericht Hanau: Tochter missbraucht - Erstes Urteil vom BGH aufgehoben

Zu dieser Erkenntnis ist im Dezember 2019 bereits die 2. Strafkammer gekommen, allerdings bedurfte es damals acht Verhandlungstage. M. war zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Und das Gericht hatte für Aufsehen gesorgt, denn M., der das Gericht in der mehrwöchigen Verhandlung stets durch den Haupteingang betreten und verlassen hatte, wurde umgehend festgenommen und ins Gefängnis eingeliefert. Bis zum Schluss hatte M. die Vorwürfe bestritten, seine Tochter sogar als Lügnerin bezeichnet und von einer „Verschwörung“ gegen ihn gesprochen. So standen im ersten Verfahren Aussage gegen Aussage. Die Staatsanwaltschaft hatte zehneinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidigung auf Freispruch plädiert.

Nötig wird die erneute Untersuchung des Falls deshalb, weil der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in der Revision das Urteil aus formaljuristischen Gründen aufgehoben hat. Doch diesmal verläuft der Prozess ganz anders – und deutlich kürzer. Denn nach der Zeugenvernehmung der jungen Frau, die erneut gegen ihren Vater aussagt, wendet sich das Blatt. Unter Tränen entschuldigt sich der Angeklagte, legt nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein umfassendes Geständnis ab und räumt einen großen Teil der Taten ein. Er könne das, was er angerichtet habe, „nie wieder gutmachen“, beteuert der 52-Jährige.

Staatsanwalt legt DNA-Beweis vor

Weder die Mutter noch andere Familienangehörige haben zuvor etwas von den schwersten Übergriffen gewusst, die M. im Laufe der Jahre in seinen Wohnungen in Bischofsheim. Dörnigheim, Hochstadt sowie Kilianstädten verübt hat. Erst als sich das Mädchen ihrem Cousin offenbart, kommt der Fall ins Rollen. Neben den Aussagen vertrauen die Richter auf eindeutige DNA-Spuren, die von Staatsanwalt Dr. Oliver Piechaczek als Beweise vorgelegt werden.

Vom Vater missbraucht - Opfer will Schmerzensgeld spenden

Am Ende bleibt es dem Opfer erspart, erneut einen ganzen Verhandlungstag auf dem Zeugenstuhl zu sitzen. Diesmal ist die Vernehmung deutlich kürzer. Unterdessen hat die Frau auch ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro erhalten. Doch sie erklärt, dass sie dieses Geld nicht behalten, sondern für den Tierschutz oder einen karitativen Zweck spenden wolle. Richter Schulte stellt in seiner Urteilsbegründung die Schuld des Angeklagten fest. Doch er verweist noch auf eine andere, sehr wichtige Tatsache. M. hatte seine Tochter nicht nur als Opfer, sondern auch als Lügnerin dargestellt. So sei das Geständnis im zweiten Anlauf auch ein „klares Signal“, dass die junge Frau die Wahrheit gesagt habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Von Thorsten Becker )

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