Bericht im Ortsbeirat Kilianstädten

Hilfspolizisten müssen in Schöneck Fingerspitzengefühl beweisen

Die beiden neuen Hilfspolizisten Robert Liß (stehend) und Dominic Griffiths stellen sich dem Ortsbeirat Kilianstädten vor.
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Die beiden neuen Hilfspolizisten Robert Liß (stehend) und Dominic Griffiths stellen sich dem Ortsbeirat Kilianstädten vor.

Schöneck – Zentrales Thema bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates Kilianstädten war die Kontrolle über den ruhenden und fließenden Verkehr in Schöneck. Dazu standen die beiden neuen Hilfspolizisten Robert Liß und Dominic Griffiths Rede und Antwort.

Grundsätzlich ist für die Ordnung in der Gemeinde das Ordnungsamt zuständig. Und dessen Leiter Mathias Laufer hatte Anfang der Woche die beiden neuen Hilfspolizisten auf Einladung des Ortsbeirates Kilianstädten mit in dessen Sitzung gebracht. Zum einen sollte das Treffen dem Kennenlernen dienen, zum anderen stellte sich aber auch sehr schnell heraus, dass sowohl einige Mitglieder des Ortsbeirates als auch die anwesenden Bürger mit der Aufsicht über den ruhenden und fließenden Verkehr in der Gemeinde in der Vergangenheit nicht zufrieden waren.

Ehrung für ausgeschiedenen Ortsbeiratsmitglieder

„Hier wird geparkt und gefahren, als ob es keine Regeln gebe“, beklagten gleich mehrere Bürger. Die vorgeschriebene Geschwindigkeit werde nur noch in den seltensten Fällen eingehalten und auch die Bürgersteige nutzten immer mehr Anlieger zum Abstellen ihrer Fahrzeuge, sodass Fußgänger, zumal mit Rollatoren oder Rollstühlen, kaum noch eine Chance auf Vorbeikommen hätten. Teilweise waren die Besucher in der Sitzung so erregt, dass die beiden Hilfspolizisten kaum auf die vielen Fragen antworten konnten.

Doch zurück zum Anfang der Sitzung. Zunächst verabschiedete der Ortsvorsteher Thorsten Weitzel (CDU) die aufgrund des Kommunalwahlergebnisses ausgeschiedenen Ortsbeiratsmitglieder Marianne Karrenbrock, Karin Garvey und Hans Ramme nachträglich mit einem kleinen Geschenk. Danach aber war schon der Ordnungsamtsleiter Laufer an der Reihe, und er begann mit einem Rückblick. Lange Zeit stand der Gemeinde nur ein Hilfspolizist für die vielfältigen Aufgaben zur Verfügung, die von der Verkehrsüberwachung über Baustellenabsicherungen bis hin zur Einhaltung des Jugendschutzes und Schlichtung von Nachbarschaftsstreitigkeiten reichen. Dann versuchte man es mit einem gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk mit Maintal. Doch das klappte hinten und vorne nicht, wie Laufer einräumte.

„Man muss schlichten können“

Auch mit dem privaten Sicherheitsdienst, der anschließend die Ordnungsamtsaufgaben auf der Straße übernahm, wurde die Gemeinde nicht glücklich. Deshalb kehrte man zu den eigenen Hilfspolizisten zurück. Der 60-jährige Robert Liß ist ein Quereinsteiger, der ursprünglich im Bankfach tätig war, dann im Jahr 2020 jedoch eine Umschulung zum Ordnungspolizeibeamten absolvierte. Der 33-jährige Dominic Griffiths kennt die Aufgaben eines Hilfspolizisten schon länger. Er war zuvor in Frankfurt und Friedberg in diesem Bereich tätig.

Obwohl beide erst seit wenigen Wochen in Schöneck tätig sind, haben sie bereits eine erstaunliche Feststellung machen müssen. „Wir kommen uns immer öfter wie ein Kummerkasten vor“, berichten beide ganz ernsthaft. Nach ihrer Erkenntnis würden die Menschen offensichtlich umso streitwilliger, je weiter man von der Stadt hinaus aufs Land kommt. „Hier ist viel öfter ein sensibles Auftreten und mehr Fingerspitzengefühl erforderlich als in einer Stadt. Man muss schlichten können.“ Deshalb habe sich bereits in der kurzen Zeit gezeigt, dass nicht jedes Parkvergehen und jeder Verstoß gegen Ordnungsvorschriften, wie beispielsweise illegale Müllabladung, direkt mit einem Bußgeld geahndet werden muss. „Meistens reicht da auch schon ein Hinweis auf den jeweiligen Verstoß und die daraus möglicherweise folgenden Konsequenzen, um Einsicht bei den Leuten zu erreichen“, schildert Liß.

Immer zu zweit auf Streife

Interesse zeigten die Ortsbeiräte zu der Dienststundeneinteilung. Mit zwei Personen könne doch ein viel größerer Zeitraum abgedeckt werden. „Das ist sicherlich richtig, doch den größten Teil des Tages müssen wir zusammen auf Streife gehen, und zwar weil dann im Streitfall vor Gericht immer einer als Zeuge auftreten könnte“, klärt Griffiths auf. Im Übrigen bitten aber beide um noch etwas Geduld. „Die Leute müssen merken, dass jetzt regelmäßig kontrolliert wird, und wir müssen nach und nach die Schwerpunkte in der Gemeinde finden.“

Der anschließende Tagesordnungspunkt „Grünflächen“ wurde auf einen Zeitpunkt nach der Sommerpause vertagt, weil es noch Beratungsbedarf gebe, wie Weitzel abschließend feststellte. (Jürgen W. Niehoff)

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