Gemeinsames Projekt

Impuls aus Schöneck zu mehr Blühflächen soll Wildbienen helfen

Auf der Suche nach Nektar und Pollen: Geht es nach den Initiatoren des neuen Projekts, sollen Wildbienen wie diese öfter die Blüten des Hahnenfuß finden können.
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Auf der Suche nach Nektar und Pollen: Geht es nach den Initiatoren des neuen Projekts, sollen Wildbienen wie diese öfter die Blüten des Hahnenfuß finden können.

Sie heißen Pelzbiene, Sandbiene, Mauerbiene, Zottelbiene, Furchenbiene, oder Keulhornbiene. Ihre Vielfalt ist enorm. Im Gegensatz zur Honigbiene liefern sie keinen Honig und bilden keine Staaten, sondern leben meistens allein. Dennoch können sie bei der Bestäubungsleistung mit ihren populären Verwandten mithalten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt.

Schöneck – Im Main-Kinzig-Kreis startet jetzt ein Schutzprojekt, das in diesem Fall die heimischen Wildbienen im Blick hat. Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernentin Susanne Simmler (SPD) traf sich kürzlich mit Vertretern der Landwirtschaft sowie des Landschaftspflegeverbandes auf einer Blühfläche bei Schöneck, um den Einstieg in diese „wertvolle und spannende Maßnahme“ zu erörtern. Dabei dankte sie den Akteuren für „die schnelle und pragmatische Umsetzung einer guten Idee“.

Über die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten sind auf der Roten Liste der bedrohten Tiere aufgeführt. Die Gründe hierfür sind vielfältig, langfristige Veränderungen in der Landwirtschaft und der Verlust von Kleinstrukturen in der Landschaft sind jedoch die Hauptfaktoren.

Kilianstädter Landwirt liefert Vorschläge

Aus Sicht einer Wildbiene hat die reine Agrarlandschaft meist wenig zu bieten. Dem will Landwirt Erhard Schmidt aus Kilianstädten entgegenwirken und trat kurzerhand an das zuständige Amt für Landwirtschaft mit der Bitte heran, geeignete Schutzinstrumente zu finden. Ideen und konkrete Umsetzungsvorschläge lieferte er gleich mit.

Das Amt für Umwelt, Naturschutz und Ländlicher Raum des Kreises nahm diese Vorschläge auf und entwickelte gemeinsam mit dem Landwirt und vor allem dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig einen Projektvorschlag für das Land Hessen. Nach der Aufnahme und Genehmigung durch das Land startete der Landschaftspflegeverband im Mai das geförderte Projekt „Wildbienen Netzwerk Agrarlandschaft“. Zusammen mit Akteuren aus der Landwirtschaft und Umweltverbänden sowie Fachleuten für Wildbienen wird jetzt ein Konzept zum Schutz dieser wichtigen Insekten im Offenland erarbeitet. Das Ziel ist es, ein habitatübergreifendes Netzwerk für Wildbienen im Offenland zu schaffen und die erprobten Methoden auf weiteren Flächen umzusetzen.

Gezielte Aufwertung der Kulturlandschaft

Biologin Johanna Hepp ist die Projektleiterin des neuen Projektes, Landwirt Erhard Schmidt wird wesentlich bei der Konzeptentwicklung wie auch der Umsetzung mitwirken. Auch Matthias Wacker, stellvertretender Kreislandwirt aus Schöneck, zeigte sich offen für diese Möglichkeit zur gezielten Aufwertung der Kulturlandschaft.

Eine große Auftaktveranstaltung wird es in diesem Jahr zwar nicht geben, dennoch ließ es sich die Umweltdezernentin Simmler nicht nehmen, das Vorhaben auf einer der Versuchsflächen zu besichtigen, um den Mitwirkenden ein „gutes Gelingen“ zu wünschen.

Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landschaftspflegeverbandes und Rodenbacher Bürgermeister Klaus Schejna legte sie auch den Fokus auf die Wichtigkeit dieses Projektes für die Biodiversität.

„Die Fachwelt weiß heute, dass etwa ein Drittel der Wildbienen auf eine bestimmte Nahrungspflanze angewiesen sind, weshalb die Wahl geeigneter Schutzinstrumente sehr stark mit dem Vorkommen der jeweiligen Arten verknüpft ist“, so Simmler und Schejna.

Monitoring im Projektgebiet

Grundlage der Konzeptentwicklung ist ein Wildbienen-Monitoring im Projektgebiet, das einen Überblick über die vorkommenden Wildbienenarten liefern soll. Denn: Wildbienen sind zum Teil hoch spezialisiert was ihre Nahrungsansprüche angeht, so die Experten.

Parallel dazu werden Blühmischungen, die üblicherweise Verwendung finden, auf Wildbienentauglichkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst. Da Wildbienen in der Regel nur wenige hundert Meter zwischen Nistplatz und Nahrungsquellen zurücklegen, sind die Schaffung und der Erhalt von Nistmöglichkeiten in der Umgebung ein essenzieller Teil der Konzeptentwicklung. Zudem legen zwei Drittel der heimischen Wildbienenarten ihre Eier in Nester im Boden. Der zeitlichen und räumlichen Abfolge der Flächenbewirtschaftung kommt demnach auch eine tragende Rolle zu.

Wie die Kreisbeigeordnete Simmler betonte, seien die bunten Blühflächen ein äußerst positiver Beitrag, um das Offenland nicht nur biologisch, sondern auch optisch aufzuwerten. Und wo sich Wildbienen wohlfühlen können, wird es auch anderen Insekten und Kleintieren deutlich besser gehen, schilderte sie einen weiteren wichtigen Effekt.    (thb)

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