Schöneck

Jagdpächter André Viganó betreut Blühstreifen in Schöneck

Jagdpächter André Viganó erklärt an einer von ihm, seinem Vater Mario und Jürgen Roth angelegten Blühfläche, welche Pflanzen dort wachsen und welche Funktion der Pflanzstreifen hat. Foto: Thomas Seifert

Schöneck. Als sich André Viganó dem Blühstreifen ein wenig abseits der Hohen Straße nähert, sucht ein Hase das Weite, für den der dichte Pflanzengürtel ein famoses Versteck und ein sicherer Rückzugsort war.

Von Thomas Seifert

Der Jagdpächter war mit dem HA auf Rundfahrt, um einige der insgesamt 23 Blühstreifen in den Gemarkungen Kilianstädten und Oberdorfelden zu zeigen.

Seit seinem 16. Lebensjahr hat sich André Viganó der Jägerei verschrieben – und das nicht ohne Grund, denn sein Vater Mario ist seit Anfang der 80er-Jahre Jagdpächter für die Gemarkungen Kilianstädten und Oberdorfelden mit einer bejagbaren Fläche von rund 1000 Hektar. Der Dritte im Bunde ist Jürgen Roth, den der 30-Jährige auf der Rundfahrt zufällig trifft.

Winterharte Samenmischungen otimieren Lebensräume

Schon seit einigen Jahren haben sich die drei Männer das Ziel gesetzt, mehr für das Wild zu tun, das in der extensiv genutzten Kulturlandschaft nicht unbedingt die besten Lebensbedingungen vorfindet. Von Landwirten, der Gemeinde, den Kirchen oder von Hessen Mobil gepachtete Flächen wurden Zug um Zug zu Blühflächen umgewandelt. „Es hat etwas an Kommunikation und Gesprächen bedurft, um an die Flächen heranzukommen, allerdings sind wir fast überall auf offene Ohren gestoßen. Die Zustimmung zu dem Projekt Blühflächen war groß. Und die wichtige Kooperation mit den Landwirten ist sehr gut.“

Derzeit sind es rund 60 000 Quadratmeter, „unser Ziel ist es, bis in fünf Jahren 100 000 Quadratmeter zu Blühflächen umgewandelt zu haben und so im Verbund mit den Feldholzinseln und den Hamsteräckern von Landwirten einen für Rehe, Hasen, Fasane und Rebhühner und andere Tierarten optimierten Lebensraum zu schaffen“, erklärt André Viganó.

„Der große Unterschied zu Blühflächen, die von der Gemeinde oder engagierten Bürgern angelegt werden, ist, dass auf unseren Ackerstücken winterharte Samenmischungen ausgebracht worden sind. In Kilianstädten erledigen das Landwirt Matthias Wacker und in Oberdorfelden Stefan Gruner. Sie haben den Boden vorbereitet, von uns das Saatgut bekommen und dann die Blühstreifen eingesät“, berichtet der Jagdpächter. Ausgesät wurden „Standardmischungen A und B“ sowie „Lebensraum 1“.

Biotop und Rückzugsort für viele Tierarten

„Jetzt sieht man leider nicht mehr, welche ein Blütenvielfalt im Frühling und Frühsommer geherrscht hat. Es hat dort nur so vor Insekten gewimmelt“, blickt André Viganó zurück. Jetzt haben sich auf den Flächen fast überall die wilde Hirse und Melde breit gemacht, die während der Trockenzeit die Oberhand gewonnen haben. „Für uns sind das aber keine Unkräuter, denn sie bieten vielen Vogelarten, aber auch Fasan und Rebhuhn Nahrung und Deckung. Früher waren diese Wildkräuter hier kaum zu finden, erst während der ab Juni beginnenden Trockenperioden sind diese Pflanzen wieder aufgetaucht.“

Die vor Jahren schon angelegten Feldholzinseln – oft als Ausgleichsflächen für Projekte von Hessen Mobil oder Fraport – würden oft vergessen und nicht mehr gepflegt. Hier sprang die Jagdgenossenschaft ein und setzte die herausgewachsenen Feldholzinseln zum Großteil auf den Stock, um wieder eine dichte Strauchschicht zu erhalten, damit das Niederwild überhaupt eine Chance hat, dort Unterschlupf und Deckung zu finden. „Das funktioniert sehr gut und so finden viele Tierarten dort ein Biotop und einen Rückzugsort. Denn man darf nicht vergessen, dass die Hohe Straße in den Jahren ein Magnet für Radler und Spaziergänger geworden ist und auch die Wege von und zu dieser Attraktion stark frequentiert werden und damit ungestörter Lebensraum weggefallen ist“, betont Viganó.

In den Gemarkungen Kilianstädten und Oberdorfelden ist auch dank der Blühflächen die Biotopvernetzung schon sehr weit fortgeschritten, was man unschwer zum Beispiel von der Hohen Straße aus sehen kann. Das ist auch ein Verdienst der Jagdpächter, die im Drei-Jahres-Rhythmus die Blühflächen neu anlagen müssen und dafür pro Jahr zwischen 3000 und 4000 Euro aus eigener Tasche investieren.

Bestände haben sich gut erholt

Allein das in diesem Jahr eingesetzte Saatgut schlug mit 1100 Euro zu Buche. „Zuschüsse wie Naturschutzorganisationen bekommen wir nicht“, zeigt sich André Viganó etwas enttäuscht. Was ihn aber den Kopf schütteln lässt, ist die Tatsache, dass Fressfeinde von Fasan, Rebhuhn, Hase und anderen Bodenbrütern von der Landesregierung mit langen Schonzeiten belegt worden sind.

„Die Waschbären sind inzwischen eine Plage geworden genauso wie die Wildschweine. Waren es früher Strecken von zehn Füchsen innerhalb eines Jagdjahres, so waren es in den vergangenen Jahren im Schnitt über 60 Tiere, die wir erlegt haben. Auch der Marder macht sich über Gelege her“, stellt der Jagdpächter fest. Unverständlich sei auch, dass invasive Arten wie der Marderhund nicht konsequent bejagt werden können.

Was André Viganó dann wieder optimistischer in die Zukunft blicken lässt, ist die Zahl der gezählten Rebhühner und Fasane. „Wir haben mit Wildkameras ein Monitoring gemacht und im Frühjahr eine Klangattrappe eingesetzt, auf die die Hähne der Rebhühner reagieren. Derzeit hat die Population etwa 250 Tiere erreicht, auch die Fasane haben sich den Umständen entsprechend im Bestand sehr gut erholt – auch dank der Blühflächen“, sagt der 30-Jährige.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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