Richter glauben dem jungen Opfer

Landgericht: 38-Jähriger aus Schöneck wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

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Hat bis zum Schluss die Vorwürfe bestritten: Der 38-Jährige (hier mit seinem Verteidiger Christian Freydank), der in Schöneck seine Stieftochter missbraucht hat, ist vom Landgericht zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.

Die Ehefrau auf den Zuschauersitzen weint, der Angeklagte selbst kann es kaum fassen. Soeben hat Dr. Mirko Schulte, der Vorsitzende der 5. Großen Strafkammer am Landgericht das Urteil verkündet: Fünf Jahre und vier Monate muss der 38-jährige Mann aus Schöneck wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen ins Gefängnis.

Das sitzt. Bis zum Schluss hatte der Mann die Taten bestritten, von einem „Komplott“ gesprochen. Schulte nimmt sich Zeit, sehr viel Zeit, um das Urteil der fünf Richter bis ins Detail zu begründen. Denn es war ein langes Verfahren, das drei Monate dauerte, Ende Januar fast schon beendet schien und dann – aus Gründen der ‧Privatsphären – an mehreren Verhandlungstagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt worden ist. 

„Es geht um Familien, Beruf, Freiheit.“

Und Schulte macht auch deutlich, dass es in dem Urteil nicht nur um die schweren Sexualstraftaten gegangen ist: „Es geht um Familien, Beruf, Freiheit.“ Insgesamt sind es 78 einzelne Taten gewesen, die Staatsanwalt Martin Links dem Angeklagten vorgeworfen hat. Am Ende bleiben 23 übrig. Denn die Kammer habe jeden Fall eingehend geprüft. Doch am Ende besteht für die Kammer kein begründeter Zweifel daran, dass es zwischen 2014 und 2017 zu sexuellen Handlungen des Stiefvaters an dem Mädchen gekommen ist, das heute 19 Jahre alt ist. 

Intensiv mussten sich die Richter mit den Familienverhältnissen auseinandersetzen: Das Verhältnis von Mutter und Tochter aus erster Ehe war nie das beste. Sie hatte schließlich auch im September 2017, als die Anzeige des Missbrauchs bei der Polizei erfolgte, einer Inobhutnahme der damals 17-jährigen Tochter durch das Jugendamt zugestimmt. „Die Mutter hat es gewusst, von der Mutter hatte sie keine Hilfe zu erwarten“, so der Landgerichtsvizepräsident, der auch von „emotionaler Kälte“ innerhalb der Familie spricht. 

Stiefvater habe Vaterrolle ausgenutzt

Der Stiefvater hingegen habe eigentlich den Schutz bieten sollen, habe seine Vaterrolle jedoch „ausgenutzt“. So habe der 38-Jährige schließlich „Grenzen überschritten“ und aus den sexuellen Übergriffen ein System ‧gemacht, das „schablonenhaft“ immer wieder zu den gleichen Taten geführt hat. Allerdings hätten sich die sexuellen Übergriffe „immer mehr gesteigert“. Zwar urteilt die Kammer letztlich nur über 23 Taten, Schulte sprach jedoch den Verdacht aus, dass es sich um ein „wöchentliches Ereignis“ gehandelt haben könnte. In der fast zweistündigen Urteilsbegründung ging der Vorsitzende auf das zentrale Thema des Prozesses ein: die Glaubwürdigkeit des Opfers, für das zwei Fachgutachten eingeholt worden waren. 

„Am Ende bestehe „kein vernünftiger Zweifel“, dass die inzwischen junge Frau die Wahrheit gesagt habe. „Sie hat die Aussage gemacht, weil sie wollte, dass es aufhört“, so Schulte, „die Aussagen des Opfers sind glaubwürdig.“ Dafür sprächen insbesondere, dass Details genannt worden seien, die sich eine Lügnerin nicht ausgedacht hätte. Ganz anders die angeblichen Entlastungszeugen. Diese hätten vorbereitete Aussagen gemacht. „Das glauben wird nicht.“ Und dann sind da Beweise, die das Landeskriminalamt in einem Gutachten unter die Lupe genommen hat: eindeutige DNA-Spuren, die vom Angeklagten stammen – sie wurden auf einem Slip des Opfers gefunden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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