Ernte

Landwirte mit trauriger Prognose: So soll die Ernte im Main-Kinzig-Kreis werden

Stellten die Ernteaussichten für den Kreisbauernverband als eher unterdurchschnittlich dar: Manuel Schneider, Matthias Wacker, Mark Trageser, Jens Pleger, Konrad Kuhlenkamp und Bruno Wörner (von links).
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Stellten die Ernteaussichten für den Kreisbauernverband als eher unterdurchschnittlich dar: Manuel Schneider, Matthias Wacker, Mark Trageser, Jens Pleger, Konrad Kuhlenkamp und Bruno Wörner (von links).

Nur bedingt optimistisch schauen die Landwirte im Kreis der Ernte entgegen. Ihre Prognose für den Main-Kinzig-Kreis ist ernüchternd.

Schöneck – Einem milden und feuchten Winter folgte eine allerdings eine sechswöchige Dürreperiode und ein Kälteeinbruch, der sich negativ auf die Vegetation auswirkte. Deshalb erwarten die Landwirte im Kreis für 2020 auch eher unterdurchschnittliche Ernten. Wobei wegen der Topografie und der Bodenbeschaffenheit im Westkreis die Lage besser ist als im Ostkreis und in den Höhenlagen von Spessart und Vogelsberg.

Auf den Hof der Familie Wacker in Kilianstädten hatte der Kreisbauernverband zur jährlichen Pressekonferenz über die Ernteaussichten im Kreis eingeladen. Mark Trageser aus Linsengericht, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, wartete mit einigen Zahlen auf, zum Beispiel, dass die bewirtschaftete Fläche um rund 900 Hektar zurückgegangen ist und im Mittel der letzten Jahre mit einem Minus von 500 Hektar pro Jahr zu Buche schlägt.

Anbaufläche für mehrere Getreidesorten wurde leicht reduziert

Etwas über 48 000 Hektar werden bewirtschaftet, davon knapp 23 000 Hektar Ackerfläche und 24 500 Hektar Dauergrünland. Bei den angebauten Getreidesorten hat es beim Weizen, beim Tierfutter Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen, und beim Roggen eine leichte Reduzierung der Anbaufläche gegeben. Dagegen wurden mehr Raps, Hafer und Mais angebaut.

Im dritten Jahr in Folge sei die Niederschlagsmenge im Frühjahr zu gering gewesen, betonte Trageser, was für Mais und Weizen zu Startschwierigkeiten nach der Aussaat geführt habe, obwohl der Winter feucht und mild gewesen sei. Der Kälteeinbruch im Frühjahr habe zu dem seit Jahrzehnten nicht mehr beobachteten Phänomen geführt, dass die Blüten der Wintergerste in einigen Teilen des Kreises erfroren sind und dadurch ein Totalausfall der Ernte entstanden ist. Von März bis Mai hätte es in Hessen 42 Prozent weniger Niederschläge als im Durchschnitt gegeben, was durch das wechselhafte Wetter der letzten Wochen wieder etwas hätte ausgeglichen werden können. Wobei es deutliche regionale Unterschiede gebe, so der Vorsitzende. Unter dem Strich erwarten die Landwirte eine eher unterdurchschnittliche Erntemenge quer durch alle Pflanzenarten.

Sonderkulturen seien von Trockenheit und Kälte ausgebeutelt

Kreislandwirt Bruno Wörner stellte mit Blick auf die Sonderkulturen Erdbeeren und Spargel fest, dass diese von Trockenheit und Kälte gebeutelt worden seien. Weitere Ernteeinbußen, die der Erlenseer Landwirt auf 20 Prozent bezifferte, seien der schwierigen Arbeitskräftesituation wegen der Pandemie geschuldet. Es sei nur mit großem bürokratischem und organisatorischem Aufwand möglich gewesen, die benötigten ausländischen Erntehelfer ins Land zu bekommen, betonte Wörner.

Gastgeber Matthias Wacker, einer der Stellvertreter von Trageser beim Kreisbauernverband, hatte den Part übernommen, die Lage und die Aussichten für den Altkreis Hanau darzulegen. Während beim ersten Grasschnitt ein Minus von rund 20 Prozent verzeichnet werden musste, habe man beim zweiten Grasschnitt Einbußen von etwa zehn Prozent hinnehmen müssen.

Bei der richtigen Wetterlage kämen die Betriebe mit einem blauen Auge davon

„Die Situation für Betriebe mit Milchvieh, Mastbullen- oder Pferdehaltung ist angespannt, aber lösbar“, so die Einschätzung von Wacker. Wenn in den nächsten Wochen keine neuen Hitzewellen auftreten würden, wie vorhergesagt, und es immer wieder regnen würde, käme man mit einem deutlichen blauen Auge, was die weiteren Ernten angehe, davon, glaubt der Landwirt. Zuckerrüben und Mais hätten durch die Niederschläge aufgeholt, nachdem kurz nach dem Einpflanzen die Trockenheit den Pflanzen sehr zugesetzt habe. „Die Natur hat im Mai, Juni und bis heute viel aufgeholt, was so nicht unbedingt zu erwarten war“, stellte Matthias Wacker fest.

Leicht unterschiedliche Prognosen gaben die anderen stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisbauernverbands ab. Für den Altkreis Gelnhausen schätzte Manuel Schneider die Lage als „insgesamt recht ordentlich“ ein. Konrad Kuhlenkamp beschrieb für den Altkreis Schlüchtern die Aussichten als „einigermaßen erträglich“, wobei er die Futtersituation durch einen Minusertrag von 30 bis 40 Prozent auf den Hanglagen als „angespannt“ bezeichnete. Jens Pleger von der Raiffeisen Waren GmbH bezeichnete die Situation bei den Preisen als „unbefriedigend wie in 2019“ und verwies auf die Schwankungen an der europäischen Getreidebörse Mafit, wo teils große Ausschläge innerhalb weniger Tage zu beobachten seien.

Aufruf zu einem verträglichen Miteinander

Die Landwirte des Main-Kinzig-Kreises richteten einen Appell für ein verträgliches Miteinander auf den Feldwegen an Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger. In den kommenden vier Wochen sei Haupterntezeit und deshalb viel Verkehr von Mähdreschern, Traktoren und weiterem landwirtschaftlichem Gerät. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme sei es für alle Beteiligten einfacher, schwierige Situationen im Begegnungsverkehr zu vermeiden, so die Vertreter des Kreisbauernverbands, die rund 1300 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte im Main-Kinzig-Kreis repräsentieren. tse

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