Schöneck/Hanau

Missbrauch der Stieftochter: Sieben weitere Zeugen gehört

Der Angeklagte (links) neben seinem Anwalt Christian Freydank. Archivfoto: Rainer Habermann

Schöneck/Hanau. Vor dem Hanauer Landgericht hat am Montag der vierte Verhandlungstag im Verfahren gegen einen Schönecker Familienvater stattgefunden, der angeklagt ist, seine heute 19-jährige Stieftochter in 78 Fällen sexuell missbraucht zu haben.

Von Rainer HabermannDer 38-Jährige befindet sich auf freiem Fuß, die vermeintlichen und angeklagten Ta‧ten reichen bis ins Jahr 2017 zurück. Zwischenzeitlich war Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten verhängt worden, doch der Mann geht einer geregelten Beschäftigung nach und hat mit seiner Ehefrau und zwei leiblichen Kindern einen festen Wohnsitz. So kam er nach einem halben Jahr U-Haft frei. Es ‧verbietet sich von selbst, in diesem Fall den Namen oder Vornamen auch nur anzudeuten.

Der Mann sitzt neben seinem Verteidiger, dem Rechtsanwalt Christian Freydank, auf der Bank und verfolgt den Prozess vor der 5. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Mirko Schulte ruhig und aufmerksam. Zu Prozessbeginn hatte er sich umfänglich eingelassen, stritt sämtliche Vorwürfe als aus der Luft gegriffen ab und deutete an, dass seine Stieftochter mehr oder weniger ihm „eins auswischen“ wolle, weil er ihr gegenüber Wert auf eine recht strenge Erziehung gelegt habe. Das Opfer war im Rahmen des Jugendgerichtsschutzes seinerzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört worden.

Sieben Zeugen geladen

Sieben Zeugen hatte die Kammer gestern geladen: Arbeitskollegen des Mannes, seinen Chef, zwei Brüder und deren Schwester, die eine gemeinsame Autofahrt und einen Besuch bei der Familie des Angeklagten bestätigten und damit eines der beiden „kritischen“ Daten Mitte Mai des Jahres 2017 beleuchteten. Mehr oder weniger, denn alle konnten sich heute nicht mehr so ganz genau erinnern, was sie damals bei der Polizei ausgesagt hatten, und auch nicht, wie sich alles aus heutiger Erinnerung so verhält.

Doch im Großen und Ganzen bestätigten die Arbeitskollegen und der Chef, der einen Montagebetrieb mit über50 Mitarbeitern führt, dass am zweiten fraglichen Termin, an dem der Angeklagte seine Stieftochter massiv sexuell bedrängt haben soll, dieser an Planungsgesprächen für einen bevorstehenden Großauftrag teilgenommen haben will. Er ist in jener Firma Projektleiter, auch heute wieder. Und damals sei es um 450 Küchen gegangen, die im Auftrag eines namhaften Möbel-Herstellers montiert wurden.

Zweifel an Aussagen

Staatsanwalt Martin Links, der die Anklage vertritt, hatte jedoch so seine Zweifel an einigen Aussagen der Zeugen. Ob der Angeklagte ihnen das genaue Datum und die Uhrzeit genannt habe, an denen die jeweiligen Taten des Missbrauchs Schutzbefohlener geschehen sein sollten? „Nein, die Polizei hat bei ihrer Befragung das Datum genannt“, meinte einer der Zeugen. Doch auch bei den beiden Beamtinnen der Kriminalpolizei, die am Montag gehört wurden, herrschen Erinnerungslücken vor.

„Wenn ich das im Bericht so vermerkt habe, dann war das auch so“, insistierte eine Kriminaloberkommissarin, welche die ersten Vernehmungen durchführte. Aus eigener Erinnerung könne sie heute nicht viel mehr dazu sagen. Was Verteidiger Freydank zu einer Erklärung veranlasste: „Auch mein Mandant kann sich heute nicht mehr an alles erinnern, was damals geschah. Aber er hat mir versichert, dass er zwischen Prozessbeginn und seiner Verhaftung damals mit keinem der Zeugen mehr gesprochen hat.“

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