Kommunalpolitik

Nach Rückzug aus Schönecker Gemeindeparlament: Dr. Bärbel Neuer-Markmann (Grüne) spricht über Beweggründe

Von Ruhestand kann keine Rede sein: Dr. Barbara Neuer-Markmann berichtet von ihren Plänen. Die Lokalpolitik spielt dabei keine große Rolle mehr.
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Von Ruhestand kann keine Rede sein: Dr. Barbara Neuer-Markmann berichtet von ihren Plänen. Die Lokalpolitik spielt dabei keine große Rolle mehr.

Für ihre Ziele kämpft sie mit aller Kraft. „Wenn ich irgendwo stehe, gehe ich vorwärts“, sagt Dr. Bärbel Neuer-Markmann. Doch nach drei Jahrzehnten, in denen sie sich bei den Grünen in der Schönecker Lokalpolitik engagiert hat – unter anderem als stellvertretende Bürgermeisterin – hat sich eine Menge Frust angestaut. „Es fehlt mir an Energie, die immer gleichen Diskussionen zu führen“, sagt Neuer-Markmann. Sie hat ihr Mandat fürs Gemeindeparlament niedergelegt (wir berichteten).

Schöneck – Aus ihrer Enttäuschung über zu wenig Einsatz für den Klimaschutz in ihrer Gemeinde macht die 68-Jährige keinen Hehl. „Die Diskussionen sind mühsam und es passiert einfach nichts“, sagt sie. Nach der Kommunalwahl im März hatte sie kurzzeitig neuen Mut gefasst. Mit einer gestärkten Grünen-Fraktion und der Möglichkeit für eine Koalition aus Grünen, SPD und Freien Wählern. Sie überließ der erstmals in die Gemeindevertretung eingezogenen Laura Merz den Fraktionsvorsitz, auch weil sie annahm, dass bei früheren Gesprächen ihre eigene unkonventionelle Art eher nicht hilfreich war.

Statt Mitglied einer neuen Koalition weiter in der Oppositionsrolle

Die 22-Jährige übernahm auch die Führungsrolle bei den Sondierungsgesprächen. „Ich dachte, mit dieser jungen, engagierten Frau kommt endlich etwas ins Rollen“, sagt Neuer-Markmann. Doch die Gespräche scheiterten auch an der Position eines Klimaschutzmanagers, den die Grünen zu einer Bedingung gemacht hatten. „Der von der SPD bevorzugte Klimarat wurde noch nicht einmal mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Dort treffen sich Vertreter der Fraktionen, ohne professionelle Unterstützung in kleiner Runde wieder. Das ist doch keine Chance für Veränderungen“, sagt Neuer-Markmann, die in Biologie und Chemie promoviert hat.

So sind die Grünen weiter in der Oppositionsrolle. Ihre Themen wie eine Baumschutzsatzung für die Gemeinde oder Neubaugebiete im Passivhaus-Standard finden weiter keine Mehrheit im Parlament.

Was sie zuletzt am meisten störte, ist, dass es einen Unterschied macht, ob die Kilianstädterin mit der Privatperson oder dem gleichen Menschen in seiner Parteifunktion spricht. „Ich bin immer Bärbel Neuer-Markmann, egal welchen Hut ich gerade aufhabe“, sagt sie. Sie könne nicht aus ihrer Haut. Dass es bei anderen Menschen nicht so ist, falle ihr zunehmend schwerer. Da hänge sie lieber das Mandat an den Nagel.

„War immer sehr loyal gegenüber den Bürgermeistern“

Dabei kann die Biologin auf eine lange kommunalpolitische Karriere zurückblicken. Fast drei Jahrzehnte war sie Mitglied der Gemeindevertretung. Viele Jahre als Erste Beigeordnete, einige Monate übernahm sie sogar den Posten der Interims-Bürgermeisterin, als Ludger Stüve Regionalverbandschef wurde. „Ich war immer sehr loyal gegenüber den Bürgermeistern. Als Stellvertreterin war ich keine Grüne“, betont sie.

Integer sein. Das habe sie von ihrem Vater gelernt. Auch er sei in der Kommunalpolitik aktiv gewesen, für die CDU, aber immer als Parteiloser. Auch Neuer-Markmann machte ihre ersten Schritte in der Lokalpolitik ohne Parteibuch, führte sogar die Fraktion der Grünen lange Jahre ohne Mitgliedschaft an. „Als beim Kosovo-Krieg viele ausgetreten sind, da bin ich eingetreten“, sagt sie. Ihrer Partei will sie auch künftig treu bleiben und beratend zur Seite stehen.

Ihre Profession hat die 68-Jährige an anderer Stelle gefunden. Mit 49 Jahren startete sie beruflich noch einmal voll durch. Nach vielen Jahren als Hausfrau, stieg sie in die Jugendberufshilfe ein. Bereits nach kurzer Zeit leitete sie bei einem Träger in Frankfurt bis zu 120 Mitarbeiter an. „Dort habe ich viel Anerkennung bekommen. Das hat mir Energie gegeben“, sagt sie. Für junge Menschen, die sich bei der Berufsorientierung schwer tun, hat sie viel Verständnis. „Meine Mutter dachte, aus mir wird nichts und hat sich mit dem Pfarrer beraten“, erzählt sie. Sie erinnere sich noch genau, wie sie sich als junge Frau gefühlt habe.

Von der Elternbeiratsvorsitzenden auf die Liste der Grünen

Aufgewachsen ist Neuer-Markmann im beschaulichen Neckargerach in Baden-Württemberg. Ihren Schulabschluss machte sie an einem Internat im Schwarzwald – der Schulwechsel war ein Vorschlag des Pfarrers. „Im Internat hat es mir gut gefallen. Es gab feste Regeln, doch innerhalb dieses Rahmens auch viel persönliche Freiheit“, sagt sie. Es folgte das Studium in Heidelberg. Mit ihrem damaligen Mann und den beiden Söhnen Florian und Holger zog sie 1989 nach Kilianstädten. Dort brachte sie sich zunächst als Elternbeiratsvorsitzende von Kindergarten und Grundschule ins Ortsgeschehen ein, später kandidierte sie auf der Liste der Grünen.

Mitgestalten, das ist ihr wichtig. Mit dem Rückzug aus dem Gemeindeparlament bleibt ihr mehr Zeit, die sie nutzen will. Neuer-Markmann mag sich noch nicht aufs Altenteil zurückziehen. Sie plant, freiberuflich an Schulen Prozessbegleitung für Inklusion und beim Übergang zum Ganztag anzubieten. Auch auf Demos will sie weiter gehen, „um die jungen Leute zu unterstützen“.

Als Wissenschaftlerin sei ihr schon früh klar gewesen, dass gegen den Klimawandel gehandelt werden muss. Warum das viele nicht verstehen oder verstehen wollen, ist ihr unbegreiflich. Es werde viel über die persönliche Freiheit gesprochen, die Grünen als Verbotspartei dargestellt. „Warum es nicht auch mal wehtun darf, das verstehe ich einfach nicht“, betont sie. Tempolimits würden auch kontrolliert und das Überschreiten geahndet. „Beim dritten Mal weiß ich vielleicht, dass ich umsichtiger fahren sollte“, zieht sie einen Vergleich. „Das Wetter wird uns drängen, zu handeln. Aber dann ist es womöglich zu spät.“ (Mirjam Fritzsche)

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