Wasser wird vorsorglich gechlort

Reserve kann Lieferengpass abfangen: Kreiswerke Main-Kinzig reaktivieren zwei Brunnen in Kilianstädten

Wichtiger Baustein in der örtlichen Trinkwasserversorgung: der Brunnen Hellerborn in Kilianstädten.
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Wichtiger Baustein in der örtlichen Trinkwasserversorgung: der Brunnen Hellerborn in Kilianstädten.

Der Brunnen Hellerborn in Kilianstädten ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Von der Reserve ist er nach 15 Jahren in den Normalbetrieb zurückgekehrt. Seit Anfang des Jahres leistet der Brunnen, der bereits seit 1936 in Betrieb ist, wieder seinen Beitrag zur Trinkwasserversorgung in Kilianstädten. Versorgt werden über das Netz auch der südliche Teil von Windecken sowie Oberdorfelden und Niederdorfelden.

Schöneck/Region – Die Kreiswerke Main-Kinzig standen im Dezember kurzfristig vor einer großen Herausforderung. Ihr Vorlieferant, die Oberhessische Versorgungs-AG (Ovag), hatte angekündigt, die Liefermenge ab Jahresbeginn um 50 Prozent zu reduzieren (unsere Zeitung berichtete). 200 000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr gilt es zu kompensieren. Keine unbeträchtliche Menge, wie Björn Schmidt, Technische Führungskraft Wasser, auf Nachfrage bestätigt.

Um die Lücke in der Trinkwasserversorgung zu schließen, wurden die Reservebrunnen Hellerborn und der Wolfsbrunnen in Kilianstädten reaktiviert. „Sie wurden regelmäßig gewartet und Instand gehalten, deshalb konnten wir sie kurzfristig wieder ans Netz anschließen“, erläutert Wassermeister Burkhard Langer, der hier wöchentlich nach dem Rechten schaut. 88 000 Kubikmeter liefert der Brunnen Hellerborn durchschnittlich im Jahr, weitere 130 000 Kubikmeter kommen aus dem Wolfsbrunnen dazu. Wenn es gut läuft, kann die Lieferlücke damit ausgeglichen werden. Schwieriger wird es, wenn die Ovag die Liefermenge weiter reduziert. Für die Einwohner von Kilianstädten und die umliegenden Orte bringt die Netzumstellung bereits jetzt Veränderungen mit sich. Zum einen ändert sich die Wasserhärte zu härterem Wasser, zudem wird das Trinkwasser vorsorglich zur Desinfektion gechlort. „Das ist eine Vorgabe des Gesundheitsamts, weil die Brunnen lange nicht im regulären Betrieb waren“, so Schmidt. Es könne aber unbedenklich getrunken werden.

Die Änderung des Wasserhärtegrades sei zwar für technische Geräte wie Kaffee- und Waschmaschinen nicht optimal, da diese schneller verkalken. Doch die Qualität des Wassers sei dadurch nicht schlechter. „Die Härte wird von den Mineralien bestimmt, die aus dem Gestein gewaschen werden. Der Härtegrad ist also ganz natürlich“, erläutert Langer. Die Versorgung mit Wasser stehe zudem an erster Stelle, die Wasserhärte sei zweitrangig.

Die Gründe, die zu den Liefereinschränkungen bei der Ovag geführt haben, können Schmidt und Langer durchaus nachvollziehen. „Auch die Kreiswerke haben mit der Trockenheit der vergangenen Jahre zu kämpfen“, sagen sie. Die Grundwasserpegel seien nach wie vor auf historischen Tiefstständen und hätten sich bis Ende des Jahres noch nicht erholt. Das dritte Trockenjahr in Folge habe der Wasserversorgungsbranche insgesamt arg zugesetzt. „Wir spüren den Klimawandel ganz direkt“, sagt Björn Schmidt. Der Regen und Schnee, der bis Weihnachten gefallen ist, sei noch nicht im Grundwasser angekommen. So trocken sind die Böden.

Auch der Lockdown macht sich beim Wasserverbrauch bemerkbar. „Die Menschen halten sich durch Homeoffice mehr zu Hause auf und nutzen dann auch mehr Wasser“, erläutern sie. Einen Mehrverbrauch von fünf bis sechs Prozent durch Homeoffice habe man festgestellt.

Problematisch sei auch die heiße Sommerzeit gewesen, in der Freibäder und Badeseen geschlossen waren. „Für eine Abkühlung haben sich viele Menschen einen Pool in den Garten gestellt. Da ist der Verbrauch natürlich in die Höhe geschnellt.“

Ein Großteil des Wassers lande in den warmen Monaten aber auch im Garten. Deshalb versuche man, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. „Wer ein neues Haus plant, sollte sich gleich eine Zisterne einbauen lassen“, empfiehlt Schmidt. Auch Regentonnen seien eine gute Möglichkeit, wertvolles Wasser aufzufangen, das man fürs Gießen der Pflanzen nutzen könne.

Zwar sanieren die Kreiswerke regelmäßig Brunnen, aktuell ist das in Roßdorf der Fall, doch Wasser sei eine endliche Ressource. „Wir sind gebunden an unsere regionalen Vorräte. Einen Weltmarkt für Wasser wird es nicht geben“, betont Schmidt.

Deshalb hatten sich die Kreiswerke Main-Kinzig mit dem dringenden Appell an die Bevölkerung gerichtet, sehr sorgsam mit dem kostbaren Gut Trinkwasser umzugehen und Verschwendung möglichst zu vermeiden. (Von Mirjam Fritzsche)

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