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Schöneck: Ausfälle bei Briefzustellung häufen sich

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Die Post leidet nach eigenen Angaben derzeit ebenfalls unter Corona und Fachkräftemangel.
Die Post leidet nach eigenen Angaben derzeit ebenfalls unter Corona und Fachkräftemangel. Archiv © dpa

Weil Briefe nur verspätet oder gar nicht ankommen, wenden sich immer mehr verärgerte Bürger an die Bundesnetzagentur in Bonn. Knapp 5000 Beschwerden sind allein im September bei der Aufsichtsbehörde eingegangen. Zum Vergleich: Im ganzen Vorjahr sollen es nur 15 100 gewesen sein.

Schöneck – Die Post hat daraufhin „Unregelmäßigkeiten bei der Zustellung“ zugegeben, sie allerdings mit coronabedingt hohem Krankenstand sowie Fachkräftemangel zu entschuldigen versucht.

Dafür hat wiederum die Schöneckerin Renate C. keinerlei Verständnis. „Ich wohne in Büdesheim und bekomme derzeit höchstens zweimal in der Woche Post. Montags seit Jahren nicht, nun auch samstags nicht“, beklagt sie sich. Nur die abonnierte Zeitschrift bekomme sie abends mit einem speziellen Postauto.

Verstopfte Briefkästen durch „gesammelte“ Ausliefung

Und auf eine weitere Besonderheit bei der Zustellung in letzter Zeit weist sie hin. So halte die Post ihrer Meinung nach Kataloge und ähnliche Sendungen zurück, um dann an Liefertagen mit kiloweisen Sendungen die Briefkästen zu verstopfen. Sie habe deshalb sogar schon Fristen verpasst.

Zudem sei einem ihrer Nachbarn vor Kurzem ein riesiger Stapel Post – auch für andere Bewohner der Straße – in den Arm gelegt worden mit der Bitte, ihn doch zu verteilen. Und nur weil dieser Nachbar zufällig zur Kategorie „nette Nachbarn“ zähle, sei er dieser Bitte auch nachgekommen. „Briefgeheimnis hin – Briefgeheimnis her“, wie die Schöneckerin dies kommentiert.

Bei Schönecks Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) sind in den vergangenen Wochen gleich mehrere Beschwerden über keine oder deutlich verspätete Postzustellungen eingegangen. „Ich habe mich auch sofort an die Postdirektion Frankfurt gewandt, aber auch nur die Antwort von vermehrtem Krankenstand und Fachkräftemangel erhalten.“

Personalengpässe durch Corona

Auf Nachfrage unserer Zeitung hat sich die Pressestelle der Post in Frankfurt nun etwas ausführlicher erklärt. Grundsätzlich räumt sie Verzögerungen bei der Zustellung auch in beiden Schönecker Ortsteilen Büdesheim und Kilianstädten ein. „Leider macht die Corona-Pandemie um kein Unternehmen einen Bogen – auch um die Post nicht“, so Unternehmenssprecher Heinz-Jürgen Thomeczek. Das stelle die Unternehmen vor große Herausforderungen – auch die Post, weil selbst der beste personelle Puffer an seine Grenzen geraten könne, wenn es zu zahlreichen, kurzfristigen Erkrankungen komme.

Deshalb sei es bei solchen ungewöhnlichen Herausforderungen mit dramatisch hohen Inzidenzwerten oftmals sehr schwierig, allein die Arbeitsfähigkeit der postalischen Netze aufrechtzuerhalten und etwaige Verzögerungen auf ein Minimum zu begrenzen.

„Das gilt insbesondere für unsere Zustellerinnen und Zusteller“, fährt Thomeczek fort, „für die Homeoffice bekanntermaßen keine Option ist und die mit ihrer Arbeit vor Ort selbst während der Hochphasen der Corona-Krise für ein Stückchen mehr Normalität und Verlässlichkeit im Alltag vieler Menschen gesorgt haben. Kurz, Corona ist nun mal eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, und wird das vermutlich auch im Herbst noch bleiben.“

Post: Anteil an Beschwerden klein

Abschließend weist Postsprecher Thomeczek noch darauf hin, dass in den bundesweit 82 Briefzentren der Post werktags rund 49 Millionen Briefsendungen bearbeitet würden. Das seien über eine Milliarde Briefe jeden Monat. Setze man dann die 5000 Beschwerden im vergangenen Monat ins Verhältnis zu den bearbeiteten Sendungen, dann werde deutlich, wie klein der Anteil der Beschwerden sei.

„Wohlwissend, dass das nicht weiterhilft, wenn man persönlich betroffen ist und andere Erfahrungen gemacht hat, gehört dies aber trotzdem auch zur Wahrheit“, bittet Thomeczek um Verständnis. Um die Situation zu verbessern, würden momentan verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Diese müssten aber dann sorgfältig eingearbeitet werden, bevor sie tatsächlich eingesetzt werden und für eine Entlastung der Stammbelegschaften sorgen könnten.

Von Jürgen W. Niehoff

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