Tag des Ehenamts

Schöneck: Ehepaar Höllt engagiert sich für Flüchtlinge, im Repair-Café und beim Bürgerbus

Sind ehrenamtlich in Schöneck engagiert: Karin und Christian Höllt.
+
Sind ehrenamtlich in Schöneck engagiert: Karin und Christian Höllt.

„Man müsste doch was machen“ – dieser Gedanke war bei der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren der Auslöser bei Karin Höllt. Sie startete ihr ehrenamtliches Engagement mit Deutschkursen für Flüchtlinge und ließ sich als Ehrenamtslotsin ausbilden. Als für das Projekt Repair-Café Helfer gesucht wurden, warb sie kurzerhand ihren Mann an. Christian Höllt engagiert sich zudem als Fahrer beim Bürgerbus. Wegen Corona sind aktuell die meisten Aktivitäten auf Eis gelegt. Langweile kommt bei den Höllts trotzdem nicht auf.

Schöneck - „Ich wäre gerne Lehrerin geworden, deshalb haben mir die Deutschkurse viel Spaß gemacht“, sagt Karin Höllt. Die Kurse werden mittlerweile nicht mehr angeboten. Ins Herz geschlossen hat die Büdesheimerin aber einen afghanischen Jungen aus der Nachbarschaft. Er ist ohne seine Eltern nach Deutschland gekommen. Sein junger Onkel ist mit der Verantwortung für das Kind überfordert. „Er ist so ein freundlichen Junge“, schwärmt Karin Hölt. Sie hat mittlerweile die Betreuungsvollmacht, darf zum Beispiel in schulischen Angelegenheiten für ihn entscheiden.

Der Junge ist heute 13 Jahre alt und verbringt jeden Tag Zeit bei den Höllts. Hier findet er immer ein offenes Ohr und bekommt Hilfe bei den Hausaufgaben. „Er hat uns längst als Oma und Opa adoptiert“, erzählt Christian Höllt. Das Ehepaar hat einen erwachsenen Sohn, aber noch keine eigenen Enkelkinder.

Tüfteln und Basteln liegt in der Familie

Mehrere Stunden in der Woche investiert Christian Höllt in seine Ehrenämter. Für den Ruhestand hatte sich der 63-jährige Physiker viel vorgenommen. „Meine To-do-Liste war so umfangreich, dass meine Frau meinte, so lange lebe ich gar nicht mehr“, erzählt der Büdesheimer schmunzelnd. Als vor eineinhalb die Ehrenamtslotsen das Projekt Repair-Café planten, dachte Karin Höllt sofort an ihren Mann, der zu dem Zeitpunkt beruflich bereits kürzer trat. „Auch bei uns im Haus repariere ich viel selbst“, erzählt er. Sein Vater sei ein Tüftler und Bastler gewesen und habe ihm viel beigebracht.

„Ich habe Werkzeuge beschafft und viel organisiert“, berichtet Christian Höllt. Das Angebot des Repair-Cafés sei wirklich gut angenommen worden. Alte Radios, defekte Rasenmäher oder Hochdruckreiniger brachten die Leute ins Gemeindehaus nach Oberdorfelden. „Manchmal war es nur eine Kleinigkeit wie Batterien wechseln, manchmal mussten wir die Menschen leider wieder wegschicken. Nicht alles lässt sich reparieren“, so Höllt. Er merkt auch: Viele hängen an ihren Geräten. Vor allem wenn es ein Geschenk war. Er bedauert sehr, dass das Repair-Café aktuell nicht stattfinden kann. Dabei habe man ein gutes Hygienekonzept entwickelt. „Aber die Gesundheit geht natürlich vor“, betont er.

In das Projekt hat er sich sehr eingebracht. Da bleiben auch zu Hause ein paar Dinge liegen. „Ich habe schon mit meinem Sohn gewitzelt, ob wir unsere defekte Mikrowelle mal zum Repair-Café bringen“, sagt Karin Höllt.

Rentner investiert Zeit gerne in Hilfsprojekte

Seit fast einem Jahr ist Christian Höllt nun in Rente. Die gewonnene Freizeit hat er zum Teil in sein Engagement für den Bürgerbus gesteckt. Als für das neue Projekt der Gemeinde Fahrer gesucht wurden, meldete er sich. „Die Idee, dass wir eine Art Linienverkehr machen, hat nicht gefruchtet“, erzählt er. Senioren hätten das Angebot aber gerne angenommen, um sich zum nächsten Einkaufsmarkt oder zur Bank bringen zu lassen. „In Oberdorfelden gibt es noch nicht mal einen Geldautomaten“, so Höllt. Auch hier warten die Menschen darauf, dass das Angebot wieder stattfinden kann. Doch die Corona-Pandemie macht das im Moment unmöglich.

Darunter leidet auch die große Leidenschaft der Höllts: Beide reisen viel und gerne. „Um diese Jahreszeit sind wir meistens unterwegs, um dem Grau zu entfliehen“, sagt Karin Höllt. Wie alle anderen versuchen sie das Beste aus der Situation zu machen. „Irgendwann geht es mit den Ehrenämtern wieder weiter“, ist Christian Höllt zuversichtlich. Dann will er wieder dabei sein. Er hilft gerne. „Wenn es mir keinen Spaß machen würde, dann würde ich es auch nicht machen“, sagt er.

Von Mirjam Fritzsche

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare