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Schöneck: Fragen und Antworten zur Kritik am geplanten Rechenzentrum

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Von: Mirjam Fritzsche

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Auf der Fläche zwischen Autokontor Bayern und Windrad im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II soll ein Rechenzentrum entstehen. Archiv
Auf der Fläche zwischen Autokontor Bayern und Windrad im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II soll ein Rechenzentrum entstehen. Archiv © Axel Häsler

Im Gewerbepark Kilianstädten Nord II soll ein großes Rechenzentrum entstehen. Im Dezember haben die Gemeindevertreter mehrheitlich für eine Veräußerung der Fläche gestimmt – trotz Protesten von Naturschützern und Landwirten. Das Thema beschäftigt die Menschen in Schöneck jedoch weiter. Erst kürzlich haben die Grünen mit interessierten Bürgern eine „Ge(h)rede“ zur Fläche des Rechenzentrums veranstaltet und eigene Kritikpunkte angebracht (wir berichteten).

Schöneck – Die Grünen-Gemeindevertreter hatten sich bei der Entscheidung im Dezember entweder enthalten oder gegen die Veräußerung gestimmt. Der veröffentlichte Artikel über die „Ge(h)rede“ wurde in den sozialen Medien heftig diskutiert. Die CDU-Fraktion meldete sich mit einer Stellungnahme zu Wort und kritisierte die „Falschmeldungen“ der Grünen, darunter die Behauptung, die geplante Fläche sei verdoppelt worden. Unsere Zeitung hat Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) gebeten, Fragen zu dem Thema zu beantworten.

Wie und wann ist der Kontakt zu dem IT-Unternehmen entstanden?

Der Kontakt ist im November 2020 über einen Consulter des Rechenzentrumbetreibers zustande gekommen.

Was bedeutet die Entscheidung zur Veräußerung des Grundstücks? Kommt das Rechenzentrum jetzt auf jeden Fall?

Unter der Voraussetzung, dass der zur Zeit noch in der Aufstellung befindliche Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Rechtskraft erlangt, wird die Ansiedlung des Rechenzentrums erfolgen. Wir müssen zunächst alle Belange, insbesondere die des Natur- und Artenschutzes sowie der Landwirtschaft, äußerst sensibel abarbeiten.

Wie groß ist die Fläche, die veräußert werden soll?

Das Grundstück ist rund 12,7 Hektar groß und darf nach den Vorgaben des Bebauungsplanentwurfes zu etwa 80 Prozent bebaut werden.

Wo werden dann andere Firmen Platz finden, die sich in Schöneck ansiedeln wollen?

Grundsätzlich sind weitere Gewerbeansiedlungen im Anschluss an unseren Gewerbepark Kilianstädten Nord I (Konrad-Zuse-Ring) denkbar. Dort könnte eine weitere Gewerbegebietsausweisung erfolgen, die Erschließung ist über den dort geplanten Kreisverkehr an der L 3009 gesichert. Dies wäre dann zu gegebenem Zeitpunkt eine politische Entscheidung.

Was sind die nächsten Schritte? Muss die Gemeinde noch auf die Genehmigung übergeordneter Behörden warten?

Derzeit arbeiten wir intensiv und verantwortungsbewusst an den Festsetzungen des Bebauungsplanentwurfes, um allen zu beachtenden Belangen, insbesondere auch die des Natur- und Artenschutzes sowie der Landwirtschaft, unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben Rechnung zu tragen. Ziel ist es, dass zum Beispiel die geplanten unbefristeten Ausgleichsmaßnahmen für den Hamsterschutz zu einer merklichen Verbesserung der Hamsterpopulation beitragen werden.

Was sind die Erwartungen an die Ansiedlung? Was rechnet sich die Gemeinde an Gewerbesteuern aus?

Wir werden ein überaus innovatives und zukunftsweisendes Unternehmen, das mit Hauptsitz in Deutschland ansässig ist, in Schöneck ansiedeln, das die Wirtschaftskraft unserer Kommune dauerhaft signifikant stärken wird. Vorhaben der Gemeinde Schöneck könnten umgesetzt werden, hiervon profitieren in erster Linie unsere Bürgerinnen und Bürger. Bis zum Endausbau des Rechenzentrums, der sich aufgrund der modularen Bauweise über mehrere Jahre erstrecken wird, ist mit einer Verdoppelung unseres derzeitigen Gewerbesteueraufkommens zu rechnen (für den Haushalt 2022 kalkuliert die Gemeinde mit Gewerbesteuereinnahmen von 2,8 Millionen Euro).

Wo soll die Energie herkommen, um das Rechenzentrum zu betreiben?

Die benötigte Energie wird über benachbarte Umspannwerke zur Verfügung gestellt. Dies wurde bereits mit dem Energieversorger abgestimmt.

Warum wurden dem Unternehmen keine Vorgaben zum Schutz der Umwelt gemacht, wie von den Grünen gefordert? Zum Beispiel zur Nutzung der Abwärme.

Diese absolut wichtigen inhaltlichen Vorgaben werden im nächsten Schritt im Bebauungsplan, im Grundstückskaufvertrag und bei Bedarf auch in einem Städtebaulichen Vertrag mit dem Unternehmen geregelt. Die energieeffiziente Ausrichtung des Unternehmens ist uns ein sehr großes Anliegen, unter anderem deshalb haben wir uns neben anderen Interessenten gerade für dieses Unternehmen entschieden.

Hier ein Beispiel für den innovativen Umgang mit der benötigten Energie: Durch die Gebäudearchitektur wird im inneren eine automatische Luftzirkulation erzeugt, die den Rechenzentrumbetrieb an zirka 340 Tagen im Jahr ohne aktive Kühlung (Klimaanlage) ermöglicht. Es wird im Bebauungsplan Vorgaben für die Nutzung von Photovoltaikanlagen geben, die befestigten Grundstücksflächen müssen weitestgehend mit wasserdurchlässigen Materialien hergestellt werden.

Eine sinnvolle Nutzung der Abwärme, außer für den Betrieb des Rechenzentrums selbst, ist leider derzeit nicht möglich, da es in der näheren Umgebung hierfür keine Abnehmer gibt. Da es auch im eigenen Interesse des Betreibers liegt, die Abwärme sinnvoll zu nutzen, ist es Ziel, die Abwärme zum Beispiel für benachbarte Unternehmen nutzbar zu machen. Das Thema hat weiterhin eine hohe Priorität.

Es gibt – vor allem bei den Landwirten – Bedenken wegen des Flächenverbrauchs. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist bei Rechenzentren verglichen mit der Größe überschaubar. Was spricht trotzdem dafür?

Natürlich nehmen wir den Flächenverbrauch ernst und können die Bedenken der Landwirte durchaus verstehen. Durch die Modulbauweise können die Flächen bis zum Endausbau weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. In dem Bericht über die Veranstaltung der Grünen wurde erwähnt, dass die Gewerbefläche für das Rechenzentrum gegenüber der ursprünglichen Planung nun doppelt so groß ausfällt, dem müssen wir widersprechen. Die bisher in unserem Flächennutzungsplan enthaltene Gewerbegebietsfläche ohne erforderliche Ausgleichsflächen ist acht Hektar groß. Nun planen wir 12,7 ha reine gewerblich nutzbare Fläche, also nur gut ein Drittel mehr als ursprünglich geplant. Dazu kommen noch Flächen für Natur- und artenschutzrechtlichen Ausgleich von rund acht Hektar. Dabei handelt es sich aktuell um landwirtschaftlich genutztes Ackerland, das auch künftig für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen wird. Hier werden insbesondere für den Schutz des Feldhamsters Getreide, Luzerne, Blühflächen und ähnliche Feldfrüchte angebaut, die den Lebensraum des Hamsters dauerhaft nachhaltig schützen werden. Im Endausbau wird mit gut 100 hochqualifizierten Arbeitsplätzen gerechnet.

Wann erfahren die Bürger, um welches Unternehmen es sich konkret handelt?

Im nächsten Schritt werden wir in den weiteren Beratungen zum Bebauungsplan im Ausschuss für Bauen, Verkehr und Klimaschutz den Betreiber einladen und somit der Öffentlichkeit vorstellen. Der Gemeindevorstand, der Vorsitzende der Gemeindevertretung und die Fraktionsvorsitzenden hatten schon vor Beschlussfassung die Gelegenheit, die handelnden Personen des Unternehmens persönlich kennenzulernen und all ihre Fragen zu stellen. Dem Gemeindevorstand und den Mitgliedern der Schönecker Gemeindevertretung lag zudem eine schriftliche Bewerbung vor. (Mirjam Fritzsche)

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