Tiere

Blutiger Vorfall sorgt für Empörung - Polizei ermittelt

Rehe sind regelmäßige Besucher in den Gärten der Anwohner am Kranzbergring in Kilianstädten. Eines der Rehkitze ist im September von einem nicht angeleinten Hund gehetzt und tödlich verletzt worden.
+
Rehe sind regelmäßige Besucher in den Gärten der Anwohner am Kranzbergring in Kilianstädten. Eines der Rehkitze ist im September von einem nicht angeleinten Hund gehetzt und tödlich verletzt worden.

Es ist eine Szene, die Gerhard Wittrodt so schnell nicht vergessen wird. Er gehört zu den Zeugen des blutigen Vorfalls, der sich am Nachmittag des 14. September im Bereich Höhenstraße/Kranzbergring ereignet hat. Ein wildernder Hund dringt in mehrere Privatgärten ein und tötet ein Rehkitz. „Ich habe nicht gewusst, dass Rehe so fürchterlich schreien können“, sagt der Kilianstädter.

Schöneck – Seit Jahren gehören kleine und große Rehe zu den regelmäßigen Besuchern in den Gärten der Anwohner. Eine Aufnahme aus dem August zeigt, wie eine Ricke mit ihren beiden Rehkitzen an Gräsern knabbert. Wenige Wochen später ist das Muttertier nur noch mit einem Jungtier unterwegs.

„Ein Wolfshund und ein Terrier haben das Kitz quer durch die Gärten in Hanglage gehetzt“, berichtet Wittrodt. An einem Gartenzaun soll das Jungtier in die Falle geraten sein. „Das Kitz lag am Boden, der Wolfshund hat ständig gebissen. Es hat aus dem Maul geblutet und war am Hals verletzt. Alle Nachbarn waren schockiert“, sagt Wittrodt. Sie versuchen, den Hund zu vertreiben – doch sie haben keine Chance. Wittrodt ruft den Jagdpächter André Viganó zu Hilfe. Doch auch er kann nichts mehr ausrichten. Das kleine Reh ist schwer verletzt geflüchtet. Es wurde seitdem nicht mehr gesehen.

Der Jagdpächter geht davon aus, dass es die schweren Verletzungen nicht überlebt hat. „Es ist schlimm, wenn ich verletzte Tiere nicht mehr finden und erlösen kann, weil ich weiß, dass sie schlimme Schmerzen leiden“, so Viganó.

Hundehalterin aus Schöneck war bereits mehrfach negativ aufgefallen

Besonders tragisch: Wie der Jagdpächter berichtet, ist dies nicht das erste Mal, dass die Hundehalterin negativ aufgefallen ist. „In diesem Jahr kam es bereits zu zwei und insgesamt in den vergangenen Jahren zu drei Vorfällen dieser Art durch ein und dieselbe Hundehalterin“, sagt Viganó. Als „schrecklich“ weil „absolut unnötig und vermeidbar“ bezeichnet er die Ereignisse vom September. „Wenn der Hund nicht hört, gehört er an die Leine“, so der Jagdpächter.

Eine Anleinpflicht gilt in der Gemeinde Schöneck in der Brut- und Setzzeit in bestimmten Bereichen vom 15. März bis 30. Juni. Doch auch außerhalb dieser Zeit dürfen Hunde natürlich keine Wildtiere hetzen oder reißen. „Da muss etwas passieren“, findet nicht nur André Viganó.

In der HR-Sendung „Maintower“ hatte Redakteurin Katalin von Draskoczy, die selbst in Schöneck wohnt, im September über die Geschehnisse berichtet. Die Empörung in Kilianstädten ist seither groß. Niemand möchte, dass sich solch eine traurige Geschichte wiederholt.

Gemeinde Schöneck prüft die Einstufung des Hundes

Bei der Gemeinde Schöneck ist man deshalb aktiv geworden. „Wir prüfen, ob der Wolfshundmischling als gefährlicher Hund eingestuft werden kann. Einen Leinenzwang haben wir bereits angeordnet“, sagt Philipp Meißner, zuständiger Mitarbeiter im Ordnungsamt. Im Paragraf 2, Absatz 2 der Hundeverordnung heißt es: „Gefährliche Hunde sind auch diejenigen, (. . .) die durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie unkontrolliert andere Tiere hetzen oder reißen oder aufgrund ihres Verhaltens die Annahme rechtfertigen, dass sie Menschen oder Tiere ohne begründeten Anlass beißen.“

Und weiter: „Gefährliche Hunde darf nur halten, wer eine Erlaubnis der zuständigen örtlichen Ordnungsbehörde erhalten hat. Voraussetzung für die Erteilung einer Erlaubnis zum Halten eines gefährlichen Hundes ist nach Paragraf 3 Absatz 1 der Hundeverordnung unter anderem, dass der Halter die Sachkunde sowie eine positive Wesensprüfung für den jeweiligen Hund nachweist.“

Zeugenaussagen des Vorfalls in Schöneck stehen noch aus

Als gefährlich eingestufte Hunde dürfen außerhalb des eingefriedeten Besitztums des Halters zudem nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden. „Wir haben die Zeugen sowie die Hundehalterin angeschrieben und warten nun auf deren Stellungnahmen, um den Fall weiter bearbeiten zu können“, informiert Meißner.

Auch strafrechtlich könnte der Vorfall Konsequenzen haben. „Eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ist bei uns eingegangen“, bestätigt Josef Michael Rösch, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Im zuständigen Fachkommissariat werde nun geprüft, ob es sich bei dem Angriff auf das Rehkitz um eine Straftat oder lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Danach richte sich das Strafmaß. Eine Rolle spiele dabei unter anderem, ob der Hund absichtlich aufgehetzt wurde. Das Ergebnis der Untersuchung wird der Staatsanwaltschaft vorgelegt, die dann entscheidet. „Das Vernehmen der Zeugen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, ssagt Rösch.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare